© Sergio Perez

Atomunfall
04/15/2011

Zoll checkt IT-Geräte aus Japan auf Strahlung

Während rund um die zerstörte AKW-Anlage in Japan bereits die großflächige Absiedelung der Bevölkerung vorbereitet wird, steigt im Rest der Welt die Angst vor verseuchten Waren im Wirtschaftskreislauf. Auch in Österreich treffen neben Lebensmitteln immer wieder Elektronikprodukte aus Japan ein, die auf Strahlung gecheckt werden. Experten und Behörden beruhigen.

von Martin Stepanek

"Während die Vorsicht bei Nahrungsmitteln absolut eine Berechtigung hat, ist die Kontamination von Elektronik-Geräten hingegen äußerst unwahrscheinlich", meint Strahlenexperte Michael Hajek vom Atominstitut der TU Wien im Gespräch mit der futurezone. Zum einen seien Geräte, die nun verschickt werden, längst vor der Katastrophe produziert und verpackt worden. Zum anderen müssten die Geräte schon aus unmittelbarer Nähe des Reaktors stammen, um überhaupt eine oberflächliche Kontamination aufnehmen zu können, so Hajek. Selbst in diesem theoretischen Fall seien die Geräte aber durch ihre Produktion und Lagerung in Gebäuden von vornherein vor Strahlen geschützt.

Kontrollen schon in Japan
Dazu kommt, dass verseuchte Produkte erst gar nicht in Österreich bzw. der EU landen sollten. „Alles und jedes, was Tokio verlässt, wird bereits am Flughafen auf Strahlung geprüft“, bestätigt auch Austrian-Airlines-Sprecherin Ursula Berger. Neben den vom Tokioter Flughafen angeordneten Kontrollen ist bei der AUA weiterhin bei allen Flügen ein Strahlenschutzexperte des Österreichischen Bundesheeres an Bord, der ebenfalls Messungen durchführt. Neben Gepäck und Cargoware werde auch die Außenhülle des Flugzeugs bei jedem Abflug geprüft, bisher ohne auffällige Ergebnisse, so Berger. Bis auf weiteres werde der Experte an Bord mitfliegen.

Die zuständigen Behörden sind ebenfalls um Beruhigung bemüht. „Bei der Überprüfung von Japan-Importen konnte bisher keine Kontamination festgestellt werden“, unterstreicht das für den Zoll zuständige Finanzministerium. Sämtliches Frachtgut werde untersucht, direkt aus Japan importierte Lebensmittel werden darüber hinaus der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) zur Analyse übermittelt. „Erst wenn die Unbedenklichkeit der Importe feststeht, werden die Waren freigegeben“, erklärt Thomas Kvicala, Sprecher von Gesundheitsminister Alois Stöger, gegenüber der futurezone. Bisher seien von keinem europäischen Land Kontaminationen festgestellt worden. Seit Mittwoch gelten zudem EU-weit wieder strengere Grenzwerte für Japanimporte.

Kaum Lebensmittelimporte
Während beim Elektronik-Export vor allem Produktionsverzögerungen und Lieferschwierigkeiten zum Problem für Japan werden, sind die mittelfristigen und Langzeitfolgen des Atomunfalls für die Nahrungskette und Grundwasserversorgung noch gar nicht abschätzbar. Laut Gesundheitsministerium werden aber nur wenige Lebensmittel aus Japan nach Österreich importiert. In erster Linie kommen Teeprodukte und Nahrungsergänzungsmittel, wie Algen sowie Würzpasten aus Japan nach Österreich. Fisch oder Milchprodukte werden im Normalfall nicht eingeführt. Alle Prüfungsergebnisse sind auf der Homepages des Gesundheitsministeriums abrufbar.

Wie Strahlenexperte Hajek anmerkt, müsse man zudem berücksichtigen, dass die meisten Produkte ohnehin nicht aus dem betroffenen Gebiet stammen. „Die Hauptanbaugebiete von Grünem Tee liegen in der Gegend um Kyoko, also mehrere Hundert Kilometer von Fukushima entfernt. Viele Elektronikprodukte japanischer Hersteller stammten zuletzt gar nicht aus Japan. Bedingt durch Tsunami und Erdbeben mussten Hersteller wie Panasonic, Sony oder Nintendo Teile ihrer Produktion in andere Länder auslagern bzw. greifen seit jeher auf Fabriken außerhalb des Landes zurück.