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Netzpolitik
03/24/2016

Freie Software auf Routern vor dem Aus

Neue EU-Regeln bringen Hürden für die Installation alternativer Software auf Routern. Im Juni tritt die Funkrichtlinie in Kraft. Freifunk-Initiativen stellt das vor Probleme.

Eigentlich sollen mit der EU-Richtlinie mit der Kennung "2014/53/EU" Störungen in Funknetzen verhindert werden. Die neuen Regeln, die bis Mitte Juni in den Mitgliedsstaaten umgesetzt werden müssen, haben aber auch weitreichende Folgen für den Betrieb von freien WLAN-Netzwerken. Denn im Artikel 3, Buchstabe i, der neuen Funkrichtlinie ist festgehalten, dass Hersteller von Funkanlagen sicherstellen müssen, "dass nur solche Software geladen werden kann, für die die Konformität ihrer Kombination mit der Funkanlage nachgewiesen wurde"

Probleme für Freifunk-Initiativen

Wie Julia Reda, Abgeordnete der deutschen Piraten im EU-Parlament, in einem Blogeintrag schreibt, könnte das bedeuten, dass künftig "nur noch zertifizierte Software auf WLAN-Routern installiert werden kann". Freifunk-Initiativen, die zum Aufbau ihrer Netze auf quelloffene Software für Router und WLAN-Access Points setzen, die ihren Anforderungen weit mehr entspricht als die von den Herstellern mitgelieferte Software, bekommen dann ein Problem.

Denn die Hersteller müssten die Konformität der verwendeten Software gewährleisten. Vielen dürfte das aber zu viel Aufwand sein. Zwar gelten die Regeln nur für Software, die die Funkeigenschaften der Router betreffen. Bei vielen Geräten ist die Trennung zwischen Software zur Bedienung der Funkschnittstelle und jener, die sie nicht betrifft, aber nur schwer möglich, weil sie zunehmend miteinander verzahnt sind. Es ist also zu erwarten, dass Änderungen in der Firmware künftig - so es nicht ohnehin bereits der Fall ist - ein Riegel vorgeschoben wird und Router mit Schutzmechanismen versehen werden.

Umsetzung bis Mitte des Jahres

Auch in Österreich wird die EU-Direktive Mitte Juni in Kraft treten. Derzeit würden die Arbeiten zu einer Novelle des Bundesgesetzes über Funkanlagen und Telekommunikationseinrichtungen (FTEG) laufen, mit der die Richtlinie hierzulande umgesetzt werde, heißt es auf Anfrage der futurezone aus dem Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie (bmvit). Die Fernmeldebehörden seien immer wieder mit Störmeldungen von anderen betroffenen Funkdiensten, etwa dem Wetterradar konfrontiert, sagt Franz Ziegelwanger, Abteilungsleiter im Verkehrsministerium. Mit den neuen Regeln solle sichergestellt werden, dass nur Funkanlagen auf den Markt kommen, die keine Störungen verursachen können.

Die in den Routern verwendete Software müsse künftig von Herstellern in der "Declaration of Conformity" (DoC) angeführt werden, erläutert Ziegelwanger. Wer alternative Software einsetze, die dort nicht verzeichnet ist, müsse mit Maßnahmen der Behörden rechnen. Kurz gesagt, er macht sich strafbar.

Zwar bestehe die Möglichkeit weiterhin freie Software auf die Geräte zu spielen. Wer dies tue müsse erstens darauf achten, dass er die Bestimmungen für die Konformität von Funkprodukten erfüllt und zweitens muss er dann auch selbst als Inverkehrbringer des Routers auftreten und eine eigene "Declaration of Conformity" erstellen. Dafür müssten aber auch Prüfverfahren für die Hardware durchgeführt werden, sagt Ziegelwanger. Es ist abzusehen, dass dies die finanziellen Möglichkeiten und wohl auch die Ambitionen vieler Freifunk-Betreiber übersteigt.

Hersteller haben nach dem Inkraftreten der neuen Regeln ein Jahr Zeit, sie umzusetzen. De facto gelten sie also für Router, die ab Mitte 2017 auf den Markt kommen. Tatsächlich haben viele Hersteller aber schon seit längerem damit begonnen, ihre Geräte abzuriegeln.

Neue Regeln auch in den USA

Vorreiter solcher Beschränkungen sind die USA, die das 5-GHz-Spektrum bereits Mitte 2015 mit ähnlichen Auflagen versehen haben. Für das 2,4-GHz-Spektrum tritt, ebenfalls im Juni, eine entsprechende Regelung in Kraft. Dabei fordert die Regulierungsbehörde FCC von Herstellern, die Geräte in den USA auf den Markt bringen wollen, Änderungen in der Firmware zu unterbinden und nur Geräte mit zertifizierter Software auszuliefern. Wie heise.de berichtete, wird in dem entsprechenden FCC-Papier explizit die freie Router-Firmware DD-WRT genannt.

Die strengeren Regeln für Router-Software hat aber auch Auswirkungen auf die Sicherheit der Geräte, da freie Software in der Regel häufiger mit Updates versorgt wird. Dazu kommt, dass Hersteller-Software, wie Erich Möchel auf FM4 herausstreicht, häufig Hintertüren aufweist, die für Smart-Home-Anwendungen bewusst offen gelassen wurden.

Die EU-Abgeordnete Reda verweist in ihrem Blog-Eintrag auch darauf, dass viele Freifunk-Initiativen Flüchtlinge mit freiem Internet versorgen. Für viele Geflüchtete ist der Internetzugang unverzichtbar, um mit Angehörigen in ihren Herkunftsländern in Kontakt zu bleiben oder sich über aktuelle Entwicklungen zu informieren. Reda befürchtet nun, dass dieses zivilgesellschaftliche Engagement durch die neue Funkrichtlinie zum Erliegen kommen könnte.