Claudia Zettel, Chefredakteurin von futurezone.at

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Meinung
02/07/2019

Was passiert, wenn man “Menstruation” ins Internet schreibt

Dass es künftig ein Emoji für die Menstruation geben wird, sorgt für beispiellose Aggressionen.

von Claudia Zettel

Ich habe “Menstruation” ins Internet geschrieben, ihr werdet nicht glauben, was dann passiert ist. Am Mittwoch wurde bekannt, welche neuen Emojis in diesem Jahr entwickelt werden sollen. Eines davon wird nun auch (endlich) der weiblichen Regelblutung gewidmet. Weil das Emoji von Frauenrechtlerinnen seit langem gefordert wurde - unter anderem, um Tabus aufzubrechen - nahmen auch wir es auf der futurezone als Anlass zu einem Artikel. Als ich mir schließlich einen Tag nach der Veröffentlichung die Kommentare darunter ansah, war ich ein wenig irritiert, allerdings nicht besonders überrascht.

Auch im Jahr 2019 sorgen Themen wie die Menstruation noch für ein Aggressionslevel unter - vorwiegend - männlichen Zeitgenossen, das doch beispielgebend ist für die Misogynie in unserer “aufgeklärten” Gesellschaft. Um das nochmals anschaulich zu zeigen, setzte ich also einen Tweet zu dem Thema ab und verlinkte den entsprechenden Artikel. Die Reaktion darauf war wie eine selbsterfüllende Prophezeiung. Innerhalb kürzester Zeit hagelte es empörte Kommentare, in der Tonalität, ich bzw. “ihr Feministinnen” seien doch “krank” und “gestört”. Ich wurde auf vielfältige und kreative Weise beschimpft und das Thema insgesamt lächerlich gemacht und verunglimpft. 

Nun bin ich es als Frau durchaus gewohnt, in den sozialen Medien regelmäßig beflegelt zu werden, die Intensität und Geschwindigkeit der Reaktionen auf das Thema “Menstruation” hat mich dann aber doch noch einmal überrascht. Als hätte ich einen Knopf gedrückt oder eben tatsächlich ein Tabu gebrochen, regnete es die Aggression förmlich in die Kommentare hinein. Aufgeklärte Gesellschaft, was ist das?

Es tut mir nicht leid

Nun kann man daraus mehreres ableiten, was auch generell für Hass im Netz und Empörungskurven in sozialen Medien gilt und durchaus öfter zu beobachten ist. Besonders auffallend war in diesem Fall jedoch das Thema für mich. Weder war mein Tweet besonders provokant (dachte ich), noch würde ich meinen, dass sich Menschen heute tatsächlich noch am Thema “Menstruation” stoßen. Nein Moment, ich weiß natürlich, dass sie das tun, aber ich akzeptiere es nicht. 

Ich akzeptiere nicht, dass ich mich als Frau beschimpfen lassen muss, weil ich einen Tweet zu einem Thema schreibe, das in der Regel (pun intended) jede Frau bzw. ca. die Hälfte der Menschheit betrifft und nichts anderes als natürlich ist. Ich akzeptiere nicht, dass Frauen und ihre Körper tabuisiert werden, dass ich in Onlinekommentaren lesen muss, Frauen stinken und seien während ihrer Periode sowieso zu nichts zu gebrauchen. Ich akzeptiere nicht, dass ich etwas Harmloses ins Internet schreibe und dafür misogyne Kommentare und blanken Hass kassieren muss. 

Allen, die sich also von “Menstruation”, unserem Artikel und letztlich meinem Tweet “provoziert” fühlen, kann ich nur ausrichten: Es tut mir nicht leid, ihr werdet auch in Zukunft mit meinen “Unverschämtheiten” rechnen müssen. Ich schäme mich weder für meine monatliche Blutung noch dafür, etwas darüber ins Internet zu schreiben.