Rainbow Six Siege

© Ubisoft

Games
06/12/2014

Rainbow Six Siege: Eines der besten E3-Spiele im Hands-On

Durch die zerstörbaren Wände hebt sich der Taktik-Shooter angenehm von seinen Genre-Kollegen ab. Die futurezone hat Rainbow Six Siege angespielt.

Als Rainbow-Six-Spieler der ersten Stunde (der erste Titel erschien 1996) löste Ubisofts Ankündigung von Rainbow Six Siege gemischte Gefühle aus. Erst kam die Euphorie, dass nach sechs Jahren wieder ein Vertreter der Taktik-Shooter-Reihe kommt. Dann kam der Zweifel. Was in dem Gameplay-Trailer gezeigt wurde, sah nach einer willkürlichen Zerstörungsorgie eines amerikanischen Einfamilien-Hauses aus. Im Hands-On konnte sich die futurezone aber davon überzeugen, dass in Siege mehr steckt als bloß noch ein Multiplayer-Shooter.

Es wurde eine Pre-Alpha-Version mit 5 vs 5 Spielern ausprobiert. In jedem Team war ein Ubisoft-Mitarbeiter, der durch die taktischen Feinheiten des Spiels führte. Das ist auch nötig, denn ohne Kommunikation und ein Mindestmaß an Planung ist die Niederlage so gut wie sicher.

5.jpg

4.jpg

3.jpg

2.jpg

6.jpg

1.jpg

Die Bösen

In der ersten Runde wurden die Bösen gespielt. Es standen drei Klassen zur Verfügung. Diese haben verschiedene Primärwaffen, Schutzwesten und Gadgets. So kann etwa Stacheldraht platziert werden, um die Gegner zu verlangsamen oder ein Schild aufgebaut werden, um einen Raum besser vor Angreifern verteidigen zu können. Noch standen keine verschiedenen Waffen und Gadgets zur Auswahl, im finalen Spiel wird es aber wohl Genre-übliche Anpassungen der Klassen geben.

Bevor es los geht, stimmen die Spieler darüber ab, in welchem Raum die Geisel positioniert wird und können kurz die Taktik besprechen. Jedes Zimmer hat Vor- und Nachteile. Im Schlafzimmer im ersten Stock kann die Spezialeinheit nicht durch ein gesprengtes Loch in der Decke kommen, dafür aber durch die Fenster klettern. Die Garage ist zwar fensterlos, hat aber viele Möglichkeiten für improvisierte Eingänge.

Zumauern

Danach kommt die einminütige Vorbereitungsphase. In dieser können Türen und Fenster verbarrikadiert werden. Jeder Spieler im Verteidiger-Team hat zwei Verstärkungen für Wände. Diese werden platziert um das Durchbrechen von Wänden der Spezialeinheit zu verlangsamen.

Idealerweise übernimmt einer im Team das Sagen, der als Gadget den Zugriff auf die Überwachungskameras im Haus hat. So kann er die Spieler koordinieren und sagen, wo noch eine Verstärkung, ein Schild oder Stacheldraht platziert werden soll. Die Geisel kann aus Balancing-Gründen nicht bewegt werden, da sie sonst möglicherweise in kaum zu erreichende Stellen gebracht wird. Die Bösen können erst die Geisel als Schutzschild missbrauchen, wenn sie zuvor von einem Mitglied der Spezialeinheit getragen wurde.

Ruhe vor dem Sturm

Ist die Minute abgelaufen, ist die Anspannung am größten. Alle Spieler des Teams sind in ihren Positionen verschanzt und achten auf jedes Geräusch und jede Bewegung. Durch ein Loch, dass ein Spieler schon in der Vorbereitungsphase in ein verbarrikadiertes Fenster geschossen hat, wird der Eingang beobachtet. Denn die Überwachungskameras sind nur im Haus und zu wissen, von welcher Seite der Feind kommt, ist ein gewaltiger Vorteil.

Eine Explosion ist zu hören, erste Schüsse fallen. „They are in the Lobby, fall back!“: Die Anweisung des Ubisoft-Mitarbeiters kommt zu spät, ein Kamerad ist bereits gefallen. Die Anzeige am oberen Bildschirmrand springt auf 4 vs 5 um. Ein Feuerkampf bricht aus, jedes Team verliert einen Spieler im Kampf um die Treppe. Die Verteidiger ziehen sich in das Schlafzimmer zur Geisel zurück, ich ziele aus der Tiefe des Raumes Richtung Balkon, während meine Teammitglieder hinter einer Ecke und einem platzierten Schild die Eingangstüre bewachen. Eine kleine Bewegung, ein Schatten und ein gezielter Einzelschuss aus der MP5 erledigen einen Angreifer per Kopfschuss, der sich über den Balkon anschleichen wollte.

Intensiv

Der Plan der Spezialeinheit ist damit gescheitert, es beginnt ein erbitterter Kampf über einen Gang und zwei Räume hinweg. Beide Teams schießen Löcher in die Wände, ein Gegner wird tödlich getroffen. Eine Blendgranate fliegt in den Raum. Ich versuche mit Sperrfeuer durch die Wand zu verhindern, dass der Gegner um die Ecke läuft und meinen geblendeten Verbündeten überrascht. Die Munition ist stark begrenzt, eben damit nicht Spieler nicht ständig blindlings durch die Wände schießen, um Gegner auf Verdacht zu treffen.

Eine Explosion erschüttert den Raum, doch die zuvor verstärkte Wand hält noch. Kurz ist es ruhig, niemand schießt. Die letzten fünf Schuss im Magazin. Da taucht hinter zwei Löchern in zwei Wänden etwas Schwarzes vor dem hellen Hintergrund auf. Ein Einzelschuss bestätigt den Verdacht. Es war der Helm eines Gegners. Headshot. Kurz darauf erledigen die zwei Teammitglieder den letzten Feind. Das Böse triumphiert mit 3 zu 0 Spielern.

Die Runde war kurz und intensiv, auch wenn es einem während des Spielens länger vorkommt. Es gibt zusätzlich ein Zeitlimit von wenigen Minuten, das verhindert, dass die Spezialeinheit einfach im Haus wartet bis das Verbrecherteam ungeduldig wird und die Bewachung der Geisel vernachlässigt.

Die Guten

Nach einer Runde wechseln die Teams. Auch bei der Spezialeinheit gibt es drei Klassen, die etwa mit C4 oder Blendgranaten ausgestattet sind. Der Pointman hat ein Sturmschild und eine Pistole. In der gespielten Pre-Alpha-Version ist das Schild noch etwas zu effektiv. Duckt sich der Pointman gibt es weder Trefferzonen für seine Füße noch für den Kopf. Auch die Hand und die Pistole, die er zum Schießen vor das Schild hält, können noch nicht getroffen werden. In einer Spielrunde hat der Pointman sogar eine C4-Sprengladung problemlos überlebt, die direkt vor seinem Schild gelandet ist. Duckt sich der Pointman also in einer Raumecke, kann er nicht mal flankiert werden und ist so nahezu unverwundbar.

Während die Verbrecher in der einen Minute Vorbereitungsphase die Wände verbarrikadieren, kann die Spezialeinheit mit kleinen Drohnen das Gebäude erkunden. In dieser Phase hat jeder Spieler des Teams eine Drohne. Diese ist klein genug um unter Türspalten hindurchzufahren und kann Stiegen erklimmen. Wände kann sie nicht hochfahren. Beim Erkunden hilft es ebenfalls, wenn ein Spieler die Rolle des Anführers übernimmt und einteilt, wer welches Stockwerk und welche Räume erkundet.

In der Pre-Alpha-Version wird lediglich die Position der Geisel automatisch notiert. Wo Gegner stehen und sich Barrikaden und Fallen befinden, muss man sich selbst merken. Daher ist auch Kommunikation wichtig. Sagt man den Kameraden nicht was man entdeckt hat, laufen diese möglicherweise in eine Falle.

Planung und Chaos

Die Spezialeinheit kann nicht nur durch Wände und Türen ins Gebäude eindringen, sondern auch mit Seilen zu Fenstern in den ersten Stock gelangen. So ist es möglich von mehreren Richtungen gleichzeitig anzugreifen und die Geiselnehmer zu überraschen.

Während in der Rolle der Verteidiger der Plan zumindest ansatzweise funktionierte und das Team zusammenblieb, scheinen sich die Angreifer leichter aus dem Konzept bringen zu lassen. Nach dem ersten Feindkontakt löste sich das Team bereits auf – hier kam wohl der Call-Of-Duty-Einzelkämpfer in einigen Spielern durch. Aber auch in einer weiteren Runde auf der Seite der Verbrecher war zu merken, dass sich das andere Team auflöste und sich der Großteil der Spieler einzeln auf die Suche nach den Feinden machte. Um das finale Spiel genießen zu können, sollte man am besten mit Freunden spielen, die gerne im Team arbeiten. Sonst verkommt der Taktik-Shooter zum Deathmatch mit zerstörbaren Wänden.

Erster Eindruck

Rainbow Six Siege ist einer der Überraschungs-Hit der E3. Obwohl weder das Genre noch der Verteidiger-gegen-Angreifer-Modus neu ist, wirkt Siege frischer als die bekannten Shooter-Reihen. Die Vorversion machte bereits Spaß und die Feuergefechte waren durch das enge Level und die zerstörbaren Wände intensiver als bei Call of Duty und dem weitläufigeren Battlefield 4.

Weder der genaue Release noch der Umfang von Siege sind bekannt. Ubisoft sagt bei der Entwicklung lautet das Motto „Multiplayer First“. Da es nicht „Multiplayer Only“ ist, wird es wohl eine Art Einzelspieler-Modus geben. Dieser dürfte aber nur als Dreingabe für einen Multiplayer-Shooter zu sehen sein und wird entsprechen schwach ausgeprägt sein. Möglicherweise gibt es auch nur Kämpfe gegen Bots und keinen Story-Modus.

Rainbow Six Siege soll 2015 für Xbox One, PS4 und PC erscheinen.