Damit man die Charaktere im Game spielen kann, muss man die physischen Figuren besitzen.

© Disney

Disney Infinity 2.0: Schöne Figuren für kurzes Vergnügen
10/04/2014

Disney Infinity 2.0: Schöne Figuren für kurzes Vergnügen

Die neueste Version der Mischung aus physischen Figuren und Videospiel hat einen kurzen Storymodus. Wer mehr spielen will, muss Inhalte selber machen.

von Gregor Gruber

Disney Infinity war die Antwort auf Skylanders, das Activision seit 2011 über zwei Milliarden US-Dollar Umsatz beschert hat. Mit Infinity 2.0 (PS4, PS3, Wii U, Xbox One, Xbox360) erweitert Disney das Spiele-Universum um die Marvel-Charaktere, wodurch der finanzielle Erfolg fast schon vorprogrammiert ist. Trotz den Avengers und Guardians of the Galaxy kann das Spiel im futurezone-Test nicht gänzlich überzeugen.

Figuren mit NFC

Das „Marvel Super Heroes Starter-Set“ von Infinity 2.0 besteht aus der Base Plate, drei Avengers-Figuren, zwei Toybox-Spielediscs, dem Avengers-Playset und dem eigentlichen Spiel. Die Figuren, Spielediscs und das Playset haben NFC-Chips integriert. Die Base Plate wird per USB an die Konsole angeschlossen. Das Playset oder die Spielediscs werden in den sechseckigen Slot gestellt, die Figuren in die zwei runden Slots. Spielt man zu zweit im Splitscreen, werden beide Slots mit Figuren bestückt. Will man im Spiel Charakter wechseln, tauscht man einfach die Figur – dies ist jederzeit möglich.

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Auch wenn die Figuren die bekannten Marvel-Charaktere Iron Man, Thor und Black Widow darstellen, sind sie in dem charakteristischem Infinity-Stil gehalten. Dadurch schauen die Figuren ihren digitalen-Ebenbildern sehr ähnlich. Die Figuren sind großteils auch gelungen. Iron Man sieht sehr gut aus, Im Vergleich zu Black Widow ist Thors Kopf aber winzig und das Gesicht zu simpel modelliert. Star Lord und Gamora der optional erhältlichen Guardians of the Galaxy-Figuren (als Vorbild dient der Film, nicht die Comics) sind gelungen. Bei Rocket Raccoon ist das Gesicht zwar ausreichend detailliert, der Stil passt aber nicht ganz zu den anderen Figuren.

Die Figuren haben keine beweglichen Teile und wirken massiv genug, um auch gröber spielenden Kindern standzuhalten. Lediglich das dünne Schwert von Gamora könnte sich verbiegen.

Vier Stunden Story

Playsets sind die Story-Modi bei Disney Infinity. Das Avengers-Playset von Infinity 2.0 bringt den Spieler nach New York. Es gilt mit den Marvel-Superhelden einen hinterlistigen Plan von Loki zu vereiteln. Das ist in vier Stunden erledigt – spielt man alle Extra-Missionen und Herausforderungen, sind es fünf Stunden.

Zur kurzen Spielzeit kommt hinzu, dass die Aufgaben immer aufs Gleiche hinauslaufen: An einem bestimmten Punkt müssen Gegner besiegt werden. Zwei Boss-Kämpfe sollen das Geschehen auflockern. Der Schwierigkeitsgrad der Bosse ist um Einiges höher als der normale. Wer viel Geld hat, ist dabei im Vorteil. Wird man besiegt muss man den Bosskampf von vorne beginnen oder eine andere Figur auf die Base Plate stellen. Je mehr Figuren man hat (diese kosten ab 12 Euro pro Stück), desto mehr Versuche hat man den Boss zu schlagen, ohne jedes Mal von vorne beginnen zu müssen.

Fades New York

New York ist in Infinity 2.0 relativ klein ausgefallen – einige Stadtteile gibt es einfach nicht. Das ist schade, denn das Herumfliegen mit Iron Man macht Spaß und wäre lustiger, wenn die Stadt größer ist.

Spielt man allerdings als eine Figur die nicht fliegen kann, wie etwa Black Widow, ist selbst das kleine New York zu groß. Die Fahrzeuge steuern sich so grauenvoll, dass man lieber zu Fuß zum nächsten Punkt geht, auch wenn das eine gefühlte Ewigkeit dauert. Ist der Punkt auf einem Dach, muss erst ein Jump Pad oder ein Aufzug gesucht werden, was unnötig frustrierend ist.

Abgesehen vom Avengers-Tower fehlen die typischen Marvel-Wahrzeichen, wie das Gebäude des Daily Bugle oder das Baxter Building. Dadurch wirkt die Stadt sehr generisch. Immerhin gehen Menschen in den Straßen und es fahren Autos, dennoch ist New York lieblos gestaltet und nicht lebendig.

Toybox

Bei dem Starter-Set sind noch zwei Toybox-Playdiscs enthalten. Eine ist eine Verteidigungsmission in Asgard, inklusive Abwehrtürmen, die zwischen den Wellen platziert werden können. Die andere Disc ist ein Hack-and-Slash, bei dem die Kamera die Charaktere aus der Vogelperspektive zeigt. Beide sind Anfangs eine nette Gameplay-Abwechslung. Da aber die Umgebung immer gleich aussieht, gibt es nach zwei oder drei Levels die Ernüchterung.

Das eigentliche Highlight von Infinity 2.0 ist, wie schon beim Vorgängerspiel, die Toybox. In diesem Modus können eigene Spielewelten und Minigames kreiert werden. Im Vergleich zum Vorgänger wurde das Interface überarbeitet und es gibt Helfer, die automatisch Umgebungen und etwa auch Rennstrecken erstellen können. Ebenfalls gut: Das Zufallsmodell zum Freischalten von Gegenständen aus dem Vorgänger wurde entfernt. Gegenstände können jetzt direkt mit gesammelten Punkten freigeschaltet werden.

Will man wirklich umfangreiches Levels und eigene Spiele gestalten, muss man aber immer noch viel Zeit investieren. Will man etwas bestimmtes erstellen, ist die Chance hoch, dass man nach dem Trial-and-Error-Prinzip arbeiten muss. Entweder, weil man das passende Tutorial in der Masse der Tutorials übersehen/schon wieder vergessen hat oder weil es keine Erklärung für das gibt, was man bauen will. Dafür ist das Erfolgserlebnis aber dann umso schöner, wenn ein Level so gelingt, wie man es sich vorgestellt hat.

Verbessertes Charaktersystem

Eine Neuerung bei Infinity 2.0 ist das verbesserte Kampfsystem. Neben normalen und Distanzangriffen gibt es jetzt etwa auch Attacken um Blocks zu durchbrechen und Konterangriffe. Im Avangers- und Guardians of the Galaxy-Playset sind diese Moves aber nur optional – man kann auch problemlos Kämpfe gewinnen, wenn man einfach nur auf die normale Angriffstaste hämmert.

Das Charaktersystem wurde verbessert. Jeder Charakter hat einen Fähigkeitenbaum. Für erfüllte Missionen und besiegte Gegner gibt es Erfahrungspunkte, bei genügend Erfahrungspunkten ein Level Up. Im Fähigkeitenbaum können dann neue Moves und Kräfte freigeschaltet und der Charakter auf Nahkampf oder Fernangriff spezialisiert werden. Auch Figuren von Disney Infinity 1 erhalten den Fähigkeitenbaum, wenn sie in Infinity 2.0 genutzt werden.

Trotz der verschiedenen Eigenschaften spielen sich die Figuren sehr ähnlich. Black Widow kann genauso einfach Autos stemmen wie Thor und ohne Upgrade laufen auch alle Charaktere gleich schnell. Der größte Unterschied: Manche Charaktere können fliegen.

Keine Micky Maus in New York

Schade ist, dass in dem Starter-Set ausschließlich Marvel-Figuren enthalten sind und es keine Verbindungen zum klassischen Disney-Universum gibt. So kann man etwa nicht mit Micky Maus die Eisriesen bekämpfen. Will man solche Mash-Ups spielen, muss man in der Toybox eigene Abenteuer kreieren.

Immerhin gibt es in den Marvel-Playsets Verknüpfungen. In New York kann man zehn Münzen einsammeln, um als Rocket Raccoon spielen zu können. Im Guardians of the Galaxy-Playset ist dasselbe mit Iron Man möglich. Ein wenig seltsam ist, dass es in New York auch für Nova Crossover-Münzen gibt, aber nicht für andere Figuren aus dem optional erhältlichen Spider-Man-Playset. Spider-Man selbst und Nick Fury dürfen beim Avengers-Playset nicht mitspielen.

Kosten und Kompatibilität

Während die Figuren und Power-Münzen von Infinity 1 in der Toybox von Infinity 2.0 genutzt werden können, sind die Playsets des Vorgängerspiels nicht kompatibel. Eine komplette Liste der Auf- und Abwärtskompatibilität findet man auf der Disney Website.

Einer der größten Kritikpunkte des ersten Teils ist auch in 2.0 vorhanden: der Preis. Das Starter-Set mit den drei Charakteren kostet 70 Euro, was für einen fünfstündigen Story-Modus kein Schnäppchen ist. Will man ein weiteres Playset erwerben, derzeit gibt es Spider-Man und Guardians of the Galaxy, kosten diese im Bundle mit zwei Figuren je 30 Euro. Das ebenfalls getestete Guardians of the Galaxy-Playset konnte noch weniger als das Avenger-Playset überzeugen und war ebenfalls in vier Stunden durchgespielt.

Will man alle verfügbaren Story-Modi spielen, muss man demnach mindestens 130 Euro für zwölf bis 15 Stunden Spielzeit investieren. In den Playsets gibt es Missionen, die nur mit optional erhältlichen Figuren gespielt werden können. Eine einzelne Figur kostet 12 oder 13 Euro. Rechts oben auf der Verpackung zeigt ein Logo, für welches Playset die Figur genutzt werden kann. Jede Figur, egal für welches Playset sie gedacht ist, kann auch in der Toybox gespielt werden. Einige Figuren, wie etwa Donald Duck, Aladdin oder Tinkerbell, sind nur in der Toybox spielbar.

Fazit

Aufgrund der kurzen Spielzeit der Playsets ist Disney Infinity 2.0 ein Spiel für Selbermacher. Auch wenn man gehofft hat das Marvel-Universum mit Donald, den Incredibles oder Buzz Lightyear unsicher zu machen, muss man sich eigene Levels in der Toybox erstellen. Die Komplexität des Toybox-Modus könnte aber einige Kinder und Erwachsene abschrecken - investiert man aber genug Zeit, können sich die eigenen Levels aus dem Baukasten sehen lassen.

Und man hat ja noch die physischen Figuren. Diese sind für Kinder aufgrund der Unbeweglichkeit vielleicht nicht so spannend wie klassische Actionfiguren, machen sich aber gut auf dem Schreibtisch und in der Vitrine.

Wer auf die Figuren verzichten kann/will, erhält mit Lego Marvel Super Heroes um etwa 40 Euro ein deutlich größeres New York mit acht Stunden Story und nochmal gut zehn bis 15 Stunden, um alle Zusatzcharaktere und Sammelgegenstände freizuschalten. Allerdings lässt sich hier Iron Man im Flugmodus nicht ansatzweise so gut steuern wie in Disney Infinity 2.0

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