Digital Life
10.06.2018

„Unmoralisch und illegal“: Kritik an Arbeitsbedingungen bei Amazon-Zulieferer

Bei der Produktion von Amazons Echo- und Kindle-Geräten in China werden laut der Organisation China Labour Watch Leiharbeiter ausgebeutet.

Sie werden weit unter den landesüblichen Mindestlöhnen bezahlt, bekommen weder Überstundenzuschläge noch Krankengeld und können bei Produktionsflauten einfach entlassen werden. Laut einem am Sonntag von der Organisation China Labour Watch veröffentlichten Bericht arbeiten mehr als 40 Prozent der Arbeiter in einer Fabrik des Zulieferers Foxconn im chinesischen Hengyang unter solchen Bedingungen.

In einer Stellungnahme zu dem Bericht und zu Recherchen der britischen Wochenzeitung „Observer“ räumte Amazon ein, das Tausende Arbeiter unter illegalen Bedingungen eingestellt und bezahlt wurden. Man sei bei einer Inspektion in der Fabrik in Hengyang im März auf die Missstände aufmerksam geworden und habe Foxconn aufgefordert, sie abzustellen.

Unter Existenzminimum

Ermittler von China Labour Watch arbeiteten ein Monat lang verdeckt in der Fabrik und berichten unter anderem von Arbeitern, die auf ihren Werkbänken erschöpft zusammensanken. Sie mussten bis zu 80 Überstunden pro Monat leisten, nach chinesischen Gesetzen sind lediglich 36 Überstunden pro Monat erlaubt. Das monatliche Gehalt der Arbeiter betrug lediglich 1750 Yuan (rund 232 Euro) und nur etwas mehr als ein Drittel des von der Organisation Asia Floor Wage Alliance für die Region errechneten Existenzminimums von 603 Euro.

Im Vergleich dazu wird das Vermögen von Amazon-Chef Jeff Bezos auf rund 118 Milliarden Euro geschätzt, Foxconn-Geschäftsführer soll über knapp sieben Milliarden Euro verfügen.

„Kein Interesse an Arbeitsbedingungen“

Mit den von Foxconn bezahlten Gehältern sei es nicht möglich, seinen Lebensunterhalt zu bestreiten, kritisierte China Labour Watch Direktor Li Qiang. Die Arbeiter müssten Überstunden leisten, um über die Runden zu kommen. Mit der Einstellung von Leiharbeitern sollte Produktionskosten minimiert werden, sagte Li. Amazon sei lediglich daran interessiert, dass seine Aufträge zeitgerecht erfüllt würden. An den Arbeitsbedingungen habe das US-Unternehmen kein Interesse.

Foxconn wollte den Bericht nicht kommentieren und sagte lediglich, dass man bemüht sei ein positives Arbeitsumfeld zu schaffen und den gesetzlichen Vorgaben zu entsprechen. Amazon und Foxconn wurden bereits in der Vergangenheit wegen ihrer Arbeitsbedingungen kritisiert.