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Frankreich
04/22/2012

Wahl-Ergebnisse via Twitter-Geheimsprache

Bei vergangenen Wahlen wurden Ergebnisse und Trends von internen Wahlmitarbeitern bereits vor dem offiziellen Ende veröffentlicht. Bei der Frankreich drohen Regelbrechern hohe Strafen – weshalb viele nun in Geheimsprache über die Wahlergebnisse informieren.

Drakonische Strafen hat der französische Staat all denen angedroht, die erste Ergebnisse zur ersten Runde der Präsidentschaftswahl am Sonntag vor Schließung aller Wahllokale um 20.00 Uhr in die Welt hinausposaunen. Doch findige Internet-Nutzer haben sich verabredet, unter Code-Namen die verbotenen Zahlen doch zu veröffentlichen. Im Kampf gegen das umstrittenes Gesetz haben die Franzosen alte Kommunikationsformen aus dem Untergrundkampf des Zweiten Weltkriegs neu belebt. Verschlüsselte Geheimbotschaften wie einst zu Résistance-Zeiten machten am Sonntag im Kurznachrichtendienst Twitter die Runde.

In Anspielung auf damalige codierte Geheimbotschaften der britischen BBC hieß es unter #radiolondres mit Blick auf erste Wahl-Prognosen und den Namen des Top-Favoriten François Hollande: „Holland liegt vor Ungarn“. Präzisere Angaben zum prozentualen Abstand zu seinem Top-Rivalen Nicolas Sarkozy, der als Sohn eines ungarischen Einwanderers geboren wurde, gab es durch den Satz: „In Kanada ist der holländische Ahornsirup mit 33 Dollar deutlich teurer als der ungarische, der nur 26 Dollar wert ist.“

Von Blumen, Wetter und Pudding
Die einfallsreiche Internet-Community hatte jede Menge weiterer Decknamen, Code-Wörter und verschlüsselter Botschaften zu bieten: „Der Pudding ist im Ofen", lautete eine vorgeschlagene Redewendung, sollte der früher wegen seiner rundlichen Figur als „Pudding" verspottete Hollande in der ersten Wahlrunde am Sonntag vorne liegen. Andere bevorzugten in ihrer Internet-Kurzbotschaft bei Twitter eine Wetter-Prognose, mit höheren Temperaturen in den Niederlanden als in Ungarn. Und ein anderer Nutzer twitterte, in seinem Garten seien „die Tulpen aus Holland" höher als „die Stechpalme aus Ungarn".