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© Getty Images / HRAUN/istockphoto

Digital Life
11/11/2019

Wie die "Generation Greta" mit Technologie umgeht

Laut neuer Umfrage prägen Social Media und Online-Spiele Teenager stark. Sie interessieren sich aber auch für Umweltschutz.

von David Kotrba

Wie sehr prägt Technologie das Leben von Jugendlichen? Dieser Frage ging der Austrian Generation Tech Report 2019 nach. Am Montag wurden die Ergebnisse der Online-Umfrage, an der 2000 Personen teilnahmen, präsentiert.

KI, kein Problem

Wie sich in den Ergebnissen zeigt, fühlen sich Jugendliche zwischen 15 und 19 Jahren pudelwohl in der Fülle technischer Möglichkeiten, in die sie hineingeboren wurden. 92 Prozent verwenden bereits irgendeine Form von künstlicher Intelligenz (KI), während der Wert bei über 40-Jährigen 68 Prozent beträgt. Das klingt beeindruckend, spiegelt sich in Realität aber bloß in der Verwendung von Dingen wie Googles Übersetzungsdienst, sprachgesteuerten Assistenten oder Gesichtserkennung wider.

Jugendliche sind überzeugter als ältere Generationen, dass KI eine Chance für die Menschheit darstellt. "Der Komfortgewinn durch Technologien und ihre Alltäglichkeit macht sie für Jugendliche reizvoll", erklärt Sonja Gabriel, Professorin für Medienpädagogik und -Didaktik an der Kirchlich Pädagogischen Hochschule Wien/Krems, dem KURIER. Das technische Verständnis wachse damit aber nicht automatisch.

YouTube als Schule

Social Media prägt das Leben von Jugendlichen mehr denn je, lautet ein weiteres Ergebnis der Umfrage. Facebook spielt für die neue Generation kaum mehr eine Rolle. Beliebt sind vor allem Instagram und YouTube. Letzteres wird auch zur Fortbildung eingesetzt. 81 Prozent der 15- bis 19-Jährigen bejahen die Aussage "Wenn ich etwas nicht weiß, dann kann ich es auf YouTube ganz einfach lernen."

Jugendliche sind sich aber auch mehr als ältere Generationen bewusst, dass man es mit Social Media übertreiben kann. 28 Prozent geben an, Social-Media-Kanäle zu checken, wenn sie nachts aufwachen. 56 Prozent möchten ihre Nutzungszeit deutlich reduzieren. "Typisch menschlich", kommentiert Gabriel. "Wir wissen oft, was theoretisch gut für uns wäre. Die praktische Umsetzung ist etwas anderes. Bei Jugendlichen spielt der Gruppendruck mit. Wenn alle über ein YouTube-Video sprechen, muss man es auch kennen."

Die Aufsteiger bei den Online-Netzwerken sind klar Twitch und TikTok. Während letzteres  vor allem zum Anfertigen lustiger Musikvideos taugt, kann man bei Twitch anderen Menschen beim Computerspielen zusehen.

Spielen mit Freunden

Während Menschen über 40 am liebsten alleine spielen, sehen es Jugendliche eher als soziale Aktivität, etwa in Online-Spielen wie Minecraft oder Fortnite. "Als Jugendlicher sucht man immer nach Gleichgesinnten. Bei Spielen kann man sich die Gemeinschaft drumherum aussuchen. Es ist auch eine Möglichkeit, seinen Freundeskreis mit Menschen zu erweitern, die man real nie getroffen hätte", meint Gabriel.

Spielen birgt für Jugendliche aber noch weitere Vorteile: 70 Prozent meinen, es mache sie kreativer, 41 Prozent nehmen Erkenntnisse daraus in ihr „echtes“ Leben mit. Für 34 Prozent ist die Gamer-Welt gar besser als die echte, weshalb im Ergebnisbericht auch von einer entstehenden "Parallelwelt" die Rede ist.

Mehr Wissen um die Welt

Mit den Problemen der Gegenwart setzen sich Jugendliche  sehr wohl auseinander. Mehr als ältere Generationen interessieren sich 15- bis 19-Jährige für Umweltverschmutzung (die logische Zuschreibung: "Generation Greta"), Gleichberechtigung von Geschlechtern oder soziale Gerechtigkeit. Gabriel: "Durch soziale Medien verbreiten sich diese Themen, die in den vergangenen Jahren viel präsenter waren, schnell. Dort sind Jugendliche unterwegs und eine Person wie Greta Thunberg spricht sie gezielt an. Da schließt sich der Kreis."

Durchgeführt wurde die Umfrage von der Werbeagentur Kobza And The Hungry Eyes und dem Meinungsforschungsinstitut Marketagent. "Wir wollen den Markt besser verstehen und  bei den nach dem Jahr 2000 Geborenen gibt es ein stark verändertes Konsumverhalten durch den Gebrauch von Technologie", erklärt Agenturchef Rudi Kobza.