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Kommentar
05/01/2011

Die Zukunft der Arbeit

Am 1. Mai wird in vielen Ländern mit Aufmärschen und Demonstrationen dem Tag der Arbeit gedacht. Doch sollte man an einem solchen Tag auch über die Zukunft der Arbeit reden und wie sie sich verändert. Luca Hammer wirft einen positiven Blick nach vorne.

Maschinen haben in der Landwirtschaft dafür gesorgt, dass immer weniger Arbeitskräfte gebraucht werden. Zugleich haben die Maschinen neue Arbeitsplätze geschaffen und die Industrie, wie wir sie heute kennen, erst ermöglicht.

Doch nun sind wir mitten in einem neuen Umbruch. Computer vereinfachen viele Vorgänge in Fabriken, ermöglichen es, mehr zu produzieren, während weniger Menschen gebraucht werden. Nicht Einwanderer sind an fehlenden Arbeitsplätzen schuld, sondern wir selbst -  indem wir immer mehr Routineaufgaben automatisieren. Einst von einander getrennte Maschinen wurden verbunden und von Computern bedient und überwacht. Nur noch selten sind Eingriffe von Menschen nötig. Computer optimieren die Abläufe und ermöglichen ein besseres Leben für alle zu einem geringeren Preis -  vorausgesetzt, die Menschen finden neue Arbeit.

Doch statt neue Beschäfitigungesfelder zu schaffen, halten wir sterbende Industrien am Leben.

"Too big to die"
Mehrere Jahrzehnte war die Automobilbranche Leitindustrie: lange Wertschöpfungsketten, von denen andere Industriezweige und viele Menschen direkt oder indirekt abhängig waren. Auf die Drohung (?), Arbeiter entlassen zu müssen, springt der Staat zur Seite und pumpt Geld hinein. Beispielhaft dafür ist die Abwrackprämie in Deutschland oder die Bürgschaft für Opel.

Man muss die Automobilindustrie nicht abschaffen, aber wenn kein Bedarf besteht, sollte man ihr erlauben, sich gesund zu schrumpfen. Statt den Menschen künstlich ihre zerbröckelnden Arbeitsplätze zu erhalten, könnte man neue schaffen.

Flexibilität als Sicherheit
Viele Menschen arbeiten in Jobs, in denen sie nicht glücklich sind. Manche haben während ihrer Ausbildung etwas angefangen und sind dort geblieben, weil es Geld brachte und eine gewisse Sicherheit gab. Andere haben ihre Arbeit verloren und wurden umgeschult, haben schnell wieder ein Einkommen gebraucht oder wurden durch andere Gründen hineingedrängt.

In den Köpfen der Menschen ist noch immer oft das Bild von einem stabilen Job, in dem ein Leben lang arbeitet. Doch die Stabilität ist oft nur noch Schein, auch und gerade große Firmen zögern nicht lange, wenn es darum geht, Mitarbeiter zu entlassen, um das Fortbestehen zu sichern oder um Gewinne zu maximieren.

Studien zeigen, dass Menschen immer mehr unterschiedliche Jobs haben, öfter wechseln und Flexibilität zu einer wichtigen Kompetenz geworden ist.

Bildung als Schlüssel
Günther Dueck schreibt von einer "Exzellenzgesellschaft", zu der wir werden müssen. Jeder soll die Matura machen und studieren. Es braucht mehr Lehrer, kleinere Klassen und bessere Betreuung. Die Ausbildung der Menschen muss sich grundlegend ändern, wenn wir gemeinsam in die Zukunft gehen und nicht Menschen zu schlechteren Maschinen machen wollen. Denn für diese gibt es immer weniger Arbeit.

Wissen ist im Internet verfügbar, doch noch lange nicht ausreichend. Auswendiglernen reicht nicht aus. Auch schaden Lehrer, die den Umgang mit Computern scheuen eher als sie helfen. Es gibt zahlreiche Kernkompetenzen, die heutzutage erwartet werden (müssen). Diese müssen von klein auf gelernt werden, sodass wir in Zukunft selbständig sein können und nicht von einer neuen Arbeitswelt vollkommen überrollt werden.

Wir brauchen keine Arbeiter am Fließband mehr, sondern solche, die sich neue Dinge ausdenken und erschaffen. Menschen, die bestehende Dinge verbessern. Die Wege finden, wie Computer den Alltag weiter erleichtern können. Wie wir ohne Verlust an Lebensqualität den Planeten schonen können und wie wir in Zukunft friedlich zusammenleben können.

Neue Arbeitswelt
Hierarchien sind ineffizient. Kleine Firmen sind schneller und innovativer. Menschen können ihre eigenen Träume verwirklichen. Menschen sind innerhalb und außerhalb von Firmen miteinander vernetzt und arbeiten zusammen. Informationen fließen schneller. Alles wird flexibler.

Arbeit nimmt neue Formen an. Weder muss man den ganzen Tag in der Fabrik stehen, noch im Büro sitzen. Ein Laptop und mobiler Internetzugang reicht aus, um Dinge für die Firma zu erledigen. Die freie Zeiteinteilung und Ortbestimmung ist nichts Neues, doch sie funktioniert immer besser. Die Werkzeuge werden besser und die Akzeptanz steigt.

Blick in die Zukunft
Statt in die Firma zu fahren, geht es zu einem "Coworking Space" (z.B. sektor5.at), oder wir setzen uns aufs Sofa zuhause. Auf dem iPad öffnen wir eine Plattform wie work|i|o und sehen dort einen Stream von möglichen Aufträgen, die speziell auf unsere Interessen und Können zugeschnitten sind. Man kann sich das ähnlich vorstellen, wie heute schon Nachrichten konsumiert werden. Man stellt sich selbst zusammen, was man machen möchte. Bei den Aufträgen steh,t wie viel sie jeweils wert sind und bis wann sie erledigt werden sollen.

Man ist nicht mehr daran gebunden, zu bestimmten Zeiten in einem Büro zu sitzen, sondern kann sich seine Zeit komplett selbst einteilen. Statt sich für einen Arbeitsplatz zu bewerben, kann man sofort loslegen. Möchte man auf Urlaub fahren und benötigt in einem Monat mehr Geld, arbeitet man mehr. Möchte man den Urlaub verlängern, kann man es sich unter Palmen sitzend am Laptop verdienen.

Es bleibt jedem Menschen selbst überlassen, welche Arbeit er oder sie macht. Möchte man neben dem Fernsehen einfache Dinge erledigen, wählt man diese, bekommt dementsprechend weniger Geld. Sitzt man konzentriert in einer inspirierenden Umgebung, kann man sich auch an komplexe Aufträge wagen und diese gemeinsam mit Freunden erledigen.

Das Internet eröffnet neue Möglichkeiten zu arbeiten und Arbeit zu verteilen. Menschen können selbstbestimmt und ohne einem Vorgesetzten im Rücken an Dingen arbeiten, die sie interessieren.

 

Luca Hammer bloggt seit fünf Jahren unter http://2-blog.net. Er hat am Buch `Soziale Bewegungen und Social Media` mitgeschrieben und ist Head of Communications bei work|i|o.

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