Netzpolitik
17.07.2018

EU-Minister wollen bei künstlicher Intelligenz international aufholen

Die EU-Wirtschaftsminister haben sich bei ihrem informellen Treffen am Montag in Wien vollständig dem Thema künstliche Intelligenz gewidmet.

Es ging um Vorarbeiten für ein Grundsatzpapier, das laut der heimischen Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck (ÖVP) im September fixiert und präsentiert werden soll. Es gehe darum, Jobs nach Europa zurückzuholen. Im Zusammenhang mit Digitalisierung und Robotik einher geht prinzipiell aber die Sorge um Jobverluste. „Wir warten auf Arbeitsplätze, die noch nicht erfunden sind. Sie werden die Arbeitsplätze ersetzen, die wegfallen“, sagte dazu EU-Industriekommissarin Elzbieta Bienkowska. Dahingehend müsse sich auch in den Bildungssystemen etwas ändern. Es fehle an Fachkräften in spezialisierten Bereichen wie der Robotik. Es brauche also mehr digitale Qualifikationen.

Alle Branchen betroffen

„Wir können dem Fortschritt keinen Riegel vorschieben und wollen das auch nicht “, sagte EU-Digitalkommissar Andrus Ansip. Die künstliche Intelligenz erfasse alle Branchen von der Medizin bis zur Landwirtschaft. Die Pro-Kopf-Roboterquote sei in Österreich eine der höchsten weltweit, trotzdem sei die Arbeitslosigkeit in Österreich sehr gering, sagte der EU-Politiker. Natürlich würden einige Jobs verlorengehen, den Betroffenen müsse man helfen. Viel drehe sich hierbei um „lebenslanges Lernen“; auch Unternehmen und Gewerkschaften müssten in diesen Prozess miteinbezogen werden.

Wenig KI-Investitionen

So weit, wie es sich die Politik heute wünscht, ist Europa aber noch bei weitem nicht: Ansip rechnete vor, dass in Europa derzeit lediglich drei bis vier Mrd. Euro in künstliche Intelligenz bzw. dahingehende Forschung & Entwicklung investiert würden. In Asien seien es hingegen 8 bis 12 Milliarden pro Jahr und in den USA überhaupt 15 bis 23 Milliarden, so der Kommissar.

Schlussfolgerung von Bienkowska: „Also heißt es, die Kräfte bündeln, um erfolgreich den Wettbewerb mit China und den USA anzugehen.“ Ein Kraftakt aller Player wird nötig. "Alle Mitgliedstaaten haben verstanden, dass wir auf EU-Ebene zusammenarbeiten müssen. Es reicht nicht, wenn einige EU-Länder spielen und andere auf der Reservebank bleiben: das ganze europäische Team muss spielen, und zwar gemeinsam", betonte Ansip.

„Hochwertige Arbeitsplätze“

Es geht laut Schramböck und den beiden Kommissaren darum, in Europa jene Rahmenbedingungen zu schaffen, damit alle - Unternehmen, Menschen, Volkswirtschaften - von der künstlichen Intelligenz profitieren können. Laut der Wirtschaftsministerin, die den informellen Rat leitete, erfolgte am Montag der Auftakt für eine intensive Diskussion, um hochwertige Arbeitsplätze in Europa zu schaffen. Dafür müssten der Fokus auf öffentliche und private Investitionen gelegt, geeignete Rechts- und Ethikrahmen geschaffen und digitale Kompetenzen der Bevölkerung weitergebracht werden.