"Gamer riechen schlecht": Wirbel um RTL-Beitrag

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"Gamer riechen schlecht": Wirbel um RTL-Beitrag
08/27/2011

"Gamer riechen schlecht": Wirbel um RTL-Beitrag

Nach einem RTL-Beitrag zur Gamescom gingen bei der zentralen Stelle der Medienanstalten mehr als 8000 Beschwerden ein. Im Netz kursiert zudem ein angebliches YouTube-Video von Anonymous, das zur "Operation RTL" aufruft. Der Sender versucht sich in Schadensbegrenzung - und hat sich bei den Gamern für den Beitrag entschuldigt. Laut Medienwächtern verstößt der Beitrag allerdings nicht gegen das Medienrecht.

Der RTL-Beitrag zur Computermesse Gamescom, der am 19.8.2011 ausgestrahlt wurde, sorgte für großen Wirbel in der Szene. Bei der zentralen Stelle der Medienanstalten programmbeschwerde.de gingen binnen kürzester Zeit mehr als 8000 Beschwerden ein, die Seite ging deswegen sogar vorübergehend offline. Auch in Video- und Computerspielforen kam es zu heftigen Reaktionen.

Grund dafür waren Kommentare zur Gamer-Szene wie: „Die überwiegende Mehrheit aller Messebesucher trägt aber den Computerspieler-Einheitslook. Dunkle Schlabberklamotten, die manchmal etwas schlecht riechen.“ Die Moderatorin sprach zudem über Computerfans als „komische Gestalten“ und beschrieb sie als Menschen, die wenig Sozialkontakte haben, schräg gekleidet sind und sich nicht immer ordentlich waschen.

"Darstellung beruht auf Vorurteilen"Auf YouTube kursierte am Mittwoch ein angebliches Video der Hacktivisten-Gruppe Anonymous, das bereits mehr als 110.000 Menschen angeklickt haben. Darin werden Konsequenzen für RTL angekündigt. Es wird darin einerseits zu einem Boykott von RTL aufgerufen, andererseits werde es am Sonntag zur „Operation RTL“ kommen. Im Text direkt unter dem Video befindet sich ein Hinweis auf eine geplante ddos-Attacke.

„Ihre Darstellung der Gamer-Community ist eine bodenlose Frechheit. Ihre Darstellung der Gamescom beruht auf Vorurteilen und Lügen. Wir, Anonymous, werden jetzt Konsequenzen ziehen. (…) RTL erwarte uns“, heißt es in dem Video.

"Zielen von Anonymous entgegengesetzt"Das Video dürfte jedoch nicht von dem Kern des losen Kollektivs Anonymous stammen. Via pastebin erschien vor knapp sieben Stunden ein Beitrag, der sich für eine freie Meinungsäußerung ausspricht und zu erklären versucht, warum sich Anonymous niemals für einen RTL-Boykott ausprechen würde.

"Darunter fallen auch all diejenigen, die Rache für den auf RTL ausgestrahlten, menschenverachtenden Beitrag, über Gamer auf der Gamescom von Tim Kickbusch, fordern. Eine derartige Aktion ist als Zensur zu werten, oder als Versuch die freie Presse einzuschüchtern und ist den Zielen von Anonymous völlig entgegengesetzt", heißt es dort.

Entschuldigung von RTLRTL hat nun für den Beitrag in einem offiziellen Statement auf der RTL-Website um Entschuldigung gebeten. Ein RTL-Sprecher sagte am Donnerstag: "Die Verallgemeinerung und Überzeichnung des Beitrags war ein Fehler. Wenn wir Gefühle verletzt haben sollten, entschuldigen wir uns ausdrücklich dafür."

Kein Verstoß gegen das MedienrechtDer RTL-Beitrag ist durch die Protestwelle allerdings auch ins Visier der Medienwächter geraten. Die Niedersächsische Landesmedienanstalt (NLM) hat am Freitag geprüft, ob RTL mit dem Beitrag gegen medienrechtliche Bestimmungen verstoßen habe, so der NLM-Direktor Andreas Fischer. Dies sei nicht der Fall, heißt es in einer Stellungnahme. "Die Prüfung der NLM hat jetzt ergeben, dass der umstrittene Beitrag nicht gegen die Bestimmungen des Rundfunkstaatsvertrages verstößt."

„Der Beitrag ist durch seine unverblümte Tendenz sicher ärgerlich, aber keinesfalls rechtswidrig. In einer freiheitlichen Medienordnung können und müssen derartige Berichte toleriert werden. Ich hoffe sehr, dass die Gamer-Szene, die ja selbst für Freiheitsrechte eintritt, dies am Ende akzeptieren kann, “ kommentierte Fischer.


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