© AP/Marcio Jose Sanchez

Gastkommentar
09/23/2016

Yahoo-Übernahme: Stolperfalle auf den letzten Metern

Marissa Mayer ist es nicht gelungen, Yahoo auf einen Erfolgskurs zu bringen. Ein möglicher Verkauf wird wohl nicht reibungslos verlaufen.

von Monika Rosen

„Wenn es regnet, dann schüttet es.“ Dieser alte Spruch scheint wohl auch für Yahoo zu gelten. Nach dem jahrelangen, erfolglosen Abstiegskampf gegen die übermächtigen Konkurrenten im Internet, wie Google und Facebook, schien die Yahoo-Saga im heurigen Sommer mit der Übernahme durch den Telekom-Riesen Verizon zu Ende zu gehen.

Die Fusion markierte gleichzeitig auch das Ende der Ära von Marissa Mayer. Die ehemalige Google-Managerin war 2012 an die Spitze von Yahoo gehievt worden, um den Turnaround zu schaffen, was ihr letztlich aber – wie auch ihren Vorgängern – nicht gelang. Damit blieb am Ende nur, das Angebot von Verizon in Höhe von 4,8 Mrd. Dollar für das Yahoo-Kerngeschäft anzunehmen. Doch zuletzt mehren sich Anzeichen, dass auch das finale Kapitel der Yahoo-Saga nicht reibungslos ablaufen könnte.

Hacker-Angriff

Ein massiver Hacker-Angriff, zu dem im Sommer erste Details durchsickerten, soll noch schlimmer sein als bisher befürchtet. Die Hacker sind wohl im Besitz von zahlreichen persönlichen Daten, wie Geburtstagen und E-Mail Adressen, von rund 500 Millionen Yahoo-Nutzern. Experten monieren in diesem Zusammenhang, dass Yahoo bis jetzt keine verpflichtende Passwort-Änderung bei den betroffenen Accounts durchgeführt hat. Diese könnte jetzt aber fällig werden.

Da der Hack von den US Behörden umfassend untersucht wird, hat er auch das Zeug, die Übernahme durch Verizon ins Wanken zu bringen, bzw. zumindest eine Neuverhandlung des Kaufpreises zu erzwingen. Verizon braucht für die Übernahme die Zustimmung der Regulierungsbehörden, aber auch die der eigenen Aktionäre. Wenn das zu übernehmende Unternehmen, wie im gegenständlichen Fall, einen massiven Reputationsschaden erleidet, und wenn zusätzlich Schadenersatzklagen im Raum stehen, wird Verizon die Höhe seines Angebots möglicherweise nochmals überdenken (müssen).

Übernahmeangebot abgelehnt

Wer jetzt ein Déjà-vu hat, liegt nicht ganz falsch. 2008 hatte einer der Gründer von Yahoo ein Übernahmeangebot von Microsoft in Höhe von 44 Mrd. Dollar als zu niedrig abgelehnt. Der Vergleich hinkt zwar ein wenig, denn damals ging es um das gesamte Unternehmen, jetzt nur um das Kerngeschäft. Das eigentliche Kronjuwel von Yahoo ist ja die Beteiligung an Alibaba, sie hat in den letzten Jahren quasi im Alleingang für den Kursanstieg von Yahoo gesorgt.

Dennoch: Yahoo ist ein Paradebeispiel dafür, wie rasch man gerade in der Technologie seinen Platz in der Oberliga lost ist. Am Ende muss sich der ehemalige Internet-Gigant Yahoo von einer Telekom-Firma übernehmen lassen. Dieses Schicksal teilt er übrigens mit einem anderen Ex-Star der Branche, nämlich AOL. Auch die sind 2015 von Verizon geschluckt worden.

Monika Rosen

Monika Rosen (54) kommentiert als Börse-Expertin regelmäßig das Geschehen an den internationalen Finanzmärkten. Nach Studiengängen ist Österreich und den USA startete sie 1989 ihre Karriere im Bankgeschäft, seit vielen Jahren ist sie die Chefanalystin im Private Banking der Bank Austria.