Netzpolitik
31.08.2018

China wirbt angeblich über LinkedIn US-Bürger als Spione an

Laut FBI richten sich 70 Prozent der Spionageaktivitäten gegen die Privatwirtschaft. Peking weist die Vorwürfe zurück.

China nutzt US-Behörden zufolge das Karriere-Netzwerk LinkedIn im großen Stil, um US-Bürger als Spione anzuwerben. Auf der Internet-Plattform der Microsoft-Tochter werde dabei "superaggressiv" vorgegangen, sagte William Evanina, Leiter des für die Abwehr zuständigen National Counterintelligence and Security Center (NCSC), der Nachrichtenagentur Reuters.

Bei der Kampagne würden Tausende LinkedIn-Teilnehmer auf einmal angesprochen mit dem Ziel, von ihnen politische und wirtschaftliche Geheimnisse in Erfahrung zu bringen. Evanina forderte LinkedIn auf, nach dem Vorbild von Twitter, Google und Facebook entsprechende Nutzerkonten zu sperren.

Paradies für Spione

LinkedIn sei eine "sehr gute Website", sagte Evanina. Allerdings sei der Dienst auch ein wunderbarer Ort für Gegenspieler der USA. Diese könnten dort nicht nur etwa Mitglieder der Regierung oder ehemalige CIA-Agenten ins Visier nehmen, sondern auch Akademiker und Ingenieure - "alles, was sie wollen." Es handle sich um die "ultimative Spielwiese für die Erfassung". Evanina machte keine Angaben dazu, wie viele gefälschte Benutzerkonten entdeckt wurden, wie viele Amerikaner angesprochen wurden oder wie erfolgreich China bei der mutmaßlichen Rekrutierung war.

Der für Sicherheit zuständige LinkedIn-Manager Paul Rockwell bestätigte Gespräche zwischen seinem Unternehmen und den US-Behörden wegen chinesischer Spionage. Es seien in den vergangenen Tagen "weniger als 40" gefälschte Konten gelöscht worden, sagte er Reuters. Ob es sich um chinesische Nutzer handelte, sagte er nicht. "Wir tun alles, was wir können, um dieses Vorgehen zu erkennen und zu unterbinden", sagte er zu der mutmaßlichen Spionage.

Geld als Anreiz

Aus US-Regierungskreisen verlautete, bei den Zielpersonen handle es sich um Experten etwa auf dem Gebiet der Supercomputer, Atomenergie, Nanotechnologie, Halbleiter, Tarnkappen-, Gesundheitsversorgung, Samenzucht und grüner Technologie. Die chinesischen Geheimdienste gingen dabei mit Geldzahlungen und gefälschten Vorschlägen für Geschäfte vor.

Dem Leiter der Spionage-Abwehr beim FBI, Joshua Skule, sagte, etwa 70 Prozent der Spionagetätigkeit der Chinesen richteten sich gegen die Privatwirtschaft. "Sie betreiben Wirtschaftsspionage in einem Umfang, der in unserer Geschichte einzigartig ist."

Das chinesische Außenministerium wies in einer Erklärung die Vorwürfe zurück. Man wisse nicht, aus welchen Beweisen die US-Behörden ihre Schlussforderungen zögen. "Was sie sagen, ist völliger Unfug und hat Hintergedanken." Derzeit weitet sich der Handelsstreit zwischen den USA und China immer weiter aus. Für kommende Woche sind Zölle auf weitere chinesische Importe im Volumen von 200 Milliarden Dollar (171 Mrd. Euro) angekündigt.