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Mini-Konsole Nintendo Classic Mini im Test: Klein, kurz, kultig.

Nintendo Classic Mini
Nintendo Classic Mini - Foto: Gregor Gruber
Die Miniaturversion des NES hat 30 klassische Spiele vorinstalliert, die in HD-Grafik wiedergegeben werden. Das Highlight ist aber der Hardware-Retro-Knuddel-Faktor.

Nintendo hat mit dem Nintendo Classic Mini (70 Euro) das offiziell gemacht, was seit Jahren im Internet, Ramschgeschäften und bei Straßenmarktständen – zwischen Panaphonics-Kopfhörern und Sorny-Fernsehern – verkauft wird: Eine simple Konsole mit eingebauten Retro-Games.

Diese 80-Games-in-One-Konsolen sind nicht lizenziert, hässlich und haben oft nicht funktioniert. Dementsprechend groß sind die Hoffnungen, dass Nintendo mit dem Classic Mini echtes Retro-Feeling liefern kann. Bei den nicht lizenzierten Crap-Konsolen hat man höchstens gehofft, dass es nicht zu einem Kabelbrand kommt.

Knuddel-Faktor

Das Design des Classic Mini ist das der NES-Konsole, die in dieser grauen Form erstmals 1985 in den USA verkauft wurde – nur kleiner. Nintendo hätte den Classic Mini wahrscheinlich sogar noch kleiner machen können. Zumindest deuten darauf das geringe Gewicht und der Hohlraum im Inneren des Plastikgehäuses hin.

Die Schrumpfung ist aber angemessen stark ausgefallen, der Classic Mini sieht süß aus. Wäre das Plastik nicht so hart, würde man den Konsolen-Zwerg am liebsten knuddeln.

Anschlüsse

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Foto: Gregor Gruber
An der Unterseite sind vier rutschhemmende Gummifüßchen. Vorne ist eine einrastende Power-Taste mit gut fühl- und hörbaren Klick, sowie eine etwas strengere Reset-Taste. Rechts vorne sind noch die zwei Controller-Ports, die Nintendo-Fans kennen sollten. Es sind dieselben Stecker, die man bei den Wiimotes findet. Ein zweiter Controller hat eine unverbindliche Preisempfehlung von 10 Euro.

An der Rückseite ist ein HDMI-Port und Micro-USB-Port für die Stromversorgung. HDMI-Kabel und Micro-USB-Kabel sind mitgeliefert. Ein Stecker für die Steckdose fehlt, der Classic Mini kann aber problemlos per Smartphone-Ladestecker mit Strom versorgt werden. Hat der TV einen USB-Anschluss, kann auch über diesen die Stromversorgung klappen. Im Test lieferten ein 2015er UHD-LG- und ein drei Jahre alter Samsung-FullHD-TV genug Energie über USB, um den Classic Mini zu betreiben.

Zu kurz

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Foto: Gregor Gruber
Der Controller fühlt sich zwar auch Mini an, hat aber dieselbe Größe wie der Original-Controller. Wahrscheinlich ist es das „früher war ich kleiner, weshalb ich alles größer in Erinnerung habe“-Phänomen. Oder es fühlt sich dieser klassische, flache Controller mit vier Tasten einfach nur im Vergleich zu den ergonomischen, Multitastenmonstern der PS4 und Xbox One wie eine Steuerungseinheit für Gnome an.

Das kurze Kabel des Classic Mini ist aber keine Einbildung oder verfälschte Erinnerung: Es ist gerade mal 75cm kurz. Beim Original NES war es über zwei Meter lang. Das ist, sanft ausgedrückt, eine Frechheit. Der Grund für die Frechheit: Der Classic-Controller kann auch für Retro-Games auf der Wii und Wii U genutzt werden, wo er an die kabellose Wiimote angeschlossen wird. Ein langes Kabel ist hierfür nicht nötig.

Einige Zubehörhersteller bieten bereits Verlängerungskabel an. Hat man zwei Controller und will Geld sparen, wäre es einfacher ein längeres HDMI-Kabel zu kaufen und den gesamten Classic Mini bei Bedarf näher zum Sofa zu rücken.

720p und Retro-Modus

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Foto: Gregor Gruber
Der Classic Mini ist, wie auch die xx-Games-in-One-Müllkonsolen, im Grunde ein Emulator. Da der Classic Mini von Nintendo ist, ist es aber ein glorifizierter Emulator. Die Funktion ist nahezu perfekt, die Spiele werden originalgetreu, mit all ihren Fehlern damals, wiedergegeben.

Die Spiele werden in 720p im Format 4:3 angezeigt und sehen auf FullHD- und UHD-TVs gut aus. Auch der Sound passt und wird verzögerungsfrei wiedergegeben. Viele europäische NES-Games liefen damals zu langsam. Sie waren nämlich nicht für das PAL-System mit 50Hz optimiert, sondern die 60Hz der US- und japanischen TV-Geräte. Der Classic Mini gibt die Games jetzt in der Originalgeschwindigkeit aus, so wie es sein sollte.

Wem das Bild zu schön ist, der kann in den Optionen zwei alternative Darstellungsoptionen wählen. „Pixel Perfect“ zeigt die Spiele in ihrer nativen Auflösung, wodurch die schwarzen Balken an der linken und rechten Seite etwas größer werden. Der „CRT“-Modus simuliert einen Röhrenfernseher. Das Bild wird unschärfer, leicht trüb und zeigt die typischen Scanlines – künstliches Hässlichmachen für ein größeres Retro-Feeling.

Enthaltene Spiele

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Foto: Gregor Gruber
Der Classic Mini ist ein geschlossenes System. Die 30 Spiele sind fix im Speicher des Geräts, es können keine weiteren Games installiert werden. Originale NES-Module können nicht genutzt werden. Folgende Spiele sind enthalten:

  • Balloon Fight
  • BUBBLE BOBBLE
  • Castlevania
  • Castlevania II: Simon's Quest
  • Donkey Kong
  • Donkey Kong Jr.
  • DOUBLE DRAGON II: THE REVENGE
  • Dr. Mario
  • Excitebike
  • FINAL FANTASY
  • Galaga
  • GHOSTS'N GOBLINS
  • GRADIUS
  • Ice Climber
  • Kid Icarus
  • Kirby's Adventure
  • Mario Bros.
  • MEGA MAN 2
  • Metroid
  • NINJA GAIDEN
  • PAC-MAN
  • Punch-Out!! Featuring Mr. Dream
  • StarTropics
  • SUPER C
  • Super Mario Bros.
  • Super Mario Bros. 2
  • Super Mario Bros. 3
  • Tecmo Bowl
  • The Legend of Zelda
  • Zelda II: The Adventure of Link

Speicherpunkte

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Foto: Gregor Gruber
Da die Spiele schneller laufen als man sie aus der Kindheit in Erinnerung hat und man älter und durch Casual Games und leichte Schwierigkeitsgrade verweichlicht ist, wirken viele der Games schwer. Allerdings waren sie auch damals schon schwer: Nur hatten wir als Kinder einfach mehr Zeit um ein und dasselbe Game immer und immer wieder zu spielen.

Nintendo hat aber ein Herz für uns alte Säcke. Drückt man die Reset-Taste am Classic Mini, kommt man zurück ins Hauptmenü mit der Spieleauswahl. Hier kann der Spielstand des aktuellen Games gespeichert werden. Bis zu vier Spielstände lassen sich so anlegen. Ob man alle vier Speicherstände für Metroid nutzt oder Speicherstände für verschiedene Games anlegt, bleibt dem User überlassen.

Weiß man also, dass eine besonders schwere Stelle kommt, speichert man ab und lädt den Spielstand einfach, wenn man wieder mal an dem einen, verfluchten Sprung gescheitert ist. Das geht übrigens ziemlich schnell: Das Laden eines Games dauert nur ein bis zwei Sekunden. Das Booten des Classic Mini ist in gut fünf Sekunden erledigt.

Fazit

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Foto: Gregor Gruber
Der Nintendo Classic Mini ist ein Good-Feel-Geschenk, das man sich am besten selbst macht. Die Mini-Konsole sieht putzig aus, der Emulator funktioniert sehr gut und wenn man einen zusätzlichen Controller kauft, kann man die „WTF, hab ich das früher wirklich gespielt?“-Momente auch zu zweit erleben.

Die meisten der inkludierten Games sind annehmbar gealterte Klassiker. Allerdings gehen mir Duck Tales, Bionic Commando, Blades of Steel, Metal Gear, Micro Machines und Battletoads ab. Dafür hätte ich auf StarTropics, Pac Man und Balloon Fight verzichten können.

Für 70 Euro ist der Nintendo Classic Mini eine nette Spielerei, die aufgrund der putzigen Maße auch in der Vitrine gut aussieht. Denn da wird der Classic Mini früher oder später landen. Nach ein paar Wochen hat man sich an den Retro-Games sattgespielt und verstaut die Mini-Konsole. Das nächste Mal wird sie erst wieder angesteckt, um sie stolz dem Besuch vorzuführen, um bei einer Party leicht angeheitert Tecmo Bowl gegeneinander zu spielen, oder um der 13-jährigen Nichte zu zeigen, dass es auch eine Gaming-Zeit vor Overwatch gab.

Aber bitte nicht enttäuscht sein, wenn sie die schönen Kindheitserinnerungen nicht würdigt und Double Dragon II mit Jugendjargonwörtern kommentiert, die man zwar nicht versteht, man sich aber aufgrund des begleitenden Augenrollens denken kann, was gemeint ist.

 

Hinweis: Der Nintendo Classic Mini ist mit Stand 1.12.2016 in Österreich ausverkauft. Diverse Händler bieten die Mini-Konsole zu völlig überzogenen Preisen an. Der UVP von 70 Euro ist angemessen für den Classic Mini - 190 Euro sind es nicht.

(futurezone) Erstellt am 01.12.2016, 06:00

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