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Turtle Beach Elite 800 im Test: 330 Euro Gaming-Headset

Turtle Beach Elite 800 im Test: 330 Euro Gaming-Headset

Bei einigen Händlern bekommt man bereits eine Next-Gen-Konsole im Bundle mit einem aktuellen Spiel um 399 Euro. Was muss also ein Gaming-Headset können, damit der UVP von 330 Euro gerechtfertigt ist? Die futurezone hat das Turtle Beach Elite 800 getestet.

Turtle Beach bewirbt das Elite 800 offiziell als Headset für PS4, PS3 und PC. Allerdings funktioniert es auch mit der Xbox One, in Verbindung mit dem offiziellen Headset-Adapter von Microsoft. Per Bluetooth kann es zudem mit mobilen Spielekonsolen oder Smartphones, Tablets und anderen Geräten verbunden werden. Da es nicht nur Bluetooth-Kopfhörer sondern eben auch Headset ist, kann mit dem Elite 800 telefoniert werden. Das funktioniert auch während dem Gaming: Das Elite 800 kann gleichzeitig mit der Konsole und dem Smartphone verbunden sein.

Galerie: Turtle Beach Elite 800

Lieferumfang

Auch eine Kabelverbindung per 3,5mm-Klinkenstecker ist möglich. Mit der Kabelverbindung kann der Kopfhörer bei leeren Akku noch verwendet werden, um Ton wiederzugeben. Die aktive Störgeräuschunterdrückung und das Mikrofon stehen dann aber nicht zur Verfügung.

Vorbildlich: Das 3,5mm-Klinkensteckerkabel ist im Lieferumfang enthalten. Ebenso wie das optische Audiokabel sowie zwei Micro-USB-Kabel. Denn aktualisiert man die Firmware des Headsets am PC, müssen sowohl die Docking Station als auch das Headset selbst per USB verbunden sein.

Docking Station

Anschlüsse der Docking Station

Die Docking Station ist gleichzeitig Sendereinheit und Ladestation. Sie wird per optischem Kabel und USB mit der Konsole bzw. dem Computer verbunden. Die Stromversorgung erfolgt über den USB-Anschluss.

Das Headset wird durch Magnete in der korrekten Ladeposition in der Docking Station gehalten. Durch die Bauweise kann das Headset rasch auf der Station abgestellt werden. Die Größe der Kopfhörer muss nicht verstellt werden, sie finden auch in der größten Einstellung sicheren Halt im Dock.

Komfortables Plastik

Das Headset besteht fast ausschließlich aus Plastik, Metall sucht man vergebens. Dennoch sieht es nicht fragil aus und fühlt es sich auch nicht so an. Wie ein 330 Euro Headset wirkt es optisch aber auch nicht. Dazu tragen die schwarz-glänzenden Plastik-Platten der Kopfhörer bei. Immerhin sind diese wechselbar. Turtle Beach bietet zahlreiche Motive an, die zwischen zehn und 13 US-Dollar kosten.

Das Headset ist eher für große Gamerköpfe konzipiert. Vielen wird die kleinste Einstellung reichen, im Test wurde ein Viertel bis ein Drittel der maximalen Höhenverstellung des Headsets genutzt. Die Muscheln aus Kunstlieder umschließen das Ohr, hätten aber ruhig eine Spur größer ausfallen können.

Turtle Beach Elite 800

Das Headset wirkt anfangs einen merkbaren Druck auf die linke und rechte Seite des Kopfs, aber nicht auf die Oberseite, aus. Nach ein paar Minuten hat man sicher daran gewöhnt und spürt das Headset nicht mehr. Der Nachteil des geringen Drucks von oben: Das Headset sitzt eine Spur zu locker. Bei einem schnellen nach oben oder unten Schauen verrutscht schon mal der Bügel am Kopf.

Bedienung

Am linken und rechten Kopfhörer sind jeweils vier Tasten. Die Tasten sind gut zu erfühlen, aber fast ein bisschen zu leichtgängig. Beim Abnehmen des Headsets muss man aufpassen, nicht unabsichtlich an der Preset-Taste anzukommen, die das Tonprofil ändert.

Die getätigten Eingaben werden durch die Sprachausgabe bestätigt, die derzeit in Englisch, Spanisch und Italienisch zur Verfügung steht. Neben der Taste für die Tonprofile können Lautstärke und Chat-Lautstärke getrennt voneinander eingestellt werden. Eine Stummschalt-Taste für das Mikrofon gibt es ebenso wie eine Taste um die aktive Rauschunterdrückung ein- und auszuschalten.

Die gesamte Bedienung kann auch über die Android- und iOS-Begleit-App erfolgen. Über die Schieberegler ist das Einstellen der Lautstärke einfacher als über die Tasten möglich. Auch das Wechseln der Profile ist per App bequemer.

Toller Sound

Das Elite 800 nutzt die „DTS Headphone:X 7.1“-Technik – aktuelle Konsolen allerdings nicht. Deshalb wird das Headset vorerst mit einem Dolby Digital 5.1-Singal bespielt. Wird sich der Headphone:X 7.1-Standard durchsetzen, ist es denkbar, dass PS4 und Xbox One das Audioformat zukünftig per Update nativ unterstützt werden.

Aber auch wenn das 5.1-Signal auf 7.1 Surround Sound hochgerechnet wird, ist das Ergebnis beeindruckend. Zwar könnten Mitten und Höhen etwas sauberer sein, der Bass ist jedoch angenehm kräftig. Das Besondere ist, dass einzelne Sounds viel klarer und besser zu hören sind, als etwa mit einer Heimkino 5.1-Anlage oder anderen 5.1-Headsets.

Größte Einstellung

So wird etwa bei Destiny die Sprachausgabe des Ghosts und der Gegner so wiedergegeben, dass man deutlich mehr versteht, als dies vorher der Fall war. Schritt-, Schuss- und Nachladegeräusche sind ebenfalls besser wahrnehmbar. Auch wenn alles gleichzeitig passiert, ergibt es keine Lärmsuppe, sondern eine angenehme Geräuschkulisse mit einem „Mittendrin-Gefühl“.

Ungewohnte Klänge

Die Klarheit des Hörens kann ungewohnt sein, wenn man vorher andere Headsets oder eine normale Surround-Anlage genutzt hat. Wenn man sich aber mal daran gewöhnt hat, weiß man die Vorzüge zu schätzen. Sprachausgabe ist viel verständlicher, ebenso wie Geräusche, die von der Spielfigur kommen. Bei Sportspielen, wie etwa FIFA oder PES, sind die Pass- und Schussgeräusche besser hörbar.

Dadurch ergibt sich ein intensiveres Spielerlebnis, weil man das Gefühl hat näher am Geschehen zu sein. Auch beim Ansehen von Blu-rays ergibt sich ein neues Hörerlebnis. Besonders bei Szenen mit Menschenmengen sind Details und Stimmen wahrnehmbar, die man vorher noch nicht gehört hat.

Ganz kann das Elite 800 mit einer Surround-Sound-Anlage aber nicht mithalten. Bei einer guten Anlage scheint das ganze Wohnzimmer zu grollen, wenn der Bass bei der Wiedergabe von Explosionen seine Arbeit verrichtet. Das schafft das Headset nicht. Geräusche von hinten wirken beim Elite 800 etwas zu nah – bei einer gut eingestellten Surround-Sound-Anlage wirkt die Distanz zur Lärmquelle realistischer.

Störgeräuschunterdrückung

Turtle Beach Elite 800

Wie bei Reisekopfhörern hat das Elite 800 eine aktive Rauschunterdrückung. Diese wird mit einem Tastendruck ein- oder ausgeschaltet. Läuft im selben Raum ein Flat-TV oder Radio, hört man diese Geräusche leiser und höher als zuvor.

Baustelllärm, direkt vor dem Fenster, wurde überraschend gut unterdrückt. Selbst, wenn das Headset ohne die Wiedergabe von Spielen oder Musik getragen wurde, war kaum noch etwas von Lkw, Bagger und Bodenverdichter zu hören.

Eine Art von Störgeräusch wird man aber nicht los. Das Elite 800 hat ein merkbares Grundrauschen. Bei Games, in denen ständig Action ist, nimmt man dies kaum wahr. Bei Filmen mit ruhigen Szenen, kann das leichte, konstante Hintergrundrauschen ein Stimmungskiller sein.

Akustisch cheaten

Turtle Beach Elite 800

Sowohl für Spiele als auch Filme und Musik stehen mehrere Soundprofile zur Verfügung. Über die PC-Software können Profile am Headset entfernt oder neue hinzugefügt werden. Das Standardprofil für die drei Kategorien Spiele, Filme und Musik ist jeweils „Signature Sound“. Für Games und Filme ist dies meist genau richtig. Bei der Musikwiedergabe kann die Basslastigkeit bei manchen Genres stören, hier hilft das Profil „Acoustic“. Audiophile werden aufgrund der Schwäche in den Höhen mit dem Elite 800 trotzdem nicht uneingeschränkt glücklich werden.

Für Games gibt es noch zwei Profile, die eine Art akustisches Cheaten ermöglichen. „Superhuman Hearing“ hebt die Lautstärke von weiter entfernten Geräuschquellen an. „Footstep Focus“ priorisiert Schrittgeräusche. Bei Multiplayer-Shootern sollen Gegner so erlauscht werden können. Der Footstep Focus funktioniert tatsächlich, aber man muss sich erst daran gewöhnen, dass Feinde durch die lauteren Geräusche näher erscheinen, als sie tatsächlich sind. Paranoide Shooter-Fans sollten diesen Modus meiden.

Sprach-Chats

Die unsichtbaren Mikrofone im Headset haben mehrere Vorteile. So entfällt das ständige Herumbiegen des Bügels, um die am wenigsten störende Position für das Mikrofon zu finden. Auch das Knacksen und Rauschen, wenn man mit der Kleidung an ein Kabel-Mikrofon stößt, gibt es nicht. Lästiges Hineinatmen ins Mikrofon kommt ebenfalls nicht vor, wenn man es nicht gerade provoziert.

Damit die Mikrofone korrekt funktionieren, sollte der Modus der tatsächlichen Umgebung angepasst werden. Die Modi können am Headset oder über die App gewechselt werden und richten sich nach der Umgebungslautstärke: Quiet Room, Normal, Loud und Outdoor. Quiet Room funktioniert, wenn man alleine im Raum ist und nichts anderes macht außer zu spielen. Bei Normal wird Straßenlärm, der durch ein offenes Fenster eindringt, bzw. wenn draußen Menschen laut reden, nicht mitübertragen. Bei Loud wird die Stimme der Person, die im selben Raum telefoniert, nicht mitübertragen.

Schrei-Schutz

Turtle Beach Elite 800

Beim Reden wir die eigene Stimme wieder ins Headset übertragen. Dieses „Mic Monitoring“ soll das Phänomen verhindern, dass man schreit, weil man sich nicht selbst hört. Da dies mit einer leichten Verzögerungen geschieht, kann das künstliche Echo irritierend sein. Ist die aktive Störgeräuschunterdrückung eingeschaltet, ist das Mic Monitoring deaktiviert.

Die Chat-Partner sind laut und deutlich zu hören. „Dynamic Chat Boost“ passt die Lautstärke des Chats automatisch an die Spiellautstärke an. Ist man gerade mitten im Gefecht, wird der Chat-Partner lauter wiedergegeben, damit Befehle und Zurufe auch trotz Explosionen und Schusslärm klar ankommen.

Der Haken an der Sache: Ist die Person im Chat besonders mitteilungsbedürftig, kriegt man vor lauter Gequatsche nicht mehr alles vom Spiel mit. Gut, dass die Chat-Lautstärke über separate Tasten leiser geschaltet werden kann.

Fazit

Das Elite 800 überzeugt mit sehr guter Stimmübertragung und den vielen Features. Die Tonqualität bei Konsolen- und PC-Games ist ausgezeichnet. Bei der Musikwiedergabe und Filmen muss das Genre stimmen, denn trotz Audioprofilen kann das Headset nicht das leichte Grundrauschen und die Schwächen in den Höhen kaschieren.

Mit zehn bis 15 Stunden Akkulaufzeit (variiert je nachdem ob Bluetooth und Rauschunterdrückung eingeschaltet ist) kommt man durch die meisten Spielesessions. Ist der Akku leer, kann das Headset über ein Micro-USB-Anschluss geladen werden – auch während des Betriebs.

Turtle Beach Elite 800

Die Aktive Geräuschunterdrückung, und die optionale Kabelverbindung (falls die Flugbegleiter mal wieder Bluetooth verbieten) machen das Elite 800 auch zu einem Reisekopfhörer. Allerdings lässt sich das Headset kaum platzsparend zusammenlegen und ist auch am Kopf relativ groß. Ein Schlafen oder Dösen mit aufgesetzten Headset ist bequem nicht möglich.

Bleibt die Preisfrage: Ist das Elite 800 den empfohlenen Verkaufspreis von 330 Euro wert? Wenn man viel Wert auf Sound legt, von den üblichen Headsets mit Bügel- oder Kabelmikrofonen genervt ist und eine gewisse Affinität zu Gadgets mit Companion-App hat, ja. Zudem ist das Elite 800 bei einigen österreichischen Händlern bereits ab 280 Euro zu finden.

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Gregor Gruber

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