Ein Emirates Airbus A380

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Digital Life
12/22/2016

Wie die Filme und Serien ins Flugzeug kommen

Emirates-Manager Patrick Brannelly spricht mit der futurezone darüber, warum OnBord-Streaming per Netflix und Co. noch lange kein Thema sein wird.

Wie angenehm man einen Langstreckenflug empfindet, hängt nicht selten vom Bordunterhaltungsprogramm der jeweiligen Airline ab. Das ist auch der Grund, warum Fluglinien Millionen in Hardware und Inhalte investieren. "Es kostet zwischen fünf und sieben Millionen Euro, ein System in ein Flugzeug zu integrieren", erklärt Patrick Brannelly, Divisional Vice President Customer Experience bei Emirates, im Gespräch mit der futurezone. Dazu kommen noch Lizenzgebühren sowie die Wartung der Hardware.

Emirates war eine der ersten Airlines, die Bildschirme in jeden Sitz integriert hatten und auch nach wie vor hat das Unterhaltungsprogramm an Bord einen hohen Stellenwert. Die Mediaserver in den Maschinen haben je nach Version eine Speicherkapazität von mehreren Terabyte. Während alte Maschinen noch mit zwei Terabyte auskommen müssen, haben die aktuellsten Varianten "ein Vielfaches" davon. "Wir geben mehr für Entertainment aus als alle anderen Airlines."

Inhalte

"Wir kaufen Content aus der ganzen Welt", so Brannelly. Insgesamt stehe man in Kontakt mit Rechteverwertern in 30 Ländern. Die regionalen Filme machen jedoch nur einen kleinen Teil des Unterhaltungsprogramms aus. "Wir kaufen jedes Monat rund 25 Filme von Hollywood", so Brannelly. Wie viel Geld man in die Lizenzierung steckt, will er nicht verraten. Welche Filme ausgewählt werden, entscheidet ein kleines Team, das in Dubai stationiert ist. Die Redaktion versucht die meisten Filme zu sichten. "Wenn das nicht möglich ist, verlassen wir uns teilweise auch auf verschiedene Review-Webseiten im Netz", so Brannelly.

Zu Beginn jedes Monats wird das neue Programm in die Emirates-Maschinen geliefert. Die Übertragung erfolgt dabei auf einen sehr einfachen Weg, mittels externer Festplatte samt einem speziellen Hochgeschwindigkeits-Anschluss. So wird eine Transferrate von 12,5GB pro Sekunde ermöglicht. Das Aktualisieren des Unterhaltungsprogramms in einer Maschine dauert damit 30 bis 35 Minuten. Durchgeführt wird es meist nachts direkt in Dubai. "In der Regel schaffen wir 90 Prozent unserer Flotte am ersten jedes Monats", so Brannelly. Ein Großteil der Inhalte sind in 720p vorhanden, der Rest in FullHD. 4K sei derzeit noch kein Thema für die Airline. "Der Mehrwert ist einfach nicht sichtbar."

Musik

In Sachen Datenmenge macht Musik nur einen kleinen Teil der Inhalte aus, die Bedeutung darf aber dennoch nicht unterschätzt werden. Laut Brannelly hat die Airline analysiert, wie viel Zeit die Passagiere mit Video- und wie viel mit Musik-Content verbringen. "Wir waren überwältigt, dass die Aufteilung in etwa 50:50 beträgt", so Brannelly. Am intensivsten werden Playlists gehört. "Die Menschen wollen keine Alben mehr hören, sondern vorgefertigte Listen mit verschiedenen Musikstücken", so der Emirates-Manager. Aufgrund der starken Nutzung des Musikangebotes wird auch eine hohe Summe in die Lizenzierung entsprechender Inhalte gesteckt.

Streaming noch lange kein Thema

Die Airline wurde 2016 zum zwölften Mal in Folge im Rahmen der Skytrax Awards als bestes Onboard-Unterhaltungsprogramm weltweit ausgezeichnet. Brannelly schätzt die Bedeutung der Systeme und die des angebotenen Contents trotz mittlerweile sehr hoher Verbreitung von Smartphones und Tablets immer noch als sehr hoch ein. Dass in absehbarer Zeit Flugpassagiere einfach per Netflix und Co. ihre Filme und Serien streamen, glaubt Brannelly nicht. Der Grund liegt in der beschränkten Bandbreite der Internetverbindung in Flugzeugen. "Mit der aktuellen Technologie wird es nie genug Bandbreite geben, dass alle rund 600 Passagiere in einem vollbesetzten Airbus A380 gleichzeitig streamen können", so Brannelly.

Internet an Bord sei dennoch ein wichtiges Thema, das trotz der Zusatzkosten von vielen Passagieren angenommen wird. Auf den längsten Emirates-Routen zwischen Dubai und Los Angeles oder Sydney verbinden sich laut Brannelly im Regelfall rund 90 Prozent der Fluggäste, "also sozusagen jeder". Aus den Statistiken gehe hervor, dass die drei meistgenutzten Dienste an Bord Facebook, WhatsApp und Snapchat seien. "Menschen wollen auch in der Luft 'connected' bleiben."

Games und Virtual Reality

Ein schwieriger Bereich sei das Thema Gaming im Flugzeug. "Die Spiele in Flugzeugen sind nicht besonders gut", so Brannelly. Der Grund liege unter anderem darin, dass die Prozessoren für die Bordunterhaltung nicht besonders leistungsstark und in erster Linie für das Abspielen von Videos konzipiert wären. Die aktuell beliebtesten Spiele seien sehr simple Dinge wie Schach oder Tetris. "Die Menschen nutzen Kleinigkeiten, um die Zeit tot zu schlagen." Aktuell arbeite man jedoch mit Hardware-Herstellern, um die Gaming-Möglichkeiten zu verbessern. "Es ist Zeit für eine Revolution in diesem Bereich", so der Manager. Virtual Reality sei für die Airline aktuell kein großes Thema. "Wir schauen uns das natürlich an, haben aber keine konkreten Pläne."