Games 16.07.2017

HTC Viveland: Zu Besuch im VR-Vergnügungspark

© Bild: Michael Leitner

Taiwans Elektronikmärkte bieten all das, was das Herz von Gamern und Gadget-Freaks begehrt. Mitten unter Smartphones und Drohnen versteckt sich zudem ein VR-Vergnügungspark.

Taiwan hat nicht ohne Grund den Ruf, die “Wiege der modernen Elektronik” zu sein. Sei es nun Asus, Acer, Foxconn, HTC oder Gigabyte: Der kleine Inselstaat, der 180 Kilometer vor der chinesischen Küste liegt, ist die Heimat vieler bekannter Technologie-Konzerne. Da verwundert es kaum, dass klassische Supermärkte rar, dafür aber an jeder Ecke PC-Komponenten, Smartphones und Gadgets verkauft werden. Die Elektronikmärkte Taipehs sind legendär und sind in ähnlicher Form wohl nur in Tokio (Akihabara) und Shenzhen (Huaqiangbei) zu finden.

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Eine von vielen Stationen bei Viveland: Man fährt in der Welt der Rabbids einen Steilhang hinunter, inklusive Fahrtwind

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Die Sandsäcke sind auch in der virtuellen Realität vorhanden, der Spieler muss Angreifer abwehren

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Den meisten Spaß bot wohl der Fahrsimulator

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Der Spaziergang in schwindelerrgenden Höhen auf einer echten Planke fühlt sich erstaunlich realistisch an

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In eigenen Räumen kann man allein bzw. mit Zuschauern mit der Vive spielen

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Die Preisliste im Viveland, kurze Wartezeiten muss man aufgrund der begrenzten Räume einplanen

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Syntrend von außen

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Eine typische Einkaufsliste im Einkaufszentrum nebenan

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Der Eingangsbereich von Syntrend

Das wohl bekannteste Beispiel: Syntrend. Das 2015 eröffnete Einkaufszentrum liegt im Herzen Taipehs, genau zwischen dem Studentenviertel Da’an und dem Regierungsbezirk Zhongzheng, und ist der Traum aller Gadget-Sammler und Geeks. Auf zwölf Stockwerken und mehr als 8100 Quadratmetern präsentieren sich die bekanntesten Technologie-Konzerne Asiens. Bereits beim Betreten wird man von den Flagship-Stores von HTC, Asus und HP begrüßt. Einen Tag nach der Präsentation des U11 kann man dort schon das neue Flaggschiff-Smartphone ausprobieren und wenige Meter weiter sind die kostspieligen, aber ebenso leistungsfähigen High-End-Gaming-Laptops von Asus zu finden.

Teure VR-Erfahrung

Auf den anderen Stockwerken bietet sich ein ähnliches Bild, wobei jeder Stock ein bestimmtes Motto hat. Während es im Erdgeschoss noch um das “Schauen” (“Look”) geht, dreht sich im ersten Stock alles um das “Anfassen” (“Touch”) - hier sind vorwiegend Laptops und PCs zu finden. Ein unerwartetes Highlight findet sich im zweiten Stock: Obwohl es bei “Click” vorwiegend um Kameras geht, wird grob geschätzt ein Viertel dieses Stockwerks vom “Viveland” eingenommen.

HTC hat im Vorjahr hier einen “VR-Vergnügungspark” eröffnet, bei dem jeder die HTC Vive voll auskosten kann. Die günstigste Erfahrung: Ein Spaziergang auf einem engen Steinvorsprung (simuliert durch eine wackelige Planke auf gepolstertem Boden), während man einen Drachen abwehren muss. Für fünf bis zehn Minuten Spaß (und Schrecken) muss man 150 Taiwan-Dollar, umgerechnet rund 4,50 Euro, bezahlen. Wer 30 Minuten allein mit einer Vive und der umfangreichen Spiele-Bibliothek verbringen möchte, muss 400 Taiwan-Dollar (rund zwölf Euro) bezahlen. Die intensivsten Erfahrungen bieten aber die Spiele “Front Defense” (200 Taiwan-Dollar) und “Project CARS” (250 Taiwan-Dollar).

Während man bei “Front Defense” mit Waffen-Controller ausgestattet im zweiten Weltkrieg kämpft und sich von Deckung zu Deckung vorarbeiten muss, sitzt man bei “Project CARS” im beweglichen Auto-Chassis. Das Fahren im Rennauto machte am meisten Spaß, da sich das Szenario einfach perfekt in VR übertragen lässt - lediglich der Fahrtwind fehlte. So spaßig der VR-Vergnügungspark auch sein mag, hierzulande muss man nicht darauf verzichten: In Wien gibt es unter anderem das VR-Cafe Vrei mit ähnlichen Vive-Experiences.

Elektronik-Bazar

Doch während das relativ junge Syntrend auf Hochglanz und modernes Einkaufszentrum getrimmt wurde, findet sich nur 50 Meter weiter ein Blick in die Vergangenheit. Im Guang Hua Digital Plaza wird bereits seit mehr als vier Jahrzehnten mit Elektronik gehandelt. Hier sind hunderte von Händlern zu finden, die ihre Produkte feilbieten und oft auch zum Handeln bereit sind - auf ein Schnäppchen darf man hier zwar nicht hoffen, doch gerade bei PC-Komponenten kann man sich den einen oder anderen guten Deal erarbeiten. Die Auswahl ist gewaltig: Während in manchen Stockwerken einzelne Shops nur CPUs oder Grafikkarten verkaufen, sind in anderen Ecken wiederum ausschließlich Smartphone-Hüllen, Kopfhörer oder Dashcams zu finden. Hier stolpert man hin und wieder auch über günstige Kopien von Markenprodukten, die den Originalen aber meist nur in der Qualitätssicherung nachstehen - hin und wieder hat man Glück, doch gelegentlich fallen die Produkte bereits beim Auspacken auseinander.

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Mario Kart als Spielautomat

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Ein beliebter Pokémon-Automat, bei dem man seine Pokémon als Sammelkarten mitnimmt und trainieren kann

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Pacman-Airhockey

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Ähnliches Fake-Lego gibt es in Asien zuhauf - hier ein Apple-Store aus Fake-Lego

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Diese Gashapon-Automaten finden sich ebenfalls an jeder Ecke in Taipehs Einkaufszentren

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Neko Atsume ist ein in Asien beliebtes Smartphone-Spiel, bei dem man Katzen sammeln muss

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Einer von vielen (schlecht verarbeiteten) Fidget Cubes - dieses Modell war offenbar aus alten Elektronikteilen zusammengestellt

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Gefälschte Marvel-Fanartikel gibt es ebenso an jeder Ecke zu finden

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Finde den Fehler

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Ebenfalls besonders beliebt in Asien: Ringe, die meist per Saugnapf oder doppelseitigem Kleber auf der Rückseite des Smartphones befestigt werden - so kann es auch mit einer Hand bedient werden

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Eigene Gundam-Shops, wie hier in Taipehs Systrend, sucht man in Österreich vergeblich

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Gefälschte Pokémon-Fanartikel liegen in Asien ebenfalls im Trend

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Der beliebte Messenger Line hat sogar einen eigenen Fan-Shop, in dem Plüschtiere, Haushaltsartikel und vieles mehr mit den bekannten Maskottchen erhältlich sind

Im Vergleich zu chinesischen Händlern ist man in Taiwan deutlich zurückhaltender. Statt die Kunden aggressiv anzusprechen, kann man sich das Angebot in aller Ruhe ansehen und nach dem richtigen Produkt suchen. Das einzige Ärgernis: Kreditkarten werden in den kleinen Shops nur selten akzeptiert, meist muss man den gesamten Betrag bar bezahlen. Im Gegensatz zu Beratern in heimischen Elektronikgeschäften kennen sich nahezu alle Verkäufer dort auch mit der Hardware aus und können kompetente Auskunft geben - sofern sie denn Englisch sprechen. Eine Verkäuferin in Syntrend erkannte beispielsweise das U11 in meiner Hand sofort und wollte es kurz ausprobieren.

Ab in den Untergrund

Wer auf der Suche nach den wirklich ungewöhnlichen Waren ist, muss in den Untergrund gehen. Die Taipei City Mall ist ein mehr als 800 Meter langer Tunnel, der die U-Bahn-Station Taipei Main Station und den Bahnhof Taipei Station miteinander verbindet. In diesem scheinbar endlosen Tunnel sind unzählige Shops mit Gadgets, Kleidung und Videospielen sowie zahlreiche Spielhallen zu finden. Besonders verwirrend beim ersten Besuch: Unzählige Automaten, die kleine Sammelfiguren und Spielzeuge in Kugeln enthalten. Die Auswahl für diese sogenannten “Gashapon” ist gewaltig, allein dort gibt es mehrere hundert Automaten. Angefangen bei bekannten Anime-Serien wie “Sailor Moon”, “Pokémon”, “Bananya” und Spielen wie “Neko Atsume” bis hin zu Kuriosem (Pullover für Trinkflaschen) ist nahezu alles dabei. Billig ist der Spaß aber nicht: 60 Taiwan-Dollar in Münzen (rund zwei Euro) werden pro Kugel fällig.

Bei uns fast ausgestorben, in Taiwan noch weit verbreitet: Spielhallen, in denen vorwiegend Musk-Spiele wie Chunithm gespielt werden. Aber auch eher “klassische” Spielautomaten, wie Airhockey (gemischt mit Pacman), Mario Kart oder Greifautomaten sind hier zu finden. Bei den Greifautomaten gibt es vor allem kleine Spielzeuge zu gewinnen, beispielsweise die aktuell allgegenwärtigen Fidget Spinner. Ein Versuch ist verlockend, doch die Chancen sind trotz niedriger Kosten (10 Taiwan-Dollar pro Versuch) gering. Auch nach mehreren Versuchen blieben die sinnlosen Handkreisel im Automaten - vielleicht auch besser so.

( futurezone ) Erstellt am 16.07.2017