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SAFER INTERNET Facebook fordert Lehrer und Eltern heraus.

Foto: Lisa Young/Fotolia
An Österreichs Schulen spielen Online-Netzwerke wie Facebook eine immer größere Rolle. Eltern und Lehrer müssen ihre Kinder gemeinsam darauf vorbereiten, so die Experten von Saferinternet.at. Eine aktuelle Studie besagt allerdings, dass nur 35 Prozent der Lehrer selbst Facebook nutzen.

Im Hause Schmid gab es bis vor kurzem kein Skype und kein Facebook. Erst seit kurzem darf der 14-jährige Markus das soziale Online-Netzwerk nutzen. "Sein Vater hat mit ihm gemeinsam die Privatsphäre-Einstellungen eingestellt und das Konto eingerichtet", erklärt Susanne Schmid, Vorsitzende des Landesverbands der Elternvereine im Burgenland der FUTUREZONE. Die Mutter dreier Söhne setzt fest auf Kontrolle, wenn es um die Nutzung des Internets geht. "Man darf Kinder nicht sich selbst überlassen, sie brauchen Ansprechpartner und Regeln."

Auch 91 Prozent der Pädagogen sind der Meinung, dass beim Schutz der Privatsphäre im Internet der größte Aufklärungsbedarf unter Österreichs Schülern bestehe. Das ergibt eine Studie von Saferinternet.at unter 675 befragten Lehrern, die Anfang Jänner online befragt wurden. "Jugendliche können die Folgen einer allzu freizügigen Preisgabe privater Daten oft nur schwer einschätzen", sagt Bernhard Jungwirth, Projektleiter von Saferinternet.at - einer Initiative, die sich für die sichere Webnutzung einsetzt. Facebook habe ein viel größeres Publikum als der Schulhof, doch das Bewusstsein dafür fehle häufig, so Jungwirth.

"Lehrer müssen ausgebildet werden"

Doch ein kompetenter Umgang mit dem Internet ist für Kinder nicht selbstverständlich, sie müssen diesen erst erlernen. "Dazu müssen die Lehrer ausgebildet werden", fordert die Elternvertreterin Schmid. Tatsächlich stellen sich immer mehr Schulen dieser Herausforderung und fördern gezielt den Einsatz digitaler Medien im Unterricht. So haben 58 Prozent der befragten Lehrer im Informatik-Unterricht mit ihren Schülern bereits über eine sichere Internetnutzung gesprochen. "Hier gibt es konkrete Anknüpfungspunkte. Aber auch andere Fächer wie der Sprachunterricht oder Bildnerische Erziehung eignen sich dafür", erzählt Jungwirth der FUTUREZONE.

Trotzdem wünschen sich 79 Prozent der befragten Lehrer mehr Unterstützung. Sie wünschen sich Unterrichtsmaterialien, aber auch Vorschläge für Aktivitäten im Unterricht. "Viele Erwachsene haben Bedenken, dass Jugendliche sich mit Facebook besser auskennen als sie selbst. Dabei übersehen sie, dass dies oft nur die technische Nutzungskompetenz betrifft. Im Gegensatz dazu herrschen große Defizite bei der kritischen Reflexion und Beurteilung von Risiken", meint Jungwirth.

Netiquette für das richtige Verhalten

Soziale Netzwerke unterstützen dabei neue Formen des Lernens in der Gruppe und fördern die Motivation der Schüler. Derzeit nutzen allerdings nur 35 Prozent der Lehrer Facebook selbst. 37 Prozent davon sind auch mit ihren eigenen Schülern vernetzt. "Das ist eine sehr hohe Zahl. Es bedeutet eine Aufhebung der Trennung zwischen Schule und Privatsphäre", erklärt Jungwirth. Es gebe Schulen, die deswegen derzeit an einer Facebook-Netiquette arbeiten, erzählt der Experte. Das geschieht gemeinsam mit Eltern. "Auch diese dürfen die Verantwortung nicht abschieben", ist Schmid überzeugt.

Doch gerade Eltern unterschätzen potentielle Gefahren und Risiken im Internet häufig. Nur vier Prozent sind der Meinung, dass ihre Kinder schon Nachrichten mit sexuellen Inhalten bekommen hätten, tatsächlich gaben aber 17 Prozent der Kinder Gegenteiliges an. Das ergab eine europaweite Studie namens "EU Kids Online" aus dem Herbst 2010. "Es muss ein gutes Vertrauensverhältnis zwischen Eltern und Kindern vorhanden sein, damit sie auch mit solchen Problemen zu den Eltern kommen", meint Schmid.

Kritische Beurteilung von Inhalten

Neben Facebook steht das Internet bei den Schülern auch zu Recherche-Zwecken für Hausaufgaben und Referate hoch im Kurs. Sechs von zehn Lehrenden sehen allerdings einen Lernbedarf bei der kritischen Beurteilung der Glaubwürdigkeit von Online-Inhalten. "Die Frage, wie man Wissen bewertet, ist wichtig. Aber Kindern sollte auch beigebracht werden, wie man eine Bibliothek nutzt", wünscht sich Schmid, die ihren Kindern Skype noch immer verbietet. "Das Internet ist nicht alles", sagt sie.

Mehr zum Thema:

Cybermobbing: "Jugend testet Grenzen aus"
Web-2.0-Nachhilfe für Lehrer

(Barbara Wimmer)

Über saferinternet.at

Saferinternet.at unterstützt Schüler, Eltern und Lehrer mit Tipps, Workshops und Ratgebern für eine sichere Nutzung des Internets. Den ganzen Februar lang findet ein Aktionsmonat statt, um die Aufklärung rund um Themen wie die digitale Medienkompetenz weiter voranzutreiben. Mehr als 200 Schulen beteiligen sich daran und gestalten Projekte dazu. Dadurch sollen die Online-Risiken für Kinder wie Datenmissbrauch oder Cybermobbing reduziert werden.

Link:

Saferinternet.at

Im Vorfeld des Saferinternet.at-Aktionsmonats wurden im Rahmen der Initiative des Unterrichtsministeriums "Web 2.0 - soziale IT-Netze sinnvoll nutzen" interessierte Lehrkräfte und Schulleiter in Workshops für die Begleitung und Betreuung dieser Schulprojekte vorbereitet.

Mehr zum Thema:

Web-2.0-Nachhilfe für Lehrer

(futurezone) Erstellt am 03.02.2011, 14:46

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