Zur mobilen Ansicht wechseln »

HACK Unfreiwillig auf Partnersuche.

Foto: Bild: FacetoFacebook/Screenshot
Die Medienkünstler Paolo Cirio und Alessandro Ludovico schicken mit ihrer Dating-Seite lovely-faces.com 250.000 Facebook-Nutzer unfreiwillig auf Partnersuche. Von den Betroffenen gibt es nicht nur Kritik. Auch rund 5000 Österreicher, darunter der freiheitliche EU-Abgeordnete Andreas Mölzer, scheinen auf der Dating-Seite auf.

"Zwischen 50 und 70 Daten und Fotos von Facebook-Nutzern haben wir seit dem Start der Aktion auf Anfrage entfernt", erzählt Paolo Cirio der FUTUREZONE. Gemeinsam mit Alessandro Ludovico hat er vergangene Woche die Partnersuchseite lovely-faces.com online gestellt.

Dazu haben die beiden italienischen Netzaktivisten mit einer speziellen Software öffentlich zugängliche Informationen von mehr als 200.000 Facebook-Nutzern gesammelt und per Bilderkennungssoftware kategorisiert. Damit wollen sie aufzeigen, wie leicht sich öffentlich zugängliche Daten missbrauchen lassen.

Wut und Gratulationen

"Wir waren weltweit in den Medien und haben viele Reaktionen bekommen", sagt Cirio. "Einige der betroffenen Nutzer waren wütend und haben mit Klagen gedroht, andere haben uns gratuliert". Nach einem Bericht in der ARD Tageschau hätten sich auch viele Leute gemeldet, die gar nicht auf der Seite aufscheinen.

Screenshot von Lovely-faces.com
Screenshot: Andreas Mölzer auf lovely-faces.com - Foto: Bild: Screenshot / Lovely-faces.com

Unter den unfreiwilligen Partnersuchenden finden sich auch rund 5.000 Facebook-Nutzer aus Österreich. Darunter der freiheitliche EU-Abgeordnete Andreas Mölzer. Dass er mit einem Foto auf einer Dating-Seite aufscheint, kümmert Mölzer kaum: "Mir ist das neu und relativ wurscht", sagt der EU-Abgeordnete auf Anfrage der FUTUREZONE. "Ich lebe im realen Leben und nicht im Internet. Außerdem bin ich verheiratet und habe sechs Kinder." Was über ihn auf Facebook stehe, sei allgemein bekannt, das könne jeder lesen, meint Mölzer: "Da stehen keine privaten Details."

"Meine Freundin wird das nicht gut finden"

Auf lovely-faces.com findet sich auch ein Foto des Linzer DJs Uwe Walkner. Er ist über sein Aufscheinen auf der Partnersuchseite wenig erfreut: "Meine Freundin wird das nicht gut finden", meint er: "Ich finde das nicht cool, dass mein Gesicht jetzt auf einer Dating-Website erscheint und damit Schindluder betrieben werden kann."Sein Profil hat er zwar privat gestellt, nur Name und Foto sind sichtbar und können über die Facebook-Suche und auch über Suchmaschinen im Netz gefunden werden.

"Die öffentlich zugänglichen Profile wurden von der Software zufällig aus fünf Millionen Profilen ausgewählt", erzählt Cirio. Fotos und Daten von Nutzern, würden auf Anfrage sofort entfernt. Die Seite werde auch nicht von Google indexiert. Um die Seite zu finden, müsse man etwas darüber gehört oder in Medien davon gelesen haben: "Wir wollen niemanden schaden."

"Facebook ist unmoralisch und undemokratisch"

Lovely-faces.com sei ein Kunstprojekt, dass sich gegen Facebook richte. "Wir wollen aufzeigen, wie diese Daten von jedermann genutzt werden können", erläutert Cirio. An dem Sozialen Netzwerk lässt er kein gutes Haar. Facebook sei unmoralisch und undemokratisch und sollte über regulatorische Eingriffe zu mehr Offenheit gegenüber seinen Nutzern verpflichtet werden.

Unterlassungsaufforderung

Von Facebook haben Cirio und Ludovico bereits am vergangenen Freitag ein Unterlassungsaufforderung erhalten. "Facebook will das wir die Seite vom Netz nehmen und ihnen die Daten aushändigen." Die Frist dafür sei Anfang der Woche abgelaufen.

Wie es weitergehe, könne er nicht sagen, meint Cirio: "Wir beraten uns mit unseren Anwälten." Am Mittwochvormittag war die Seite nicht mehr zu erreichen.

Gegen Internetgrößen

Facebook ist bereits das dritte große Internetunternehmen, mit dem sich Cirio und Ludovico anlegen. In den vergangenen Jahren zogen die beiden gemeinsam mit dem österreichischen Medienkünstlern von Übermorgen.com gegen Google und Amazon ins Feld. Mit der Aktion Google Will Eat Itself wurden über die Einnahmen aus fingierten Klicks auf die Werbeeinschaltungen des Google-Adsense-Programms Aktien des Internet-Untenrehmens gekauft. Ziel war es, so den Suchmaschinenprimus zu übernehmen.

Mit Amazon Noir setzen Bots über das Amazon-Programm "Search Insight the Book" abgefragte Buchauschnitte zum Volltext zusammen und machten die Bücher im Netz frei zugänglich. "Gestern waren es Google und Amazon, heute ist es Facebook", sagt Cirio: "Morgen wird es jemand anderer sein."

Mehr zum Thema:

"Dating"-Seite aus 250.000 Facebook-Profilen

(Patrick Dax)

(futurezone) Erstellt am 09.02.2011, 09:39

Kommentare ()

Einen neuen Kommentar hinzufügen

( Abmelden )

Dein Kommentar

Antworten folgen
Melden Sie den Kommentar dem Seitenbetreiber. Sind Sie sicher, dass Sie diesen Kommentar als unangemessen melden möchten?
    Bitte Javascript aktivieren!