© dpa/Uwe Anspach

Wissenschaft & Blödsinn
12/31/2013

Die Sterne lügen nicht

Jahreswechsel ist Horoskop-Saison. Wer ein bisschen was von Wissenschaft versteht, wird über Astrologie wohl nur lachen. Dummerweise ist sie aber ziemlich schwer zu testen.

von Florian Aigner

Man kann sie ja vielleicht als harmlosen Blödsinn betrachten, die Horoskope, die in vielen Zeitungen abgedruckt sind. Aber spätestens, wenn in einer Firma Personalentscheidungen von den Sternen abhängig gemacht werden, wird Astrologie zum ernsten Problem. Der ehemalige französische Fußball-Nationaltrainer Raymond Domenech soll bei der WM 2010 das Sternzeichen seiner Spieler bei der Aufstellung mitberücksichtigt haben. Mit einem einzigen Punkt verabschiedete sich die Mannschaft damals schon nach der Vorrunde aus dem Turnier. Ob das auch schon von vornherein in den Sternen stand?

Wackelige Aussagen

Aber wie kommt man der Sterndeuterei mit Wissenschaft bei? Die Astrologie wissenschaftlich zu widerlegen ist gar nicht so einfach, weil sie meist so unsagbar unkonkret und schwammig daherkommt. „Ab Donnerstag brauchen Sie besonders viel Ruhe“ – wie zum Teufel soll man so eine Aussage einer sauberen wissenschaftlichen Untersuchung zuführen?

Eines ist klar: Die Sterne oder Planeten können aus physikalischer Sicht keine Wirkung auf uns haben. Welche Naturkraft sollte für eine solche Wirkung verantwortlich sein? Weder die Himmelskörper noch wir selbst sind (in nennenswertem Ausmaß) elektrisch geladen – Elektromagnetismus fällt also aus. Es bleibt nur die Gravitation, die anderen Naturkräfte haben eine viel zu kurze Reichweite.

Weder Gravitation noch Quanten

Tatsächlich wird oft mit Hilfe der Gravitation argumentiert: „Der Mond verursacht Ebbe und Flut, warum sollen dann nicht die Sterne unser Leben beeinflussen?“ Doch mit ein paar Zeilen auf einer mittelgroßen Papierserviette kann man ausrechnen, dass die Gravitations- und Gezeitenkräfte, die auf uns wirken, völlig vernachlässigbar klein sind. Klar, auf den Ozean übt der Mond eine deutlich messbare Kraft aus. Aber haben Sie schon mal Gezeiten in der Badewanne beobachtet? Sicher nicht. Die Gravitation des Mondes spielt für uns Menschen keine Rolle – und der Effekt der Planeten ist noch viel kleiner. Jeder Stein im Garten wirkt sich stärker auf uns aus.

„Aber die Quantenphysik sagt, dass weit entfernte Objekte Einfluss aufeinander ausüben können“, hört man dann. Tatsächlich gibt es Situationen, in denen Objekte zwar weit voneinander entfernt sind, quantenmechanisch aber noch immer zusammengehören. Allerdings klappt das selbst im Labor nur mit winzigen Teilchen – nicht mit Menschen und Planeten. Außerdem sagt die Quantenphysik, dass sich damit keinerlei Information übertragen lässt. Selbst wenn wir also tatsächlich auf geheimnisvolle Weise mit Jupiter und Saturn quantenverschränkt wären, könnten die Planeten keinen Einfluss auf unser Leben nehmen.

Die Macht der Einbildung

„Na gut“, sagen dann die Astrologen. „Dann nehmen die Sterne eben gar keinen direkten Einfluss auf uns – aber aus ihrer Konstellation lässt sich ablesen, welche Qualitäten unsere Zeit hat.“ - Doch was genau sollen diese „Zeitqualitäten“ sein? Klar, es gibt Phasen, in denen das Liebesleben besser funktioniert als in anderen, das Berufsleben ist manchmal erfreulicher und manchmal ärgerlicher, aber wie testet man das? Wenn mir für morgen Glück vorausgesagt wird, und ich daran tatsächlich glaube, geschieht garantiert irgendetwas Erfreuliches, das ich dann als Erfüllung der Prophezeiung deuten kann. Solch schwammige Aussagen sind wissenschaftlich nicht überprüfbar. Sie sind nicht wahr, sie sind nicht einmal wirklich falsch, sie sind einfach nur Unfug.

Man könnte Leute über längere Zeit vollständig von jedem Horoskop abschirmen, über ihr Leben Buch führen lassen und dann nachträglich auswerten, ob die guten und schlechten Phasen mit dem Horoskop zusammenpassen. Einfach ist das nicht. Allerdings: Wenn Astrologen ernst genommen werden wollen, dann liegt die Beweislast bei ihnen. Sie müssten also klar sagen, was sie können und wie man es testen kann. Vage, schwammige Aussagen sind wissenschaftlich nicht ernst zu nehmen. Es ist am besten, mit ihnen gar keine Zeit zu verschwenden.

Wir können also mit großer Sicherheit sagen: Die Sterne lügen nicht. Sie reden nämlich nicht mit uns. Sie beeinflussen unser Leben nur insofern, als dass wir mit wissenschaftlicher Begeisterung ihre Bahnen studieren, ihr Licht vermessen und ihre faszinierenden Eigenschaften bewundern können.

Florian Aigner

Florian Aigner ist Physiker und Wissenschaftserklärer. Er beschäftigt sich nicht nur mit spannenden Themen der Naturwissenschaft, sondern oft auch mit Esoterik und Aberglauben, die sich so gerne als Wissenschaft tarnen. Über Wissenschaft, Blödsinn und den Unterschied zwischen diesen beiden Bereichen schreibt er jeden zweiten Dienstag in der futurezone.
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