Games
07.11.2014

Call of Duty Advanced Warfare: Kevin Spacey und Exoskelette

Nach einer Durststrecke kommt mit Advanced Warfare mal wieder ein gutes Spiel der Shooter-Reihe. Verantwortlich dafür sind Crysis und Kevin Spacey.

Call of Duty ist das FIFA der First-Person-Shooter. Jedes Jahr kommt ein neuer Teil, jedes Jahr mit der gleichen Formel. Im Falle von CoD heißt das: Sieben Stunden Korridor-Ballern mit einer Alibi-Story und bis zum Erscheinen des nächsten Teils den Multiplayer-Modus spielen.

Die Formel hätte funktioniert, wenn CoD nicht jedes Jahr banaler geworden wäre und sich manche Szenen nahezu 1:1 wiederholt haben – nur mit anderen Skins. Advanced Warfare (PS4, Xbox One, PS3, Xbox360, PC) bricht zwar nicht gänzlich mit alten Mustern, kaschiert aber diese geschickt mit Exoskeletten und Kevin Spacey. Die futurezone hat die PS4-Version des Spiels getestet.

Galerie: Kevin Spacey in Call of Duty

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Kevin Spacey

Auch wenn immer wieder gesagt wird, dass man sich CoD nicht wegen dem Kampagnen-Modus kauft, wird dieser trotzdem immer wieder gespielt. In Advanced Warfare ist dieser, im Gegensatz zu denen der Vorgänger der vergangenen drei Jahre, sogar spielenswert. Die Handlung ist zwar vorhersehbar, aber es gibt keine Atombomben, keine wechselnden, spielbaren Charaktere, die irgendwann in der Story sterben und nur einer der zwei Bösewichte hat einen terroristischen Ostblock-Hintergrund.

Und dann ist da noch Kevin Spacey. Er wertet die gut aussehenden Zwischensequenzen zusätzlich auf, auch wenn die Ausdruckskraft des digitalen Spacey nicht mit der des echten US-Schauspielers mithalten kann. In der deutschen Version von Advanced Warfare hat Spacey die korrekte Synchronstimme. Allgemein ist die deutsche Sprachausgabe überraschend gut geworden.

Nahe Zukunft

Während Kevin Spacey die schon im Vorfeld erwartete Verbesserung für die Story bringt, standen Fans der Spieleserie einem anderen Element kritisch gegenüber: der nahen Zukunft. In Call of Duty: Ghosts ist der unglückliche Mix aus Action und Naher-Zukunft-Sci-Fi nicht aufgegangen. In Advanced Warfare funktioniert es. Das Setting und die Technologie sind stimmig umgesetzt und harmonieren mit der Story. Es erinnert ein wenig an den Film „Edge of Tomorrow“: Futuristisch, ohne unglaubwürdig zu sein.

Auch das Level-Design der Kampagne passt dazu. CoD war zwar schon immer stark gescriptet. In Advanced Warfare wird das gezielt eingesetzt, um filmreife, spielbare Passagen zu inszenieren. Zwar kennt man vieles schon von richtigen Filmen, dennoch wirkt das Ganze in Advanced Warfare weniger aufgezwungen und mehr harmonischer, als in den Vorgängerspielen.

Galerie: Call of Duty Advanced Warfare

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Grüße von Crysis

Der Spieler und die meisten Feinde tragen ein Exoskelett. Je nach Mission hat dieses unterschiedliche Fähigkeiten, wie etwa einen höheren Sprung, einen Overdrive-Modus (Bullettime), einen Tarn-Modus oder ein ausfahrbares, taktisches Schild. Die Exo-Fähigkeiten, sowie das nicht allzu abwegige Sci-Fi-Setting, erinnern an die Shooter-Reihe Crysis, auch wenn der Hightech-Anzug dort mehr kann als das Exoskelett in Advanced Warfare.

Die spannendste Fähigkeit des Exoskeletts ist der Enterhaken. Damit lassen sich schnell lange Strecken und Höhen überwinden. Außerdem können damit aus dem Hinterhalt Gegner herangezogen werden, um sie im Nahkampf zu erledigen (Mortal Kombat lässt grüßen). Schade, dass der Enterhaken in den sechseinhalb Stunden Spielzeit der Kampagne nicht öfters zum Einsatz kommt. Stattdessen gibt es wieder die üblichen (und sehr entbehrlichen) Fahrzeug-Levels. Diese sind zwar kürzer ausgefallen, als bei einigen anderen CoD-Teilen, aber dafür zahlreicher.

Laser und AKs

Das Waffenarsenal ist ein Mix aus aktuellen Gewehren, die teilweise gerade in der Erprobung bei verschiedenen Armeen sind, und fiktiven Waffen. Neben traditionellen Projektilwaffen sind auch ein Laser und eine Railgun mit dabei.

Einige der fiktiven Waffen sind nur minimal veränderte Designs von realen Waffen, wahrscheinlich, damit der Publisher Activision keine Lizenzgebühren zahlen muss. Allgemein sehen die Designs der nicht lizensierten Waffen sehr generisch aus. Das ist zwar nicht Gameplay-relevant, könnte aber die Fans des Multiplayer-Modus irritieren, da es schwerer fällt eine Beziehung zur virtuellen Lieblingswaffe aufzubauen.

Eine interessante Lösung wurde für die verschiedenen Granaten gefunden. Die Granaten der Zukunft sind nur noch in zwei Typen aufgeteilt: Angriff und Taktisch. Die Angriffsgranate kann wahlweise als semi-zielsuchender Sprengkörper, traditionelle Splitter- oder Kontaktgranate geworfen werden. Die taktische Granate kann als EMP-Bombe Drohnen ausschalten, Gegner im Umkreis rot markieren (auch durch Hindernisse hindurch) oder als Blendgranate geworfen werfen.

Mehrspieler-Modus

Die Sprungfähigkeit der Exoskelette bringt frischen Wind in den Mehrspieler-Modus. Viele der Maps haben jetzt größere Höhenunterschiede, einige sind für CoD-Verhältnisse auch ungewöhnlich weitläufig. Die Befürchtung, dass das hohe Springen das Campen von Snipern zusätzlich fördert, hat sich nicht bewahrheitet. Im Gegenteil: Durch die neuen Wege, die sich durch die Höhenunterschiede und das Überspringen von Wänden ergeben, muss man sich noch schneller bewegen, um nicht eine Kugel in den Rücken zu bekommen.

Für Hardcore-Matches gilt das nur bedingt. Durch den höheren Schaden, den hier Waffen verursachen, ist das Springen stets ein Risiko. Gegner in der Luft werden schnell gesehen und ein zwei Kugeln reichen, um diese ins virtuelle Jenseits zu befördern. Deshalb laufen Hardcore-Matches traditionell langsamer ab, während in den normalen Modi die Sprungfähigkeit exzessiv genutzt wird.

Anpassbar

Wie für Call of Duty und mittlerweile viele Multiplayer-Shooter üblich, kann mit dem Klasseneditor ein eigenes Setup zusammengestellt werden. Bei Advanced Warfare hat man 13 Punkte, die für Waffen, Zubehör und Fähigkeiten eingesetzt werden können. Zu Beginn wirkt das noch unübersichtlich. Hat man aber nach ein paar Matches mehr Zubehör für Waffen und einige Perks freigeschaltet, durchschaut man auch das System.

Das Besondere am 13-Punkte-System ist, dass nicht benötigte Waffen oder Fähigkeiten komplett entfernt werden können, um den freigewordenen Punkt neu zu vergeben. Will man etwa ein drittes Zubehör auf die Hauptwaffe geben, ist aber schon am Punktelimit, lässt man einfach die Zweitwaffe zurück. Oder man verzichtet auf eine Exo-Fähigkeit. Neue Waffen-Setups können auf einem Schießstand getestet werden – auch direkt in der Spielelobby. Der Wechsel zum Schießstand erfolgt nahezu ohne Ladezeiten.

Nicht nur Waffen, sondern auch Streak-Belohnungen können mit bis drei Optionen modifiziert werden. Dadurch steigt aber die Punkteanforderung. Will man etwa, dass die automatisierte Aufklärungsdrohne 15 Punkte für ein Assist statt nur zehn Punkte bringt, steigt die Streak-Anforderung der Drohne von 400 auf 450 Punkte.

Anfänger- und Survival-Modus

Den Survival-Modus können zwei Spieler im Splitscreen oder vier Spieler online zusammen spielen. Man kämpft dabei nur gegen „normale“ Gegner, wie Soldaten und Hunde. Der Charme der Zombie- und Alien-Survival-Modi der früheren Teile wird nicht erreicht.

Für Multiplayer-Neulinge oder Spieler, die nicht gut oder motiviert genug sind, um im normalen Mehrspieler-Modus mit den anderen mitzuhalten, gibt es die „Kampfvorbereitung“. Hier gibt es nur voreingestellte Klassen und man kämpft gegen einen Mix aus Menschen und Bots. Die Kämpfe sind anonym und am Ende vom Match sieht man nicht die übliche Ergebnisliste, sondern nur eine Übersicht über die eigenen Erfolge.

Fazit

Es ist eine positive Überraschung, dass ein Call of Duty, nach den enttäuschenden Teilen MW3, Black Ops 2 und Ghosts, es schafft wieder Spaß zu machen, ohne seiner Linie untreu zu werden. Die Kampagne ist jetzt ein gelungener Bestandteil des Spiels und nicht bloß ein Abfallprodukt des Mehrspieler-Modus. Wer vor hat nur solo zu spielen, sollte dennoch nicht zu Advanced Warfare greifen. Mit sechs bis sechseinhalb Stunden Spielzeit ist die Kampagne gewohnt kurz – da kann auch Kevin Spacey nichts daran ändern.