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09/09/2014

Infamous First Light: Vorspiel im Neonschein

Der Standalone-DLC Infamous: First Light bietet vier bis fünf Stunden solides Gameplay, erreicht aber nicht den hohen Qualitätsstandard, den das Originalspiel vorgelegt hat.

Infamous: Second Son (hier geht es zum Test) war das erste PS4-Spiel, dessen Grafik Sonys Next-Gen-Konsole würdig war und das auch mit Handlung und Gameplay überzeugen konnte. Mit Infamous: First Light (14,99 Euro Download, 20 Euro auf Disk) ist jetzt ein DLC erschienen, der auch ohne das Original-Game gespielt werden kann.

Bei First Light machen sich die Comicwurzeln von Infamous bemerkbar. First Light ist ein Prequel, die Handlung spielt vor derer von Second Son. Wie bei manchen Spin-Offs von bekannten Comics wird die Vorgeschichte aus der Sicht einer Spielfigur erzählt, die in der eigentlichen Comicreihe nur ein Nebendarsteller ist.

Im Fall von First Light ist das Fetch. In Second Son wird der Hauptcharakter Delsin auf sie aufmerksam, da die Selbstjustiz an Drogendealern übt. Ihre in Second Son angedeutete, tragische Hintergrundschichte wird nun ausführlich erzählt.

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Kein Mitgefühl

Während man in Second Son nach und nach Puzzlesteine entdeckte und sich so selbst ein Bild über Fetch machen konnte, wird einem das Bild in First Light aufs Auge gedrückt. Noch dazu ist die Handlung sehr vorhersehbar (selbst für ein Prequel), was aus dem interessanten Charakter Fetch ein Mittel zum Zweck macht, um Seattle für vier bis fünf Stunden unsicher zu machen.

Die Handlung und auch die Zwischensequenzen sind weniger raffiniert als in Second Son. Die deutsche Synchronisation ist ebenfalls mangelhaft – Fetch klingt immer wie ein ängstliches Mädchen, egal ob sie im Wutanfall 20 Feinde gesprengt oder gerade eine Geisel gerettet hat.

Neon-Power

Zum Glück bleibt das bewährte Gameplay von Second Son. Es macht Spaß mit Neon-Superkräften ausgestattet durch Seattle zu flitzen, die Schwachstellen von Gegnern aus der Distanz zu beschießen und sie im Nahkampf auszuschalten.

Fetch beherrscht zwar nur Neon (Delsin hatte in Second Son vier Kräfte), dafür sind aber neue Fähigkeiten hinzugekommen. Um die Fähigkeiten freizuschalten, werden „Lumen“ (leuchtende Neonflecken) gesammelt, die durch Jump-and-Run-Einlagen oder in Checkpoint-Rennen gesammelt werden. Für das Erfüllen von Nebenaufgaben und bestimmte Handlungen (z.B: Besiege 50 Gegner im Nahkampf), gibt es ebenfalls Lumen.

Das Einsammeln ist recht einfach, weshalb Fetch schon bald zu stark ist und Feinde im Story-Modus keine echte Herausforderung bieten. Die stärksten Varianten der Fähigkeiten, die auch die interessantesten sind, werden erst nach dem Durchspielen freigeschaltet. Schade, denn Fetch ist ohnehin zu stark, da hätten die Entwickler den Spielern wenigstens noch etwas Spaß in den Story-Missionen gönnen können.

Immerhin können die Kräfte noch in der Arena, in Survival-Kämpfen, eingesetzt werden. Die Arena-Kämpfe sind nicht besonders spannend. Es wirkt als hätten die Entwickler die Arena eingebaut, um die kurze Spielzeit von First Light, mit relativ wenig Aufwand, zu verlängern.

Sightseeing in Seattle

First Light ist zwar immer noch ein Open-World-Spiel, Seattle ist jedoch kleiner als beim Originalspiel. Für die ohnehin kurze Story reicht das aber völlig aus.

Die liebevolle, grafische Gestaltung der US-Stadt kann zwar wieder überzeugen, allerdings fehlt es Seattle an Leben. Die Passanten reagieren kaum auf Fetch. Im Vergleich zu Second Son scheint es niemanden zu interessieren, wenn jemand mit Superkräften rosa leuchtend durch die Straßen flitzt und Autos (samt den Fahrern) in die Luft jagt.

Keine Moral

Da wundert es nicht, dass auch Fetch wenig für die Menschen übrig hat. Zwar weigert sie sich noch am Anfang einer Mission Polizisten anzugreifen (fünf Minuten später hat sie kein Problem mehr damit), hat aber keine moralischen Bedenken alles und jeden auf der Straße platt zu machen. Warum auch, wenn es keine Auswirkungen hat: Das für die Infamous-Reihe bekannte Moralsystem wurde komplett gestrichen.

In der Handlung von First Light wird das damit erklärt, dass Fetch zu dem rücksichtslosen Verhalten getrieben wird. Hat man Second Son gespielt, wird man das Moralsystem dennoch vermissen. First Light fühlt sich dadurch etwas hohl und banal an. Das zieht sich durch mit zum Schluss. Das Ende wirkt fast schon, als würden sich die Entwickler über das Moralsystem von Second Son lustig machen.

Fazit

Auch wenn das Gameplay passt und das Kämpfen mit Superkräften in Seattle Spaß macht: Wer Second Son nicht gespielt hat, wird mit First Light nichts anfangen können. Selbst als Kenner des Hauptspiels muss man schon ein großer Fan von Infamous sein, um für die vier bis fünf Stunden Spielzeit 15 Euro zu zahlen. Und gerade als Fan wird man danach bedauern, dass das gute Grundgerüst von Second Son nicht besser genutzt wurde, um die Geschichte von Fetch zu erzählen.