Uncharted 4

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Games
06/26/2016

Uncharted 4 im Test: Auf Wiedersehen und Dankeschön

Uncharted 4 ist der wahrscheinlich letzte Auftritt von Nathan Drake. Nach einem langsamen Start fällt der Abschied versöhnlich aus.

Die Spieleserie Uncharted stellt für mich einen Generationenwechsel dar. Ein charismatischer Held, eine filmreife Inszenierung und ein funktionierendes Gameplay. Für mich war das erste Uncharted (2007, PS3) die natürliche Weiterentwicklung von Tomb Raider. Es sollte noch sechs Jahre brauchen, bis das Reboot der Serie mit dem 2013er Tomb Raider schließlich eine ähnliche Qualität erreichte.

Während Lara Croft jetzt wieder in Fahrt kommt, wird Nathan Drake, der Hauptdarsteller von Uncharted, mit dem vierten Teil in Pension geschickt. Auch wenn mich sein letztes Abenteuer nicht sofort überzeugen konnte, war ich nach gut 13 Stunden versöhnt und bereit, Nathan in seinen wohlverdienten Ruhestand zu entlassen.

Quälender Start

Uncharted 4 ( PS4) beginnt ungewöhnlich langsam. Die ersten zwei bis drei Stunden habe ich mich danach gesehnt, zum 263. Mal einen Strike in Destiny zu spielen, anstatt mit Nathan durch die Gegend zu klettern. Erschwerend hinzu kamen Zeitsprünge zum jungen Nathan, was wie ein halbherziger Versuch wirkte die Stimmung des grandiosen "Left Behind"-DLCs von The Last of Us einzufangen.

Nach zwei bis drei Stunden geht es nach Madagaskar und hier blüht Uncharted 4 auf. Die Gegend wird mit dem Geländewagen erkundet, den man jederzeit verlassen kann, um zu Fuß nach Schätzen oder Hinweisen zu suchen. Es gibt genügend Sackgassen und weitläufige Gebiete, um die Illusion einer großen Spielewelt zu erzeugen.

Das ist überhaupt eine der Stärken von Uncharted 4. Selbst in den linearen Level-Abschnitten und Kletterpartien gibt es immer wieder kleine, sinnlose Abzweigungen, die das Gefühl von Größe vermitteln. Man braucht eine Weile um zu den Zielorten zu kommen, während man in anderen Spielen das Gefühl hat, dass alle wichtigen Orte direkt ums Eck liegen.

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Wunderschön

Was ebenfalls zu dem Gefühl beiträgt, nur ein kleiner Mensch in einer großen Welt zu sein, ist die Grafikpracht von Uncharted 4. Es Fotorealismus zu nennen wäre übertrieben, aber für ein Konsolenspiel ist es schon sehr nahe dran.

Auch die Charaktere sind optisch sehr gelungen. Die Gesichter in den Zwischensequenzen sind sehr detailliert, kleine Änderungen in der Mimik sind sichtbar. Zusammen mit der gelungenen deutschen Sprachausgabe hatte ich manchmal das Gefühl, eine Filmszene zu sehen – gefolgt von einem nahtlosen Übergang zurück zum Spiel. Es ist beeindruckend, wie Uncharted 4 dieses „alles aus einem Guss“-Erlebnis vermittelt.

Während des normalen Spiels sehen die Charaktere nicht ganz so detailliert aus, wie in den Zwischensequenzen. Dafür sind aber die Animationen beeindruckend. Es macht Spaß Nathan beim Klettern, Stürzen, Leiden und Kämpfen zuzuschauen.

Neue Elemente

Das grundlegende Gameplay bei Uncharted 4 ist bekannt: klettern, ein paar Puzzles lösen, schießen. Abgesehen von den ersten zwei bis drei Stunden ist das Balancing gelungen. Schießereien wirken nicht übertrieben lange. Puzzles werden für das Pacing eingesetzt, anstatt die Spieler zu frustrieren. Und wenn man nach einer Minute nicht den unterirdischen Gang findet, mit dem man aus der Höhle kommt, kann man einen Hinweis einblendet lassen – das vermeidet Suchfrust.

Neu ist das bereits oben beschriebene freie Fahren mit Autos, was das Gameplay gut auflockert. Technisch interessant ist die Winde. Man nimmt das Seil des Autos und wickelt es um den Baum, indem man mit Nathan um den Baum herumläuft, bevor das Seil eingehakt wird. Dass das in Echtzeit passiert, statt als gescripteter Prozess, ist vielleicht nichts weltbewegendes, aber eine eindrucksvolle Demonstration der Physik-Engine.

Schießen, nicht schleichen

Nicht gelungen ist die Umsetzung der Schleichelemente. In mehreren Abschnitten ist es möglich sich im hohen Gras zu verstecken und Gegner geräuschlos auszuschalten, oder sich durch Kletterpartien von hinten anzuschleichen. Die KI scheint aber nicht angepasst für Schleichszenen zu sein und es fehlen typische Stealth-Elemente, wie das Anlocken von Gegnern.

Da ist es spannender den offenen Kampf zu suchen. Es gibt weitläufigere Gebiete, in denen Nathan klettern, seilrutschen und schwingen kann, um zu anderen Deckungen zu kommen oder schnell die Distanz zu den Feinden zu verändern. Das ist auch öfters nötig, da viele Deckungen zerstört werden können und die Gegner Granaten werfen. Die Feuerkämpfe sind dadurch schneller, chaotischer und intensiver.

Gemeinsam stark

Nathan ist in Uncharted 4 nur selten allein. Die Begleitung macht aus Nathans Selbstgesprächen charmante Wortwechsel. Dabei werden auch die Ereignisse in den Vorgängerspielen angesprochen und Nathans Probleme mit abbrechenden Felskanten. Es ist eine Mischung aus Selbstironie und Nostalgie, die das Entwicklerstudio Naughty Dog so in Uncharted 4 verpackt.

Nicht alle Weggefährten können mit dem Charisma des Hauptdarstellers mithalten. Nathans Bruder Sam wirkt flach und durchschaubar. Er ist ein notwendiges Übel für die Handlung. Das Highlight sind die Levels und Zwischensequenzen mit Elena. Die kleinen Blicke, die kurzen Wortwechsel während beide an einer Felswand über den Abgrund hängen – das ist Ehekrisen-Management im Uncharted-Stil.

Nach der Story

Nach 12 Stunden und 47 Minuten habe ich die Story beendet, dabei 487 Gegner besiegt, aber nur die Hälfte aller Schätze gefunden. Das Suchen der Schätze macht mir nicht sonderlich viel Spaß, deswegen werde ich Uncharted 4 nicht noch einmal spielen.

Ein größerer Motivator sind die Extras, die mit erspielten Punkten freigeschaltet werden können. Dazu zählen Outfits, Waffen und unendlich Munition und verschiedene Effekte. So kann die Welt gespiegelt werden, die Charaktere sprechen mit Helium-Stimmen, die Schwerkraft wird reduziert oder ein Filter für 8-Bit-Grafik und -Audio aktiviert.

Der Multiplayer-Modus ist als Dreingabe für ein Spiel, das man eigentlich nur wegen dem Einzelspieler-Modus kauft, in Ordnung. Es gibt viele freischaltbare Charaktere aus den früheren Uncharted-Games und kosmetische Add-Ons, wie Hüte. Das Seil zum Schwingen aus dem Singleplayer gibt es ebenfalls, wodurch die Geschwindigkeit und das Durcheinander in den Versus-Matches erhöht wird. Ein Coop-Modus, entweder um KI-Wellen zu besiegen oder mit kurzen Nebenmissionen, ist in Arbeit und wird voraussichtlich im Herbst als kostenloser DLC veröffentlicht.

Fazit

Uncharted 4 beginnt schwach um stark zu enden. Ich mag das filmreife, herzerwärmende Ende. Zwar scheint es, wie Naughty Dog schon zuvor mehrmals verkündet hat, tatsächlich Nathans Zeit als Abenteurer zu besiegeln, allerdings lässt es Möglichkeiten für Fortsetzungen mit anderen Charakteren offen.

Aber vielleicht braucht es gar keinen Nachfolger. Das Ende von Uncharted 4 hat mich mit einem Lächeln und guten Erinnerungen mit der Serie abschließen lassen. Ich bin nicht traurig, weil eine Ära endet, sondern dankbar für die Zeit, die ich mit der Tetralogie verbringen durfte. Abgesehen von den übernatürlichen Elementen in Uncharted 1 und 2 – die waren Mist.