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Netzpolitik
01/04/2013

Google Zensurwarnung in China ist verschwunden

Eine in China eingeführte Funktion, die Google-Nutzer auf Blockaden seitens der Regierung hinwies, ist vom Online-Konzern ohne Kommentar entfernt worden. Zensur-Gegner vermuten, dass Google dem Druck Chinas nachgab und sind vom Rückschlag im Kampf gegen Einschränkungen im Internet enttäuscht.

Wie es scheint, hat sich Google dem Druck der chinesischen Regierung gebeugt und seine automatische Zensurwarnung bei der Eingabe bestimmter Begriffe durch chinesische Benutzer entfernt. Laut dem Anti-Zensur-Blog GreatFire.org geschah dies im Zeitraum zwischen 5. und 8. Dezember und wurde seitens Google weder kommentiert noch begründet. Zudem wurde ein Hilfe-Artikel entfernt, der die Zensur-Warnungs-Funktion erklärte.

Schlacht im Hintergrund
Die Warnfunktion wurde im Mai 2012 eingeführt und galt zu diesem Zeitpunkt als Glanzleistung im Kampf des Online-Konzerns gegen die restriktive Internet-Politik Chinas. Chinas Zensurbehörden schlugen innerhalb kürzester Zeit zurück und blockierten die für die Funktion notwendige Javascript-Datei. Google umging diese Maßnahme, weitere Störversuche folgten, bis Google die Funktion schließlich im HTML-Code seiner Startseite integrierte und den Zugriff darauf vollständig verhinderte.

Wie GreatFire.org vermutet, könnte schließlich eine vollständige Blockade von Google am 9. November 2012 dazu geführt haben, dass Google seinen Standpunkt überdachte. Auch die Drosselung und teilweise Blockade von Gmail könnten ausschlaggebend dafür gewesen sein, dass Google die Zensurwarnung Anfang Dezember entfernte.

Der Anti-Zensur-Blog bezeichnet dieses Vorgehen als "herben Rückschlag" im Kampf gegen die Zensur. Google könne sich seitdem nicht mehr wirklich als Bekämpfer der Zensur bezeichnen.

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