Dota Underlords

© Valve/Bildmontage futurezone

Games
06/27/2019

Was ist Auto Chess und warum spielt es jetzt jeder?

Dota Auto Chess, Teamfight Tactics und Dota Underlords: Ein neues Genre dominiert derzeit Twitch und Steam.

In den vergangenen Monaten machte ein neues Genre Fortnite den Streaming-Thron abspenstig: Auto Chess. Das ungewöhnliche Spielprinzip zog binnen kurzer Zeit hunderttausende Spieler an. Die Titel zählen mittlerweile regelmäßig zu den am häufigsten gestreamten Spielen auf Twitch und YouTube. Doch was steckt hinter dem neuen Hype-Genre? Die futurezone fasst die wichtigsten Fakten zusammen.

Was ist Auto Chess?
Wie bereits bei den früheren Hype-Genres MOBA (Multiplayer Online Battle Arena) und Battle Royale hat alles mit einer Mod begonnen. Am 4. Jänner wurde auf dem Steam Workshop „Dota Auto Chess“ veröffentlicht, eine kostenlose Erweiterung für den ebenso kostenlosen Titel Dota 2. Dahinter stand jedoch nicht Dota-2-Entwickler Valve, sondern das bislang wenig bekannte Drodo Studio aus China.

Das Spielprinzip, das als „Auto Chess“ oder „Auto Battler“ bezeichnet wird, ähnelt einer Mischung aus Mahjong, Battle Royale und MOBA. Insgesamt acht Spieler treten dabei gegeneinander an. Vor jeder Runde stellt man sich mit Spielfiguren sein Team zusammen. Für gewonnene Runden bekommt man, je nach der Höhe des Erfolgs, Geld, das man in neue Charaktere investieren kann. Verliert man eine Runde, nimmt man selbst Schaden. Die Zahl der Runden ist nicht vorgegeben, Sieger ist derjenige, der als Letzter übrig bleibt. 

Wirklich aktiv wird man nur zwischen den Runden, wenn man Einheiten nachkauft und auswählt. Spielfiguren des gleichen Typs können zu stärkeren Ablegern kombiniert werden. Diese werden Runde für Runde vom Spieler auf einem Schachbrett platziert. Der Kampf läuft vollautomatisch ab. Das ist auch der größte Vorteil gegenüber MOBAs: Während diese hohe Konzentration, schnelle Reflexe und viel Kommunikation mit den anderen Mitgliedern des Teams erfordern, kann man den „Auto Battler“ schnell alleine spielen.

MOBA-Spieler sind klar im Vorteil, da viele bekannte Charaktere mit ihren Stärken und Schwächen weiterhin zum Einsatz kommen. Mit Schach hat das Spiel trotz seines Namens lediglich die Tatsache gemein, dass es rundenbasiert ist und auf einem Schachbrett-ähnlichen Spielfeld stattfindet.

Der Erfolg der „Auto Battler“ ließ nicht lange auf sich warten: Binnen zehn Tagen hatten „Dota Auto Chess“ bereits mehr als 670.000 Gamer ausprobiert. Der Titel verzeichnete regelmäßig mehr als 100.000 Spieler gleichzeitig. Mittlerweile sind diese Zahlen auf 9,2 Millionen Abonnenten und mehr als 300.000 gleichzeitigen Spielern angewachsen.

Warum gibt es gerade einen Hype darum?

In den vergangenen Jahren gab es dank Twitch und Steam zahlreiche neue Genres, die über Nacht den Durchbruch schafften. Während die erste Hälfte dieses Jahrzehnts noch MOBAs wie Dota 2 und League of Legends dominierten, traten PUBG und Fortnite 2017 einen neuen Hype um Battle-Royale-Titel los.

Nun scheinen Auto Battler für die nächste Hype-Welle zu sorgen, auch wenn man an die Rekorde von MOBA und Battle Royale noch nicht heranreicht. PUBG verzeichnete im Jänner 2018 mehr als 3,2 Millionen gleichzeitige Spieler, Dota 2 im März 2016 1,3 Millionen. Bei Fortnite waren es sogar 10,8 Millionen, als sich diese auf allen Plattformen (Spielkonsolen und PC) anlässlich eines Konzerts in der virtuellen Comic-Welt versammelten.

Der Erfolg dürfte eng mit dem vergleichsweise simplen Spielprinzip sowie der suchterregenden Spielmechanik verknüpft sein. Denn der Spieler wird beispielsweise für Siegserien und das Horten von Gold (pro zehn Goldstücken gibt es pro Runde ein zusätzliches Goldstück) belohnt. Abzocke mit Loot-Boxen oder spielwichtigen In-App-Käufen gibt es nicht. Für das Spielen wird man mit „Candies“ (Süßigkeiten) belohnt, gegen echtes Geld kann man auch sogenannte „Donuts“ kaufen. Mit den „Candies“ und „Donuts“ können kosmetische Gegenstände, wie Animationen und Avatar-Skins, erworben werden. Einen Einfluss auf das Spiel hat das jedoch nicht.

Welche Titel gibt es?

„Dota Auto Chess“-Entwickler Drodo Studios verhandelte längere Zeit mit Valve. Das Studio lehnte ein mögliches Übernahmeangebot jedoch ab und will lieber eigenständig bleiben. Stattdessen bietet Valve nun mit „Dota Underlords“ einen eigenen „Auto Battler“-Titel an, der mittlerweile erfolgreicher als das Original ist. Drodo Studios darf weiterhin Auto Chess auf Dota-Basis entwickeln, auch eine Version für Smartphones und den Epic Game Store. „League of Legends“-Entwickler Riot Games hat mit Teamfight Tactics mittlerweile einen „Auto Battler“-Spielmodus veröffentlicht.

Weitere Nachahmer werden nicht lange auf sich warten lassen. Allein in China versuchten acht verschiedene Unternehmen bislang, die Marke „Auto Chess“ eintragen zu lassen, unter anderem der Internet-Gigant Tencent. Dieser ist auch an den populären Battle-Royale-Titeln PUBG und Fortnite beteiligt.