Strache: Nicht der Islam, sondern der radikale Islamismus ist das Feindbild.

© Kurier/Juerg Christandl

Netzpolitik
10/16/2016

Kritik an Löschpolitik auf Straches Facebook-Seite

Die Facebook-Seite von FPÖ-Chef HC Strache sorgt abermals für Aufregung. Während Mordaufrufe anscheinend toleriert werden, wird Kritik an Strache bzw. seinen Fans gelöscht.

Ein offenbar psychisch kranker Mann sorgte in Wien-Favoriten am Samstag für einen Vorfall mit einer Straßenbahn. Der 21-jährige Schutzsuchende aus Syrien sprang dabei zuerst auf das Dach der Straßenbahn und legte sich danach davor. Mittlerweile befindet sich der Mann im Krankenhaus und wird wegen Selbstmordgefährdung psychisch behandelt. Einen Artikel über den Vorfall teilte der FPÖ-Chef HC Strache auf seiner Facebook-Seite.

Es folgten zahlreiche Kommentare, viele davon beschimpfen den Syrer, teilweise wird sogar zu Gewalt aufgerufen. Die Betreiber der Seite lassen viele der Kommentare zu bzw. löschen sie nicht, was für viel Kritik sorgte. So twitterte etwa die Journalistin und Autorin des Buches "Hass im Netz", Ingrid Brodnig:

Auch andere Twitter-Nutzer prangerten die teilweise sehr heftigen Aussagen der Strache-Fans öffentlich an:

Kritische Kommentare gelöscht

Für besonders viel Aufsehen sorgt, dass Kritik an den teilweise gewaltverherrlichenden Kommentaren gelöscht wird, während die Meldungen selbst stehen bleiben. Caritas-Generalsekretär Klaus Schwertner schrieb etwa laut kurier.at „Der Mann ist krank. Euer Hass ist es auch“. Kurz danach war dieser Kommentar aber nicht mehr zu finden. Zahlreiche Twitter- und Facebook-Nutzer vermuten, dass er gelöscht wurde. Laut verschiedenen anderen Meldungen in Online-Netzwerken dürfte ähnliches bei mehreren Kommentaren passiert sein. Eine Reaktion von HC Strache bzw. den Betreuern der Facebook-Seite gibt es aktuell nicht.

Teilweise wurden die Nutzer laut eigenen Angaben sogar geblockt, können also gar nicht mehr auf der Facebook-Seite kommentieren. Inzwischen wurde auch eine Online-Petition gestartet, die die Offenlegung aller blockierten Facebook Accounts mit Begründung fordert.

Laut dem Rechtsanwalt Georg Bürstmayr könnte das Verhalten des FPÖ-Chefs bzw. seines Teams auch strafrechtliche Konsequenzen haben. Seiner Meinung nach sei „Beitragstägerschaft“ zu überprüfen.

Problem Hasspostings

Die Webseite des FPÖ-Obmanns fällt immer wieder durch Hasspostings der Nutzer auf. Erst im Juni wurde dem Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) dort mit einer „schnellen Kugel“ gedroht. Damals betonte man in der FPÖ-Zentrale, dass „untragbare“ Kommentare in der Regel sofort gelöscht werden. Es war nicht der erste derartige Vorfall auf der Seite, die aktuell über 422.000 Fans zählt. So wurde auch zu „Anschlägen“ gegen den Bundespräsidentschaftskandidaten Alexander Van der Bellen aufgerufen.