Netzpolitik
23.11.2016

Bericht: Facebook entwickelte Zensur-Tool für China

Um wieder auf den chinesischen Markt zu kommen, ist Facebook jedes Mittel recht. Eine neue Software ermöglicht "Dritten" das Beobachten und Löschen von Nutzer-Einträgen.

Facebook hat einem Zeitungsbericht zufolge eine Software zur Zensur von Nutzer-Einträgen entwickelt. Das Werkzeug könnte dem weltgrößten Netzwerk bei seinen Bemühungen helfen, auf den chinesischen Markt zurückzukehren, berichtete die "New York Times" am Dienstag. Facebook wurde vor sieben Jahren von den chinesischen Behörden aus dem Land verbannt.

Der Internet-Konzern habe ein Instrument entwickelt, das es "dritten Seiten" erlaube, populäre Einträge und Schlagworte auf Facebook zu beobachten, schrieb die Zeitung. Die "dritte Seite" habe dann volle Kontrolle darüber, ob diese Posts in den Kanälen der Nutzer auch auftauchten. Im Gegensatz zum Blockieren oder Löschen nach Antrag einer Behörde hätten die chinesischen Behörden somit volle Kontrolle darüber, was chinesische Facebook-Nutzer sehen können.

Facebook: Noch keine Entscheidung

Es gebe allerdings keine Hinweise darauf, dass Facebook die Software den Behörden in China angeboten habe. Vielmehr sei es eine von vielen Ideen, die Facebook vor dem Aspekt einer Rückkehr nach China diskutiert habe. Möglicherweise werde die Software niemals eingesetzt. "Wir sagen schon seit langer Zeit, dass wir Interesse an China haben und mehr Zeit darin investieren, über das Land zu lernen und es zu verstehen", so eine Facebook-Sprecherin. Man habe jedoch noch keine Entscheidung getroffen, betonte sie gegenüber der New York Times.

Facebook ist seit 2009 in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt gesperrt. Damit hatten die Behörden nach ethnischen Unruhen mit 140 Toten versucht, den Austausch von Informationen darüber zu unterbinden. Ausländische Medien haben in China einen schweren Stand und sind politischem Druck ausgesetzt.

Zuckerberg: "Muss nicht volle Unterhaltung sein"

Zuckerberg versuchte seitdem immer wieder, sich dem Wachstumsmarkt anzunähern. So traf er sich mehrmals mit dem chinesischen Staatsoberhaupt Xi Jinping und lernte unter anderem Mandarin. Das Tool wurde laut New York Times selbst unter Facebook-Mitarbeitern zum Gesprächsthema. Bei einem von Facebooks internen Q&A-Runden am Freitag äußerte sich auch CEO Mark Zuckerberg dazu: „Es ist besser, wenn Facebook daran teilhaben kann, ein Gespräch zu ermöglichen, auch wenn es nicht die volle Unterhaltung ist.“