Matthias Strolz, Gründer und Vorsitzender der Partei NEOS, erklärt seine Stratgie im Umgang mit Facebook und Co

© KURIER/Jeff Mangione

Netzpolitik
05/06/2017

Matthias Strolz: "Unsere Kritikresistenz ist hoch"

In einer fünfteiligen futurezone-Serie stellen sich die österreichischen Partei-Spitzen einem Social-Media-Check und geben Einblick in ihre Strategien.

Es hat ein wenig gedauert, aber inzwischen sind Online-Kampagnen und Social-Media-Aktionen bei österreichischen Parteien und Spitzenpolitikern Standard geworden. Niemand kommt mehr ohne Facebook-Seite aus und regelmäßig führen mehr oder weniger gut geglückte Postings zu mehr oder weniger heller Aufregung in den sozialen Medien.

Grund genug einmal bei den Parteispitzen nachzufragen, wie sie es denn persönlich mit Social Media halten, wie sie mit Shitstorms umgehen und wo vielleicht etwas Selbstkritik angebracht wäre. Den Anfang macht Matthias Strolz (NEOS).

futurezone: Ihre Partei ist recht aktiv auf Social Media, mitunter sehr aktionistisch. Wie stark mischen Sie sich persönlich in die Inhalte der Online-Kampagnen ein?
Matthias Strolz: Welche Kampagne gestartet wird und wie sie aussieht, wird natürlich im Vorfeld mit mir als Vorsitzendem von NEOS abgestimmt. Bei den Details und der operativen Ausführung sind aber die konkret für Kampagnen und Kommunikation zuständigen Personen verantwortlich. Auf meiner eigenen Facebook-Seite bin ich selbst sehr aktiv. Meinen Twitter-Account mache ich komplett alleine.

Wären Sie auch in den sozialen Medien aktiv, wenn keinerlei berufliche Absichten dahinter stünden?
Ja, natürlich wäre ich auch dann auf den sozialen Medien aktiv. Ich wäre auch unglaubwürdig, wenn ich meine aktuelle Tätigkeit auf den sozialen Medien nur mit beruflichen Absichten verknüpfen würde. So funktioniert die Welt der sozialen Medien auch nicht. Aber ja, wahrscheinlich würde ich das zeitliche Investment dafür zurückfahren. Als Chef einer Bürger_innenbewegung ist es aktuell Teil meiner täglichen Aufgabe, hier präsent und sichtbar zu sein.

Werden verhetzende Postings auf Ihrer bzw. anderen NEOS-Seiten konsequent angezeigt, wie gehen Sie damit um?
Unsere Kritikresistenz und die unserer Abgeordneten ist hoch - auch persönliche Untergriffe sind da keine Seltenheit und werden geduldet oder mit Humor gekontert. Grobe Untergriffe werden gelöscht; „Wiederholungstäter“ werden gesperrt, vor allem wenn es offensichtlich Fake-Accounts sind. Bei Hetze und Drohungen erfolgt umgehende Löschung und auch Anzeige (war bisher glücklicherweise nur sehr selten der Fall).

Wünschen Sie sich strengere gesetzliche Regeln für soziale Medien? Wenn ja, wie sollte das aussehen?
Nein. Bestehende Gesetze decken diese Delikte bereits ab.

Wie viel Zeit pro Tag verbringen Sie persönlich mit Social Media?
Rund ein bis zwei Stunden. Wobei ich natürlich auch viele Zeitungsberichte online lese und hier die Grenzen zwischen Social Media und Online-Medien verschwimmen.

Wie viel Persönliches geben Sie im Netz von sich preis und wo ziehen Sie die Grenze?
Ich versuche hier zu trennen. Ich habe mein privates Facebook-Profil, da werde ich manchmal etwas persönlicher. Aber insgesamt steht man als Politiker schon sehr im Rampenlicht – ich gebe gerne was von mir persönlich – so wie diese Woche ein Foto aus Jugendtagen. Meine Familie halte ich jedoch draußen.

Wie gehen Sie mit Angriffen auf Ihre Person, mit Shitstorms um? Sind diese Dinge “part of the game” oder eine echte Belastung?
Angriffe auf die Person gehören in den sozialen Medien schon auch dazu – es ist aber eine Gratwanderung. Wir können keine Politik machen, die jeder und jedem gefällt, daher ist es nur logisch und auch bereichernd, wenn (sachlicher) Gegenwind kommt. Bei inhaltlichem Gegenwind und sachlichen Argumenten gehen ich und mein Team auch in den Diskurs. Persönliche Untergriffe belasten dann schon sehr – diese Kommentare lese ich nicht alle. Manchmal muss man die bewussten Untergriffe auch bewusst ausblenden, damit man den Glauben an das Gute im Menschen nicht verliert.

Über welche Diskussion/Aufregung in den sozialen Medien haben Sie sich am meisten geärgert?
Ärgern ist zu viel verlangt. Und die Aufregung ist ja auch meist schnell vorbei. Ein Beispiel aktuell - diese Woche habe ich mich schon gewundert über das „rot-grün Manifest“ der ÖVP. Das ist schon sehr alter Stil und ging bei mir stark in Richtung Fremdschämen. Das beschädigt die Politik insgesamt.

Auf welche Social-Media-Kampagne Ihrer politischen Mitbewerber waren Sie ein bisschen neidisch?
So wie ich mich nicht ärgere über Aufregungen in den sozialen Medien, bin ich auch nicht neidisch. Aber ich beobachte natürlich Kampagnen und spannende Entwicklungen. Vor allem im Ausland. Christian Lindner von der FDP steckt beispielsweise gerade mitten im Wahlkampf und das beobachte ich sehr genau. Da schöpfe ich Inspiration.

Welches Handy haben Sie?
Ein Samsung.


Lest morgen, wie es Grünen-Chefin Eva Glawischnig mit den sozialen Medien hält, was sie am meisten ärgert und welchen politischen Nutzen sie in Social Media sieht.