Netzpolitik 27.11.2012

Bures: 100 Mbit/s für alle

Im Rahmen einer Initiative des Bundesministeriums für Verkehr und Infrastruktur soll der Breitbandausbau in Österreich bis 2020 deutlich vorangetrieben werden. Ein neues Österreichisches Breitbandbüro soll ab 2013 den Fortschritt überwachen und bewerten.

Breitband ist die Schlüsselinfrastruktur für eine moderne Gesellschaft“, erklärt Ministerin Doris Bures im Rahmen der Präsentation der neuen Initiative. Österreich sei derzeit im internationalen Vergleich zwar in Sachen Netzabdeckung im Spitzenfeld, bei der verfügbaren Bandbreite jedoch nur im Mittelfeld. Das soll sich nun ändern. Mit gezielten Förderungen sollen allen Haushalten bis 2020 eine Bandbreite von 100 Mbit /s zur Verfügung stehen. Im Bereich Informations- und Telekommunikationstechnologien werden jährlich vom Ministerium rund 80 Millionen Euro investiert, die in Zukunft auch verstärkt für diesen Breitbandausbau eingesetzt werden soll.

Breitbandbüro
Die Breitbandstrategie wird vom österreichischen Breitbandbüro koordiniert, das am 1. Jänner 2013 seine Arbeit aufnimmt. Geleitet wird das Büro von Alfred Ruzicka.  Das Büro soll die zentrale Anlaufstelle für alle sein, die im ländlichen Raum Breitband ausbauen wollen, für Gemeinden sowie Unternehmen. Es soll von dem Büro auch ein Breitbandatlas erstellt werden, wo die aktuelle Ausbaustufe sichtbar ist. Auch Förderungen sollen koordiniert werden und weiters auch eine Förderdatenbank eingerichtet werden, um alle Möglichkeiten zusammenzufassen, die über EU, Bund und den Ländern beantragt werden können.

„Das Büro ist eine Drehscheibe für alle, die sich mit dem Ausbau beschäftigen“, erklärt der zukünftige Leiter. Die Europäische Investitionsbank schätzt die Ausbaukosten für Breitband in Österreich auf fünf Milliarden Euro, ein Großteil davon seien Kosten für notwendige Grabungsarbeiten. Durch eine intelligente Koordination des Breitbandbüros soll hier effizienter gearbeitet werden, was den Aufwand um bis zu 50 Prozent verringern könne.

Handlungsbedarf
Wirtschaftsforscher Karl Aiginger vom Wifo begrüßt die Maßnahmen, gibt aber gleichzeitig auch zu bedenken, dass die formulierten Ziele auch tatsächlich erreicht werden müssen: “Ein bisheriges Manko war die Umsetzung der vorliegenden Konzepte”. Österreich sei derzeit unter den Top-OECD-Nationen, was Einkommen betrifft, bei der verfügbaren Internet-Bandbreite sei man jedoch nur im Mittelfeld. “Es besteht hier Handlungsbedarf”, so Aiginger.

Aktueller Stand
Derzeit nutzen 77 Prozent der österreichischen Haushalte einen Breitbandanschluss. Dabei zählt sowohl Breitband über Festnetz sowie mobiles Breitband. 2010 waren es erst zehn Prozent. Die Qualität der Anschlüsse unterscheidet sich dabei teilweise deutlich. 99 Prozent haben Zugang zu einem Anschluss mit mindestens einem Mbit/s (Basis-Breitband),  85 Prozent können eine Bandbreite von mehr als vier Mbit/s nutzen, 55 Prozent eine Geschwindigkeit von mehr als 30 Mbit/s und 50 Prozent haben heute Zugang zu einem Anschluss mit bis zu 100 Mbit/s. Die Bandbreiten ab 30 Mbit/s und aufwärts sind derzeit vorwiegend in Ballungsräumen verfügbar.

Mehr zum Thema

  • ORS will WLAN-Anbieter werden
  • Prognose: 3,3 Milliarden Smartphones bis 2018
  • UPC erhöht Tarife: Kunden können kündigen
  • Immer mehr Österreicher surfen mobil
( futurezone ) Erstellt am 27.11.2012