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Porträt
06/07/2011

Webtermine.at: Veranstaltungstipps mit Web-Bezug

Seit mehr als zwei Jahren sammelt webtermine.at webbezogene Veranstaltungshinweise. Die von ehrenamtlichen Mitarbeitern betriebene Community-Plattform will Veranstaltungen mit Web-Bezug fördern und zur zentralen Anlaufstelle für Interessierte werden.

von Patrick Dax

Ob der Android-Stammtisch in Graz, eine Infoveranstaltung für Eltern zum Thema Neue Medien in Vöcklabruck oder eine international besetzte Konferenz zum Thema Open Government Data in Wien, auf webtermine.at finden sich Ankündigungen zu diesen und weiteren Veranstaltungen in Österreich. Gemeinsam ist ihnen, dass sie alle mit dem Thema WWW und dem Internet zu tun haben. "Ich besuche seit Jahren webbezogene Veranstaltungen wie Barcamps, Webmontage und ähnliche Treffen. Es gab aber nirgends die Möglichkeit, zentral auf diese Termine zuzugreifen", erzählt Robert Lender, hauptberuflich Beamter im Wirtschaftsministerium, der gemeinsam mit dem IT-Analytiker Robert Harm die Community-Plattform zur Unterstützung internet-bezogener Veranstaltungen gründete.

Befüllt wird das Angebot von rund einem Dutzend ehrenamtlicher Mitarbeiter. Sie sichten und publizieren eingereichte Termine, entwickeln die Plattform technisch weiter oder arbeiten am Layout des Dienstes. Zahlreiche Unterstützer gehen mit Tipps zur Hand oder stellen Flyer und Werbematerial zur Verfügung. Über ein Webformular kann jeder Termine bekanntgeben. Veranstaltungen, die für Teilnehmer kostenlos sind, werden vorrangig behandelt. Lediglich kostenpflichtige Seminar- und Schulungsangebote werden nicht berücksichtigt. "Um die `Timeline` unserer Leser nicht zu verstopfen", wie es auf der Seite heißt.

iCal, RSS und mehr

Etwas mehr als 500 Termine wurden bereits eingetragen, rund 25 Termine weist der Kalender für die kommenden Wochen aus. Sie können iCal- oder RSS-Feeds, per E-Mail oder im JSON-Format abonniert werden, sind über den Kurznachrichtendienst Twitter und auf Facebook verfügbar und werden auch in drei Augmented Reality-Plattformen eingespeist. Auch Widgets zum Einbinden in Webseiten stehen zur Verfügung. Seit dem Relaunch der futurezone, Ende Februar, werden aktuelle Veranstaltungshinweise von webtermine.at auch auf der futurezone-Startseite angezeigt. "Wir wollen die Daten so breit wie möglich unter die Leute bringen", sagt Harm: "Wir sagen, da sind unsere Daten, macht was damit."

Lender und Harm sind, wie viele der ehrenamtlichen Mitarbeiter von webtermine.at, fest in der österreichischen Web-Community verankert. Lender bloggt seit Jahren, ist Mitbetreiber eines Podcasts zur Blog-Software Serendipity und beschäftigt sich mit dem Thema Barrierefreiheit. Manchmal ist er im Web aber auch gerne allein. Harm engagiert sich als Mitgründer des Netzwerkes Open3 für offene Daten und kommentiert in einem Podcast das Geschehen in der IT-Welt.

Gestartet ist webtermine.at im Herbst 2008, nachdem Lender auf seinem Blog eine "Webeventliste" für Österreich anregte. Nach anfänglichen Experimenten mit den Online-Publishing-Angebot Posterous  und soup.io fungiert seit April 2010 die freie Blogging-Software Wordpress samt Kalender-Plug-ins als technische Grundlage.

"Reines Community-Projekt"
Geld verdienen wollen die Betreiber mit der Plattform nicht. "Sie ist ein reines Community-Projekt", betont Lender, der sich auch als Chief Event Officer (CEO) des Projekts bezeichnet. Das sei alleine deshalb spannend, weil viele Leute gut zusammenarbeiten. "Es ist ein schönes Geben und Nehmen", sagt der für die technische Entwicklung zuständige Harm: "Ich gebe der Community etwas und bekomme auch etwas zurück." Über die Arbeit an webtermine.at habe er viele Leute und spannende Projekte kennengelernt.

Die Kosten für den Betrieb der Plattform sind gering. Das Hosting der Seite wird von einem Anbieter gesponsort. Werbung gibt es auf webtermine.at keine. Lediglich über die Micropayment-Systeme Kachingle und Flattr werden Spenden gesammelt. Die Einnahmen sollen in die Ausrichtung eines Create-Camps im Herbst fließen und so wieder der Community zurückgegeben werden, so Lender und Harm.

Noch ist der Veranstaltungskalender etwas Wien-lastig. Lender und Harm arbeiten aber daran, das zu ändern. "Seit wir vor kurzem auf einem Barcamp in Graz waren, gibt es auch mehr Leute, die von dort Termine eintragen", erzählt Lender. "Wir hoffen, dass wir es schaffen, noch mehr in den Bundesländern präsent zu sein." Langfristig soll die die Plattform zur zentralen Anlaufstelle für internetbezogene Veranstaltungen in Österreich werden, hoffen die Gründer.

Tipps für Veranstalter
Leute, die Veranstaltungen planen, will das webtermine.at-Team künftig auch mit Tipps und Informationen unterstützen. "Ich habe selbst bei professionellen Veranstaltungen verzweifelt versucht, aus der Ankündigung herauszulesen, wo das überhaupt stattfindet", erzählt Lender. Neben Anleitungen zum Verfassen von Aussendungen sollen künftig etwa auch
Tipps zur Suche von Veranstaltngsorten oder und zum kostenlosem oder günstigen Videostreaming von Vorträgen auf der Seite zu finden sein. Daneben will das webtermine.at-Team auch Veranstaltungsformate erklären: "Wer weiß schon was ein Twittagessen oder ein Geek Girl Dinner ist?"

Schweizer Version gestartet
Seit kurzem sind die Webtermine auch für die Schweiz verfügbar. Die Schweizer Version wird von einem dort lebenden Österreich betrieben. Das Know-how und die technische Lösung wurde von webtermine.at bereitgestellt. Auch aus Deutschland habe es schon Anfragen gegeben, so Lender.  "Wenn sich jemand findet, der das dort macht, wäre das schön." Die beiden Plattform-Initiatoren denken aber schon weiter. "Wir haben auch schon die Domain webtermine.eu reserviert."