Naturhistorisches Museum Wien
© Kurier / Juerg Christandl

Netzpolitik

Nackte Brüste: Facebook löscht Foto der Venus von Willendorf

Sie wurde 1908 entdeckt, ist elf Zentimeter groß und knapp 30.000 Jahre alt: Die Venus von Willendorf, Österreichs bekanntestes Fundstück, das im Naturhistorischen Museum zu sehen ist.

Die Künstlerin Laura Ghianda, die sich selbst als „Artivist“ (also eine Mischung aus Künstlerin und Aktivistin) bezeichnet, hat ein Foto von der berühmten Statue, die neben einer üppigen Figur auch zwei große, nackte Brüste beinhaltet, auf Facebook hochgeladen, um zu sehen, was damit passiert. Denn Facebook hat eine klare „keine nackten Brüste“-Policy in seinen Gemeinschaftsstandards. Es gibt dabei allerdings an und für sich Ausnahmen.

Laut den internen Schulungsunterlagen lässt Facebook Abbildungen von Nacktheit zu, solange sie in "Kunst wie Gemälden, Skulpturen und Zeichnungen abgebildet ist". Nicht erlaubt bleiben aber "digital erstellte sexuelle Handlungen". Die Statue der Venus von Willendorf müsste ganz klar unter "Skulptur" fallen und damit zugelassen sein, doch das Foto wurde vom Sozialen Netzwerk Facebook entfernt, wie „The Art Newspaper“ berichtet. Der Grund für die Löschung sei "Pornografie", heißt es in dem Bericht und auf der Website von Ghianda.

"Der Venus ihre Nacktheit!"

Das Naturhistorische Museum (NHM) reagierte im Jänner auf das Posting von Ghianda und forderte in einem eigenen Facebook-Posting, dass das Foto von der Venus von Willendorf nackt und unzensiert auf Facebook bleiben solle. „Der Venus ihre Nacktheit! Seit 29.500 Jahren präsentiert sich "unsere" Venus von Willendorf als prähistorisches Fruchtbarkeitssymbol unbekleidet in voller Pracht. Facebook zensiert nun und lässt seit Tagen die Wogen hochgehen. Das wollen wir so nicht hinnehmen und plädieren: die Venus muss nackt bleiben dürfen! Schenkt uns ein Like, wenn ihr das genauso seht”, heißt es in dem Facebook-Posting.

„Es hat bisher keine einzige Beschwerde eines Besuchers gegeben, was die Nacktheit der Figur betrifft“, so Christian , Direktor des Naturhistorischen Museums. „Es gibt keinen Grund, warum man die Nacktheit der Statue verdecken sollte, weder im Museum noch auf Social Media.“ Gerade archäologische Objekte wie diese sollten nicht von Facebook verbannt werden. "Kein Kunstwerk sollte das", so Köberl. Auf der eigenen Facebook-Seite des Naturhistorischen Museums habe man bisher keine Zensur erlebt, heißt es weiters. Ein Posting zum Valentinstag mit einem Hinweis auf pornografische Kunst sei etwa auf Facebook bestehen geblieben, heißt es auf futurezone-Anfrage in einer Stellungnahme des Naturhistorischen Museums.

Immer wieder Probleme mit Kunst

Facebooks rigider Umgang mit Nacktdarstellungen stößt schon seit längerem immer wieder auf Unverständnis bei Nutzern und Künstlern gleichermaßen. So sorgte etwa die Löschung eines weltberühmten Fotos aus dem Vietnamkrieg für viel mediale Aufmerksamkeit. Auf dem Bild ist ein nacktes vietnamesisches Mädchen zu sehen, das vor einem Napalm-Angriff flieht. Facebook hatte die Entscheidung später zurückgenommen. Viele Löschungen basieren auf einem Algorithmus und erfolgen automatisch. Es ist derzeit nicht bekannt, wie die Entscheidung im Fall der Venus von Willendorf gefallen war.

Facebook hatte etwa auch ein Bild einer Neptunstatue, dem Wahrzeichen der Stadt Bologna, als "sexuell explizit" gelöscht. Das Bild mit der Statue des nackten Neptuns war von der italienischen Schriftstellerin Elisa Barbari als Werbung für ihre Webseite über Sehenswürdigkeiten der Stadt Bologna gewählt worden.

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Barbara Wimmer

shroombab

Preisgekrönte Journalistin, Autorin und Vortragende. Seit November 2010 bei der Kurier-Futurezone. Schreibt und spricht über Netzpolitik, Datenschutz, Algorithmen, Künstliche Intelligenz, Social Media, Digitales und alles, was (vermeintlich) smart ist.

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