© Christandl Jürg/Kurier

BILDUNG
04/06/2011

Web-2.0-Nachhilfe für Lehrer

Was Experten schon seit Jahren fordern, ist nun auch im Unterrichtsministerium angekommen: Österreichs Schüler sollen sich intensiver mit Web-2.0-Angeboten wie Wikis, Blogs und Sozialen Netzwerken auseinandersetzen, heißt es in einem Erlass. Doch reicht dieser, um auch skeptische Lehrer von digitalen Medien zu überzeugen?

von Barbara Wimmer

"Web 2.0 - soziale IT-Netze sinnvoll nutzen" lautet der Titel des Erlasses, den das Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur (BMUKK) Ende Oktober an die Landesschulräte und den Wiener Stadtschulrat verschickt hat. Die Vermittlung von digitaler Medienkompetenz steht dabei im Vordergrund. Der "kritische und reflektierte Umgang mit Medien" soll gefördert werden.

Was an manchen Schulen schon seit langer Zeit Realität ist, wird an anderen bisher kaum praktiziert. Der Erlass soll auch die Lehrer dazu bringen, die sich bisher geweigert haben, digitale Medien und Technologien im Unterricht einzusetzen. "Es steht eigentlich seit zehn Jahren in den Lehrplänen, dass digitale, damals hießen sie noch "neue" Medien im Unterricht eingesetzt werden müssen", sagt Erika Hummer, Lehrerin am BG Erlgasse im zwölften Wiener Gemeindebezirk der FUTUREZONE.

eLSA-Schulen als Vorreiter

Hummer selbst unterrichtet an einer von insgesamt 130 eLSA-Schulen in Österreich, die einen Schwerpunkt auf die Bereiche E-Learning und digitale Medienkompetenz gesetzt haben. Blogs, Wikis, Lernplattformen wie Moodle und Soziale Netzwerke werden hier seit Jahren erfolgreich im Unterricht eingesetzt. "Von vielen Schulen wird dieses Unterrichtsprinzip aber nach wie vor ignoriert. Der Erlass ist ein Vorstoß, der dazu dienen soll, dass Lehrer ihren Unterricht an die Lebenswelt der Jugendlichen anpassen", meint Hummer. "Aber der Lehrplan ist für viele ja ein Geheimpapier." Das große Problem liege dabei vor allem bei einer bestimmten Generation von Lehrern, die sich dem Web verweigern, so Hummer.

"Es geht nicht nur um die Technik"

Bernhard Jungwirth von der Initiative Saferinternet.at kann diese Ansicht bestätigen: "Viele Lehrer haben eine große Scheu davor, weil sie sich in der Webwelt nicht so gut auskennen wie ihre Schüler. Dabei geht es dabei nicht nur um die technische Nutzung digitaler Medien, sondern vor allem um ein kritisches Hinterfragen der angebotenen Inhalte im Web. Hier haben Lehrer sehr wohl einen Vorsprung", so Jungwirth.

Saferinternet.at entwickelt als Kooperationspartner des BMUKKs laufend neue Broschüren zu Themen wie Computersicherheit, Datenschutz, Einkaufen im Internet oder Cybermobbing, die von Schulen kostenlos als Unterrichtsmaterial angefordert werden können. Seit dem Erlass verzeichnet die Initiative laut Jungwirth eine starke Nachfrage nach den Materialien. Auch das angekündigte Aktionsprogramm rund um den im Februar stattfindenden "Safer Internet Day" findet guten Anklang. Hier sollen Schulen Konzepte zum Thema sichere Internetnutzung entwickeln. Die besten Projekte werden als "Best Practice"-Beispiele gesammelt und prämiert.

Verbindlichkeit fehlt

Doch werden die Verweigerer von digitalen Medien durch einen einfachen, unverbindlichen Erlass wirklich vom Gegenteil überzeugt? Laut BMUKK-Presseprecherin Sigrid Wilhelm wird nicht kontrolliert, ob sich dadurch etwas an den Schulen ändert. "Das Lehrerfortbildungsprogramm für diese Zielgruppe ist auf jeden Fall vorhanden", meint Hummer. "Solange Medienerziehung als Unterrichtsprinzip so breit gefächert eingesetzt wird, lässt sie sich leichter auf andere schieben", ergänzt Jungwirth, der etwas mehr Verbindlichkeit im Bezug auf digitale Medienerziehung begrüßen würde. "Durch diese Bündelung wird der Thematik auf jeden Fall ein weiterer Schub versetzt, aber es gibt sicherlich noch viel zu tun", so Jungwirth.

(Barbara Wimmer)

Studie zur Web-2.0-Nutzung

Laut einer im Schuljahr 2008/2009 erfolgten Erhebung der Donau-Universität Krems für das BMUKK verwendet jede fünfte Schule Lernplattformen im Unterricht, 24 Prozent nutzen Web-2.0-Tools.

Der Anteil bei Bundesschulen - das sind AHS, BMHS sowie berufsbildende mittlere und höhere Schulen - liegt bei 60 Prozent. An der Befragung nahmen laut Claudia Paller vom BMUKK sämtliche Schulen Österreichs teil, die Rücklaufquote betrug etwa 80 Prozent.

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