Sensoren erobern immer mehr Facetten des täglichen Lebens - dieser hier wird etwa an einem Zahn angebracht und erkennt die Bewegungen des Kiefers

© APA/NATIONAL TAIWAN UNIVERSITY / HANDOUT

Studie
04/11/2014

Weltweite Datenmenge verzehnfacht sich bis 2020

Laut einer neuen Studie wird die weltweite Datenmenge bis 2020 um den Faktor zehn wachsen. Sensordaten des "Internets der Dinge" sind der wichtigste Wachstumstreiber.

von David Kotrba

Das Digitale Universum, also die Summe der weltweit zirkulierenden Daten, wächst exponentiell. 2013 umfasste es 4,4 Zettabyte (4,4 Billionen Gigabyte), für 2020 werden 44 Zettabyte prognostiziert. Einer der hauptsächlichen Wachstumsbeschleuniger ist das so genannte Internet der Dinge, also Daten, die durch Sensoren erzeugt werden, welche man in immer mehr Gegenständen des alltäglichen Lebens vorfindet. Diese Erkenntnis erbrachte die "Digital Universe"-Studie 2014, die aktuelle Ausgabe einer Publikation, die jährlich durch den IT-Dienstleister EMC und das Marktforschungsunternehmen IDC herausgegeben wird.

Steigende Sensordaten-Nutzung

Laut der Studie steigt der Anteil des Internet der Dinge an der weltweiten Datenmenge kontinuierlich an. 2013 hat der Anteil noch zwei Prozent betragen, 2017 soll er bereits über vier Prozent betragen. Für das Jahr 2020 wird ein Sensordaten-Anteil von über zehn Prozent erwartet. Schon heute könnten knapp 200 Milliarden Objekte über das Internet kommunizieren, doch die prinzipielle Befähigung wird nur in sieben Prozent der Fälle genutzt.

Im Jahr 2020 sollen dagegen 15 Prozent aller internetfähigen Objekte mit der Online-Welt kommunizieren. Ein großer Anteil unter diesen Objekten geht auf mobile Geräte zurück. RFID-Tags, GPS-Sender, Autos, Spielzeug oder Wearables zählen dazu. Ansteigen wird auch der Anteil der nutzbaren Daten, die durch Objekte erzeugt werden. 2013 waren nur 22 Prozent aller Informationen im Digitalen Universum nutzbare Daten. 2020 werden bereits mehr als 35 Prozent aller Daten nutzbar sein.

Speicherung und Sicherheit

Eine große Herausforderung beim Umgang mit der bevorstehenden Datenmenge ist die Speicherung. Der weltweit verfügbare Speicherplatz wächst langsamer als das Digitale Universum. 2013 reichte die verfügbare Speicherkapazität für 33 Prozent aller zirkulierenden Daten, 2020 sollen nur noch 15 Prozent gespeichert werden können. Beim Großteil aller Daten handelt es sich allerdings um flüchtige Daten, etwa Videostreams, interaktive Onlinespiele oder digitales Fernsehen.

Eine weitere große Herausforderung ist die Sicherheit. Wie die Studie feststellt, besteht das Digitale Universum zu 57 Prozent aus Daten, die nicht geschützt werden müssen. Von den 43 Prozent der Daten, die geschützt werden sollten, werden aber weniger als die Hälfte tatsächlich geschützt. Beispiele für schützenswerte Daten sind etwa Unternehmens-Finanzen, persönlich identifizierende Information oder Krankenakten.

Mehr Fachkräfte, andere Märkte

Für den Schutz der Daten, aber vor allem für deren Verwaltung werden künftig immer mehr IT-Fachkräfte benötigt. Neben einem verstärkten Bedarf an IT-Profis wird sich allerdings auch deren Aufgabengebiet erweitern. Laut der Studie trägt eine IT-Fachkraft heute durchschnittlich die Verantwortung über 230 Gigabyte an Daten. Bis 2020 wird dieser Wert auf 1,231 Terabyte ansteigen.

Eine starke Änderung zeichnet sich bei den Herkunftsorten der weltweiten Datenmenge ab. Die so genannten "reifen Märkte", d.h. USA, Westeuropa, Japan, Kanada, Australien und Neuseeland, hielten 2013 einen größeren Anteil am Digitalen Universum als die so genannten "aufstrebenden Märkte", d.h. China, Brasilien, Indien, Russland und Mexiko. Das Verhältnis steht heute bei 60:40. Bis zum Jahr 2020 soll sich dieses Verhältnis umdrehen.

Empfehlungen für Unternehmen

Um den immer größer werdenden digitalen Datenberg als Unternehmen bestmöglich zu nutzen, empfiehlt die "Digital Universe"-Studie fünf Strategien. Zunächst sollte sichergestellt werden, dass Daten zugänglich gemacht werden. Lokale Speicherung oder proprietäre Systeme werden hier als Spielverderber gesehen. Als Hoffnungsträger gilt die Cloud.

Als maßgeblich für die maximale Nutzung von Daten gilt die Echtzeit-Verfügbarkeit. Daten sollen, wenn möglich, dafür eingesetzt werden können, um schnelle Entscheidungen zu fällen und Aktionen zu tätigen. Bei der Datenanalyse ist zudem auf Effizienz zu achten. Als Unternehmen sollte man überprüfen, ob die Analyse von Daten einen Effekt für einen eingeschränkten Personenkreis, wichtige Unternehmensteile oder eine Vielzahl von Konsumenten hat.

Nicht zuletzt sollten Unternehmen bei der Datenanalyse beachten, ob mit Erkenntnissen daraus sinnvolle Veränderungen - sowohl innerhalb eines Unternehmens als auch innerhalb einer Gesellschaft - möglich sind. Schlussendlich sollte nach Möglichkeit auf Synergien geachtet werden. Die jeweils zu bearbeitenden Daten sollten mehr als nur einen der vorherigen vier Punkte erfüllen.

Die "Digital Universe"-Studie wurde heuer bereits zum siebenten Mal durchgeführt. Zu den Ergebnissen von 2014 wurde auch eine Infografik erstellt: