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Change Innovation
11/25/2011

Warum Forschungsgelder alleine nicht reichen

Forschung und Entwicklung waren schon immer Treiber für Innovation. Und die wiederum gilt als wichtige Grundlage für die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen. Innovationsministerin Doris Bures hat diese Woche gemeinsam mit elf Unternehmen die Deklaration "Innovationsland Österreich“ unterzeichnet. Damit haben nun insgesamt 22 Unternehmen das Ziel vereinbart, bis 2015 die Forschungsinvestitionen um 20 Prozent zu steigern. "Bei Forschung und Technologie geht es um unseren Wirtschaftsstandort. Das sind Innovationen, die sich rechnen", wird Bures zitiert. Aber es braucht mehr als bloß Geld.

Investitionen in Innovation rechnen sich. In diesem Punkt stimme ich mit der Ministerin überein. Jedoch stelle ich mir die Frage, ob die Unternehmen dadurch per se auch innovativer werden. Bures sagt: „Die Unternehmen, die 2008/2009 nicht aus Forschungs- und Technologieentwicklung ausgestiegen sind, hatten geringere wirtschaftliche Einbrüche und geringere Einbrüche im Bereich der Beschäftigung. Mittlerweile ist es ihnen gelungen, in vielen Bereichen besser dazustehen als das vor 2008 der Fall war.“ Ich war selbst einmal Teil eines Forschungsteams, das an einem internationalen Projekt gearbeitet hat. Aus dieser Zeit weiß ich, wie schwierig es ist, Forschungsgelder aufzutreiben.

Geld alleine ist kein Garant für Innovation
Für viele – oftmals kleine – Unternehmen ist es einfach nicht möglich, noch mehr Geld in R&D zu stecken, da die Mittel dringend für die bestehende Geschäftstätigkeit benötigt werden. Eine einfachere und schnellere Vergabe von Forschungsmitteln kann hier sicherlich helfen und eventuelle wirtschaftliche Einbrüche abfedern. Jedoch ist Geld alleine kein Garant für den Erfolg von Innovation und innovativer wird ein Unternehmen dadurch auch nicht unbedingt.

Innovation ist modern und hip
Fragt man heute Unternehmen nach ihren Werten und Kernkompetenzen, so hört man sehr häufig in der einen oder anderen Form: „Wir sind innovativ“. Das klingt modern und hipp. Veränderung findet immer statt und innovativ zu sein, gilt als ist wichtigster Faktor, in der schnelllebigen Welt wettbewerbsfähig zu bleiben. Was jedoch wirklich unter Innovation verstanden wird, bleibt oft unklar und in den seltensten Fällen gibt es ein einheitliches und klares Verständnis, was dieser Begriff für eine Organisation bedeutet.

Was ist Innovation?
Um Innovation in Organisationen sichtbar zu machen, gründen manche Firmen Innovationsabteilungen, andere konzentrieren sich auf R&D und wieder andere führen Vorschlagsplattformen ein. Diese Liste lässt sich beliebig erweitern. Jede dieser Maßnahmen ist zu begrüßen, jedoch nicht, wenn es ich um reinen Aktionismus handelt und Innovation nicht in der Unternehmenskultur verankert wird. Ich selbst habe erst vor kurzem bei einem Unternehmen erlebt, dass Mitarbeiter dazu aufgerufen wurden, ihre Ideen niederzuschreiben und in eine „Ideenbox“ zu werfen. Diese sollten dann an die Unternehmensleitung weitergeleitet werden. Drei Wochen später war die Box zwar immer noch da, jedoch so versteckt aufgestellt, dass sie kaum noch auffindbar war. Kugelschreiber und Zettel wurden auch nicht nachgefüllt. Dies zeigt wohl, wie wertschätzend dieses Thema vom Unternehmen betreut wurde.

Innovation ist Chefsache
Innovation ist meiner Meinung nach Chefsache. Damit meine ich nicht, dass die Geschäftsführung der alleinige Impulsgeber für Innovation sein soll. Aber die Unternehmenslenker sollten klare Ziele haben. Erst dann ist es möglich, sich darüber Gedanken zu machen, wie Innovation ein Bestandteil der Organisation werden kann und welche Aktivitäten zu setzen sind. Seien das nun die Erhöhung der Forschungsausgaben, wie das nun bei der Deklaration zur Förderung rot-weiß-roter Innovation zu lesen ist, oder andere Maßnahmen.

Wege zu einem neuen Innovationsverständnis
Dabei kann man sich bei anderen Unternehmen Anregungen und Impulse holen. Zu meinen persönlichen Favoriten beim Thema „Innovation als Teil der Unternehmenskultur“ gehören IDEO und 3M. Beide Unternehmen verstehen es, Innovation so zu betreiben, dass sie als integraler Bestandteil des Unternehmens funktioniert. Und beide sind damit auch höchst erfolgreich. Bei 3M z.B. dürfen Mitarbeiter 15% ihrer Arbeitszeit frei nutzen. Das schafft Platz für neue Ideen und Innovationen. Viele Unternehmen agieren heute noch so wie im Zeitalter der industriellen Revolution. Produkte und Dienstleistungen werden entwickelt und dann am Markt angeboten. Verpackt mit modernem Marketing erhofft man sich dann Erfolg, um dann wieder mit voller Kraftanstrengung den nächsten „Hit“ am Markt zu landen. Dass dieses ständige Auf und Ab sehr viel Kraft und Mühe kostet ist einfach nachvollziehbar.

Es ist alles da was fehlt
Erst wenn Innovation leicht und spielerisch von statten geht und von jeder Person im Unternehmen gleich verstanden und auch gelebt wird, lassen sich auch Angebote schaffen, die Kunden faszinieren und in den Bann ziehen und so zu einem durchschlagenden und nachhaltigen Erfolg für das Unternehmen werden. Dafür braucht es den Willen und den Mut, sich tiefergehend mit dem Thema Innovation zu beschäftigen. Unternehmen, die das verstehen und leben, können meiner Meinung nach gelassen Veränderungen am Markt entgegensehen mit dem Wissen „Es ist alles da was fehlt“.

Stephan Haslinger beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem Thema Innovation. Als Teil der Beratergruppe focusedchaos unterstützt er Unternehmen dabei, Innovation als Teil der Unternehmenskultur zu verankern. Haslinger ist auch Geschäftsführer von tisco und Mitbegründer von Woodapples.