Digital Life
21.10.2014

Virtuelle Zehnjährige entlarvt Sexualstraftäter

Eine niederländische Hilfsorganisation hat mit dem computergenerierten Mädchen Sweetie über 1.000 Sexualstraftäter aufgespürt. Jetzt gibt es die erste Verurteilung.

Der Australier Scott Robert Hansen ist der erste Sexualstraftäter, der durch das computergenerierte Mädchen "Sweetie" überführt werden konnte, wie Wired berichtet. Sweetie wurde von der niederländischen Hilfsorganisation "Terre des Hommes" programmiert, um Straftäter ausfindig zu machen, die Geld dafür bezahlen, Webcam-Sex mit Kindern zu haben. Sweetie sieht aus wie ein zehnjähriges Mädchen aus dem südostasiatischen Raum, da die Opfer von solchen illegalen Geschäften oft aus dieser Region stammen.

Gesteuert wird Sweetie durch Mitarbeiter der Hilfsorganisation. Insgesamt konnten mit Sweetie schon über 1.000 Personen, die für Webcam-Sex mit Kindern bezahlen, ausgeforscht werden. Die Hilfsorganisation sammelt so viele Informationen wie möglich über Personen, die Sex mit Sweetie haben wollen und gibt diese dann an die betreffenden nationalen Behörden weiter. Die bisher gefundenen Täter stammen aus 65 verschiedenen Ländern. In vielen Fällen reichen die gesammelten Daten allerdings nicht aus, um den Behörden eine eindeutige Identifizierung der Täter zu ermöglichen.

Beweisvideos

Hansen ist der erste, der auf Basis der Sweetie-Ermittlungen verurteilt wurde. Er hat sich schuldig bekannt und wurde zu zwölf Monaten Haft und einer verpflichtenden Therapie verurteilt. Im Prozess wurden Chatprotokolle und Videos, die bei den Webcam-Sitzungen mit Sweetie entstanden, als Beweismittel verwendet. Dass Sweetie kein echtes Kind ist, spielte für die Richterin keine Rolle: "Wenn Sie glauben, dass das ein neunjähriges Mädchen ist, dann reicht das für eine Gesetzesübertretung", so Richterin Ryrie gegenüber der BBC.

Sweetie wurde mithilfe von Motion-Capturing möglichst realistisch gestaltet. Mitarbeiter von Terre des Hommes verwenden den Avatar, um in einschlägigen Foren und Chaträumen Ausschau nach potenziellen Sexualstraftätern zu halten. Wenn Interesse gezeigt wird, sammeln sie Informationen. Dabei können die Hilfsorganisationsmitarbeiter die Bewegungen von Sweetie je nach Wunsch steuern.