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Games
05/17/2020

Streets of Rage 4 im Test: So geht Oldschool richtig

Wie kann man eine 29 Jahre alte Beat-‘em-up-Serie fortsetzen, ohne es zu versauen? Genau so.

von Gregor Gruber

Klassische Beat ‘em ups sind Nostalgie pur. Zu zweit hat man sich Anfang der 90er durch die Schergen geprügelt. Egal ob Super Nintendo, Mega Drive oder in der Spielhalle: Es gibt kaum jemanden, der nicht Erinnerungen an das Genre hat.

Zu den populärsten Vertretern der Sidescroller-Beat ‘em ups gehören Double Dragon, Final Fight und Streets of Rage. Letzteres hat jetzt eine Fortsetzung bekommen – 26 Jahre nach dem letzten Teil und 29 Jahre, nachdem der erste Teil erschienen ist.

Die Entwarnung vorweg: Streets of Rage 4 (PS4, Xbox One, Switch, PC, 25 Euro) versaut euch nicht eure Kindheitserinnerungen, sondern zeigt, dass man auch im Jahr 2020 ein großartiges No-Nonsense Beat ‘em up machen kann.

Feintuning statt Remake

No-Nonsense heißt im diesem Fall: Das Basis-Gameplay ist nahezu unverändert. Es gibt keine Skill Trees, man muss keine Moves freischalten. Es sind weder Konter- noch irgendwelche fingerverknotenden Extra-Attacken hinzugekommen. Schlagen, springen, greifen, werfen: Streets of Rage 4 ist Streets of Rage durch und durch.

An ein paar Kleinigkeiten wurde aber geschraubt. Es gibt wieder Special Moves, die Energie kosten. Landet man aber nach den Special Moves eine Serie von mehreren Treffern bei Gegnern, erholt sich die verbrauchte Energie wieder. Das macht das Game vor allem für Veteranen und Highscore-Jäger interessant: Wann ist der beste Moment um die Attacke einzusetzen, damit ich die volle Energie danach wieder zurückbekomme?

Neu sind auch die Stern-Moves. Diese sind besonders stark und können nicht geblockt werden, der Einsatz ist aber stark beschränkt. In den Levels können Sterne gefunden werden. Nutzt man die Moves nicht, gibt es am Ende des Levels mehr Punkte.

Vom Prügler zum Profi

Der Einstieg in Streets of Rage 4 ist einfach genug, dass auch Mitspieler, die keine oder kaum Beat-‘em-up-Erfahrung haben, Spaß daran haben. Ist man nahe genug am Gegner, greift man ihn automatisch. Es gibt eine Schlag-, Sprung- und Special-Move-Taste. Der Rest ergibt sich aus den Kombinationen. Fingerbrecher, wie etwa Viertel- und Halbkreise wie etwa bei Street Fighter, gibt es hier nicht.

Profis freuen sich über das Kettentreffer-System, das die Punkte erhöht. Neu für die Streets-of-Rage-Serie ist zudem, dass Gegner von Wänden und Gegenständen zurückprallen. Dadurch sind längere Kombos und Juggles (Gegner bleibt in der Luft) möglich.

Schafft man so einen Kombo, ist das besonders befriedigend. Noch besser ist es, wenn der oder die Mitspieler – offline kann man zu viert spielen, online zu zweit – daran beteiligt sind. Anfangs passiert das eher zufällig. Ist man aber einmal eingespielt, passiert es automatisch. Man kann Streets of Rage 4 natürlich auch alleine spielen, aber zusammen macht es mehr Spaß.

Nochmal, nochmal!

Der Look, der Soundtrack, das Gameplay: Bei Streets of Rage 4 passt alles. Ist man einmal durch alle Levels durch, was nicht besonders lange dauert (genau wie bei den alten Games), will man sofort nochmal spielen.

Damit das motivierend ist, gibt es nicht nur höhere Schwierigkeitsgrade, sondern neben den 5 Hauptcharakteren auch noch die Charaktere aus den früheren Games zum Freischalten. Und das ist wortwörtlich gemeint: Man schaltet die Kämpfer in Pixelgrafik frei, so wie sie vor fast 30 Jahren ausgesehen haben. Wem das noch nicht genug Nostalgie ist, der kann im Menü einen Retro-Bildfilter aktivieren und statt der Neuauflage des Soundtracks die Originalsongs der alten Games einschalten.

Dann gibt es noch den Arcade-Modus, für absolute Profis. Hier hat man nur einen Credit, um das komplette Spiel durchzuspielen. Im Boss Rush Mode kämpft man sich nochmal durch die Endgegner und im Battle Mode kann man gegen einen Mitspieler antreten.

Auch Easter Eggs sind für Fans der Serie zu finden. Probiert mal die Spielautomaten in den Levels mit einem Elektroschocker anzugreifen.

Fazit

Streets of Rage 4 ist ein großartiges Beat ‘em up. Es ist intelligent genug, um mit Feinheiten das Grundrezept zu verbessern, ohne von dem abzukommen, weshalb man solche Games liebt.

Es ist simpel genug, dass auch Einsteiger und Gelegenheitsmitspieler Spaß daran haben und tief genug, dass sich Profis auf Punktejagd darin verbeißen können. Und mit der Unterstützung für 4 Spieler vor dem Fernseher und dem wählbaren leichten Schwierigkeitsgrad ist es noch dazu ein gutes Partyspiel.

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