Meinung
05.10.2016

Übernahmegerüchte: Zieht Mickey Mouse ins House of Cards?

Netflix kämpft mit niedrigen Wachstumsraten, Disney mit hohen Kosten bei ESPN. Gerüchte, wonach Disney den Streaminganbieter Netflix übernehmen könnte, halten sich hartnäckig.

Die Aktie von Netflix wurde zuletzt von Spekulationen beflügelt, Disney könnte an einer Übernahme interessiert sein. Beginnen wir mit einem Blick auf die Kursentwicklung. Beide Papiere sind seit Jahresbeginn jeweils rund 10% im Minus, und überraschenderweise sind die Gründe dafür durchaus ähnlich. Beim einstigen High Flyer Netflix machen sich die Anleger über die nachlassenden Wachstumsraten bei den Abonnenten Sorgen.

Und auch Disney verliert Kunden, und zwar beim Flaggschiff unter seinen Bezahl-Kanälen, dem Sportkanal ESPN. Gleichzeitig sind gerade bei ESPN die Kosten hoch, gibt der Kanal doch Unsummen für die Rechte an Sportübertragungen aus. Da könnte man bei Disney schon auf die Idee kommen, einen rasch wachsenden Internet Streaming Dienst zu übernehmen, um den eigenen Fußabdruck in dem Bereich zu vergrößern. Zumal das "Mouse House" schon in der Vergangenheit bewiesen hat, dass es Übernahmen erfolgreich über die Bühne bringen kann.

Milliardengeschäft

Netflix wiederum kämpft mit der Tatsache, dass seine einstige Pole Position im Bereich Online Streaming zunehmend von neuen Mitbewerbern wie Amazon oder auch Apple angegriffen wird. In den letzten Quartalsergebnissen hat Netflix bei der Anzahl der neuen Abonnenten in den USA wiederholt enttäuscht, und es stellt sich zunehmend die Frage, ob diese Rückgänge von den Märkten außerhalb der USA abgefangen werden können. Immerhin machen die Abos in den USA noch mehr als die Hälfte des gesamten Kundenstocks von Netflix aus (47 Mio von 85 Mio weltweit).

Aber Netflix wäre kein kleiner Fisch, selbst für Disney nicht. Die aktuelle Marktkapitalisierung der Aktie liegt bei 44 Mrd. Dollar, das wäre selbst für einen Medien-Riesen wie Disney eine gewaltige Transaktion. Einige Analysten haben auch die Tatsache ins Spiel gebracht, dass sich Medienhäuser in der Vergangenheit wiederholt die Finger verbrannt haben, wenn sie Internetunternehmen übernommen haben (siehe Time Warner und AOL).

Für eine zwischenzeitliche Rallye der Netflix-Aktien waren die jüngsten Gerüchte aber allemal gut. Inwieweit die harten Daten von Netflix der Beurteilung durch die Wall Street standhalten, wird sich am 17. Oktober zeigen, denn da kommen die nächsten Quartalszahlen.

Monika Rosen

Monika Rosen (54) kommentiert als Börse-Expertin regelmäßig das Geschehen an den internationalen Finanzmärkten. Nach Studiengängen ist Österreich und den USA startete sie 1989 ihre Karriere im Bankgeschäft, seit vielen Jahren ist sie die Chefanalystin im Private Banking der Bank Austria.