Cybercrime

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Netzpolitik
01/24/2019

Gegen Cybercrime: EU-Projekt Titanium startet Praxisphase

Koordinierung durch Austrian Institute of Technology - Universität Innsbruck und Bundeskriminalamt ebenfalls an Bord.

Das EU-Projekt Titanium zur Bekämpfung von Kriminalität im Darknet hat am Donnerstag seine Praxisphase eingeläutet. Über mehrere Monate wollen Spezialisten aus 15 Forschungseinrichtungen, IT-Firmen und Polizeibehörden illegalen Cyberaktivitäten nachspüren. Die Koordinierung hat das Austrian Institute of Technology (AIT) inne, Universität Innsbruck und Bundeskriminalamt (BK) sind ebenso beteiligt.

"Wir sind mit Kollegen vom Cybercrime Competence Center und Betrugs-Experten vertreten", sagte BK-Sprecher Vincenz Kriegs-Au auf APA-Anfrage. "Ziel ist es, verschiedene Tools zu entwickeln und zu testen, die zur Klärung von Straftaten beitragen." Die Software werde in sogenannten Field Labs getestet, wo Fälle simuliert werden. Die Anwendungen sollen in weiterer Folge in Echtzeit arbeiten und Akteure deanonymisieren sowie Daten für statistische Analysen zusammenfassen, erläuterte der Sprecher.

Neue Software

Das europäische Projekt war im Mai 2017 an den Start gegangen. Mit Donnerstag sollte eine entwickelte Software den Polizeibehörden in Österreich, Deutschland, Finnland und Spanien zu Testzwecken zur Verfügung stehen. Die Ermittler wollen speziell kriminelle Handelsströme über Kryptowährungen ins Visier nehmen. Währungen wie Bitcoin, ZCash oder Monero ermöglichen einen von Banken unabhängigen Handel. Die Währung wird über aufwendige Verfahren am Computer generiert und gilt als weitgehend anonymes Zahlungsmittel.

Mit Hilfe der Software aus eigener Entwicklung wollen die Sicherheitsexperten gerichtsfestes Beweismaterial aufspüren. Dabei habe das Projekt besonderes Augenmerk auf die Einhaltung von rechtlichen und ethischen Vorgaben gelegt, heißt es. Datenschutzaspekte seien schon bei der Grundkonzeption der Software bedacht worden, sagte Franziska Boehm, Leiterin des Zentrums für Angewandte Rechtswissenschaft (ZAR) des Karlsruher Instituts für Technologie KIT.

Das Darknet - ein Teil des Internet, in dem Nutzer sich weitgehend anonym austauschen können - gilt zwar als beliebter Ort etwa für Waffen- und Drogenhandel. Er bietet allerdings auch Nutzern in repressiven Ländern Schutz, die eine Plattform für den sicheren Austausch suchen. Da die Verarbeitung von Darknet-Daten regelmäßig einen Eingriff in die Grundrechte der Betroffenen darstelle, sei es entscheidend, dass dies nur in begründeten Fällen und auf Basis einer Rechtsgrundlage erfolge, erläuterte Projekt-Koordinator am KIT, Thilo Gottschalk.