Meinung
24.10.2016

Harry Potter geht ans Telefon: AT&T übernimmt Time Warner

Die Übernahme von Time Warner durch AT&T zeigt, wie wichtig Inhalte in der heutigen Medienwelt sind. Ironischerweise könnte sich damit aber die Geschichte wiederholen.

In einem Jahr, in dem der Appetit für Fusionen ohnehin etwas gedämpft ist (Brexit!), ist das natürlich der Coup schlechthin: der alteingesessene Telekomriese AT&T übernimmt für 85 Milliarden Dollar das Medienhaus Time Warner und holt sich damit Namen wie Harry Potter und Big Bang Theory an Bord.

Der Deal ist schlagzeilenträchtig und nicht ohne Pointen: einerseits kommen bei manchen Beobachtern eventuell schlechte Erinnerungen hoch, immerhin hat Time Warner mit der fehlgeschlagenen Übernahme von AOL einen der größten Flops des Dot-Com-Booms aufs Börsenparkett gelegt. Andererseits kauft sich ein Content Distributor (AT&T) einen Content Provider (Time Warner) und belegt damit deutlich den hohen Stellenwert von Inhalten in der modernen Medienwelt.

Logischer Schritt

AT&T muss als Platzhirsch unter den Netzbetreibern gegen Billiganbieter im Mobilbereich antreten, und da immer mehr Medien auf mobilen Endgeräten konsumiert werden, war die Erweiterung des Portfolios um einen Medienanbieter ein logischer nächster Schritt. Schon jetzt gibt es Angebote, bei denen die Kunden gewisse Serien (die natürlich in-house produziert werden) ansehen können, ohne ihr monatliches Datenlimit zu belasten.

Der Elefantenhochzeit ist allerdings massiver regulatorischer Widerstand sicher. Schon jetzt haben sich beide Präsidentschaftskandidaten zu Wort gemeldet und angekündigt, den Deal genau prüfen (Clinton) oder gleich verbieten (Trump) zu wollen.

Analysten haben aber noch andere Bedenken: die Jugend tummelt sich heute vorzugsweise auf Youtube oder Snapchat, statt TV im herkömmlichen Sinn zu konsumieren. Das könnte mittelfristig den Wert von klassischen Medienhäusern wie Time Warner erodieren und damit hätte - Ironie der Geschichte - AT&T mit Time Warner denselben Fehler gemacht wie Time Warner mit AOL im Jahr 2000, nämlich zu teuer gekauft.

Monika Rosen

Monika Rosen (54) kommentiert als Börse-Expertin regelmäßig das Geschehen an den internationalen Finanzmärkten. Nach Studiengängen ist Österreich und den USA startete sie 1989 ihre Karriere im Bankgeschäft, seit vielen Jahren ist sie die Chefanalystin im Private Banking der Bank Austria.