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Creative Industries
06/19/2012

Kullmann: Urheberrechtsforderungen übertrieben

Die deutsche Journalistin und Autorin Katja Kullmann bezeichnet sich selbst als „eine der prekären Kreativen“. Sie musste sechs Jahre nach ihrem Bestseller-Roman in Deutschland das Leben als Hartz IV-Empfängerin kennen lernen. Mit der futurezone sprach sie über neue Strategien für Cultural und Creative Industries und die Urheberrechtsdebatte in Deutschland.

von Barbara Wimmer

„Das Urheberrecht ist die entscheidende Frage in der Kreativindustrie. Schließlich geht es hier um Produktionsweisen und -mittel und wie diese verteilt sind", sagte Kullmann bei einem Pressegespräch am Wiener Naschmarkt. Die Autorin war anlässlich einer Klubenquete der SPÖ, in der über Strategien für die Kreativindustrie diskutiert wird, zu Gast.

Kullmann, Soziologin und ausgebildete Nachrichten-Redakteurin, verlor im Krisenjahr 2008 den Boden unter den Füßen und rutschte in den "Honorarnotenstrudel". Sie bekam die deutsche „Medienkrise" zu spüren und musste Hartz IV in Anspruch nehmen. „Doch genau dieses System ermöglicht die Devise `Erfinde dich neu` nicht, sondern zwingt einen dazu, auch seine `soziale Währung Kontakte` aufzugeben", sagte Kullmann. Ihre Erfahrungen verarbeitete Kullmann in einem Roman namens „Echtleben" (2011).

Urheberrechtsdebatte
Doch wie steht die Autorin, die die prekären Arbeitsverhältnisse der Kreativen bestens kennt, nun zur Urheberrechtsdebatte, die derzeit die deutschen Medien beherrscht? Anfang Mai startete „Die Zeit" den Aufruf „Wir sind Urheber". 100 prominente Autoren, darunter Daniel Kehlmann oder Charlotte Roche, unterschrieben. „Das Urheberrecht ermöglicht, dass wir Künstler und Autoren von unserer Arbeit leben können und schützt uns alle, auch vor global agierenden Internetkonzernen, deren Geschäftsmodell die Entrechtung von Künstlern und Autoren in Kauf nimmt", heißt es dazu auf der Website der Initiative.

Die Autorin Kullmann hat nicht unterschrieben. „Ich bin selbst Produzentin und Urheberin von meinen Werken. Ich habe meinen Verlag allerdings immer als Dienstleister verstanden, der für mich den Druck erledigt, oder aber die LKW-Fahrer bezahlt, die meine Werke in die Buchläden bringen. Das ist für mich eine Dienstleistung und dafür kriegt der Verlag Prozente. Das habe ich nie als Ausbeutung empfunden", argumentierte Kullmann, die sich auch bereits auf ihrem Blog mit dem Thema "Urheberrechts-Kacka" beschäftigt hat.

"Halte Forderungen für übertrieben"
„Ich halte die Forderungen der Autoren, aber auch die der Piraten, für übertrieben. Sicher spielt bei den Autoren die Angst, schlecht entlohnt zu werden mit. Daher ist die Frage, ob nicht eine andere Form der Entlohnung für Kreative zielführend ist, ist viel wesentlicher", fuhr Kullmann fort, die noch ein wenig von ihren eigenen Erfahrungen preisgibt: Bei den Verhandlungen zu den E-Books seien „strenge Nachverhandlungen" notwendig gewesen, denn hier würden eine wesentliche Argumente der Verlage, warum sie mit bestimmten Prozenten mitverdienen, wegfallen.

Auf die futurezone-Frage, ob sie sich bei den "Nachverhandlungen" leicht getan habe, antwortete Kullmann: Natürlich sei sie sich bewusst, dass sie andere Möglichkeiten habe als ein Autor, der gerade auf der Suche für einen Verlag für sein erstes Buch ist. „Ich war Einzelkämpferin und habe mir meine Konditionen erkämpft. Aber natürlich wäre es sinnvoll, hier einen Standard durchzusetzen mit Mindestprozentklauseln nach der guten Sitte", so Kullmann. Jungen Autoren würde sie empfehlen, vor Vertragsunterzeichnungen mit Kollegen zu sprechen. „Heutzutage werden die Defizite viel mehr thematisiert als früher, das hat sich bereits positiv verändert".

"Wichtig zu wissen, worauf man achten muss"
Elisabeth Hakel, Nationalratsabgeordnete der SPÖ und Bereichssprecherin für Creative Industries, hat zusammen mit Elisabeth Mayerhofer und Paul Stepan für Österreich ein Strategiepapier ausgearbeitet, in dem genau diese Probleme angesprochen werden und Wege aufgezeigt werden, wie diese gelöst werden könnten. „Hier ist es ebenso wie ein Rechtsschutz für Freie und Kreative wichtig, dass es Informationen gibt, worauf man bei Verträgen achten muss", sagte Hakel, die sich zudem für eine gesamtgesellschaftliche Förderstruktur in Österreich aussprach. „Sicher gibt es bereits jetzt Individualförderungen von einzelnen Stellen, aber es gibt in der Branche der Kreativen sehr viele prekäre Arbeitsverhältnisse". Kullmann drückte das noch etwas härter aus: „Wir sind Wanderarbeiter und Tagelöhner und keine `Culturpreneure`, so sieht die Realität aus."

Die SPÖ-Klubenquete zum Thema „Neue Strategien für die Cultural & Creative Industries" (u.a. mit Kullmann) kann derzeit im Live-Stream mitverfolgt werden.

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