Netzpolitik
09.11.2017

Big Data: "Strengerer Datenschutz kann Start-ups helfen"

Mobilfunker verfügen über eine Vielzahl an Daten, die nun auch von Start-ups genutzt werden sollen. Datenschützer sehen die Kooperationen eher kritisch.

Wieso sollen nur Google, Facebook und Co. mit ihren Kundendaten Geld verdienen? Das scheinen sich seit einigen Jahren zahlreiche Mobilfunker zu denken, die zunehmend „ Big Data“ als neue Einnahmequelle für sich entdecken. In Österreich versucht sich unter anderem A1 daran und hat dafür in zwei datengetriebene Start-ups investiert - Folyo und Adscanner.

Anonym und aggregiert

„Wir beantworten mithilfe von Algorithmen die Frage wer überhaupt Werbung im Fernsehen schaut“, erklärt Marin Curkovic vom Start-up Adscanner. Dazu werden von A1 bereitgestellte anonyme Haushaltsdaten von IPTV-Boxen ausgewertet. Folyo will hingegen mit Bewegungsdaten ermitteln, wer Außenwerbung anschaut. Dazu erhält man beispielsweise Daten von Ridesharing-Anbietern wie Uber und kombiniert diese mit anderen Datenquellen, unter anderem von A1.

A1 versucht in diesem Zusammenhang zu beschwichtigen. „Wir verkaufen keine Daten“, sagt A1-Innovationschef Mario Mayerthaler. Vorerst erwarte man sich „deutlich weniger als 10 Millionen Euro Umsatz“ aus Kooperationen in diesem Bereich, in den kommenden Jahren soll das aber deutlich steigen. „Daten sind das schätzenswerteste Gut in unseren Augen.“ Bei Partnerschaften wie mit den Start-ups werden diese nur „anonym und aggregiert“ weitergegeben, die Daten von einzelnen Personen können nicht ausgelesen werden. Daniela Zimmer, verantwortlich für das Thema Datenschutz bei der Arbeiterkammer, sieht das etwas kritischer.

Arbeiterkammer kritisiert

„Der Konsument entspannt sich natürlich etwas, wenn gesagt wird, dass die Daten anonymisiert werden.“ Zimmer merkt an, dass auch „anonymisierte Daten“ über Metadaten einen Rückschluss auf einzelne Personen erlauben würde. Hier müsse man wieder zwischen „berechtigten wirtschaftlichen Interessen und einem Interesse am Datenschutz“ abwägen.

„Ein Data Analyst tritt auch schnell mal an eine Datenmenge heran und probiert aus, was er finden kann. Eigentlich müsste er dafür den Zweck im Vorfeld definieren.“ Das Gesetz würde derzeit viel Spielraum bei der Verwendung von Daten bieten, ohne nochmals das ausdrückliche Einverständnis der Nutzer zu holen. „Da wird es in den kommenden Jahren viel Arbeit für die Judikatur geben“, meint Zimmer.

Mehr Transparenz bei Algorithmen

Strengere Datenschutzregeln könnten für Start-ups aber auch hilfreich sein, meint Curkovic. Denn wenn der Nutzer zurückhaltender mit den Daten umgeht, würde deren Wert steigen. „Machen wir uns nichts vor, der Kunde will grundsätzlich Werbung vermeiden.“ Er sieht Werbung als wichtiges Mittel von Konsumenten, um demokratisch über eine Idee oder ein Produkt mit Aufmerksamkeit abzustimmen.

„Wir müssen darüber nachdenken, wie stark sich Start-ups und Unternehmen künftig bei Algorithmen in die Karten lassen schauen müssen“, sagt Zimmer. Denn diese müssen nachvollziehen können, wieso ihnen bestimmte Inhalte angezeigt und andere vorenthalten werden. „Wir sind nur ein wachsames Auge“, meint Curkovic. „Wir beobachten den Kunden nur, wir nehmen ihm keine Rechte an Bildern oder anderen Daten weg. Diese Erkenntnisse gehören uns.“

„Standortdaten sind für Mobilfunker eine Geschäftsbasis, die brauchen wir zu verschiedensten Zwecken“, sagt Mayerthaler. Diese seien wesentlich für den Netzausbau. „ Google und Apple wissen wesentlich genauer, wo ein Nutzer warum ist. Diese Daten kommen nicht von uns, sondern von ihnen.“