Video on Demand
11/11/2010

Neuzugang bei Web-TV: Boxee Box

Auch wenn in Österreich diesbezüglich noch Flaute herrscht, die Web-TV-Landschaft wächst. Die Boxee Box tritt in den USA mit starken Spezifikationen gegen Google TV und Apple TV an. Gegen eine mögliche Blockade von TV-Sendern wie beim Start von Google-TV wappnet sich Boxee mit einem eigenen Bezahlmodell.

von David Kotrba

Fast ein Jahr hat es gedauert, bis aus den ersten Gerüchten über eine Set-Top-Box des Home Theater PC Software (HTPC)-Herstellers Boxee ein Produkt wurde, das nun tatsächlich verkauft wird. Die Boxee Box tritt in Konkurrenz zu anderen Web-TV-Lösungen, wie Google TV oder Apple TV. Das Gerät wird an einen Fernseher angeschlossen und liefert Video- und Audio-Inhalte aus allerlei Online-Quellen ins eigene Wohnzimmer. Ab sofort ist die Boxee Box in 33 Ländern verfügbar. In den USA kostet sie 199 Dollar, in Österreich ca. 230 Euro. Der Haken an der Sache: Die meisten der unterstützten Video-on-Demand-Services funktionieren hierzulande nicht.

Die Verwertungsrechts-Lage in Österreich ist unübersichtlich - zu unübersichtlich, als dass sich internationale Anbieter darum bemühen würden, den kleinen hiesigen Markt für ihre Angebote zugänglich zu machen. In Österreich kann man einzig über die Online-Mediatheken von TV-Sendern und den digitalen Videotheken von UPC und aonTV Videos auf Abruf am Fernseher ansehen. Schade eigentlich, denn die neuen Web-TV-Services hätten einiges zu bieten.

Videos, Musik und Freunde

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Die Boxee Box liefert seinen Nutzern ein eigenes Interface auf dem Fernseher, über das alle im Netz frei erhältlichen TV-Serien, Filme und Musik abrufbar sind. Diese können sofort angesehen werden oder in eine Warteschlange ("Watch Later") gestellt werden. Außerdem kann man mit integriertem Webkit-Browser auf Social Networks oder anderswo im Netz herumsurfen. Apps für beliebte Web-Services, wie etwa Flickr, sind ebenfalls auf der Boxee Box vorhanden.

Mit der Boxee-Software wird auch ein eigenes Netzwerk mitgeliefert. Boxee-Mitbegründer und CEO Avner Ronen erzählte bei der Präsentation der Boxee Box in New York, warum: "Üblicherweise sitzen Leute auf der Couch und wissen nicht, was sie ansehen sollen. Also geht man in den Freunde-Bereich und schaut sich an, was Leute mit einem teilen. Wir glauben, das ist ein großartiger Weg, um Zeit zu verschwenden. Sehr viel Zeit." Neben Ronen arbeiten elf weitere Personen an dem Projekt Boxee.

Jahrelange Entwicklung

Hervorgegangen ist Boxee aus einer Idee von Ronen und vier seiner Freunde, die 2004 begannen, die Open-Source-Software Xbox Media Center (XBMC) zu verwenden, um digitale Medien am Fernseher abzuspielen. Ab 2007 wurde XBMC weiterentwickelt, um Online-Services wie Netflix und Hulu einzubinden. Mitte 2008 wurde Boxee als Web-Service publik gemacht.

Ende 2009 wurden die ersten Gerüchte bekannt, dass Boxee auch eine Hardwarelösung anbieten wird. Boxee schloss sich dafür mit dem taiwanesischen Netzwerk-Spezialisten D-Link zusammen und ließ sich von Astro Studios ein Box-Design entwickeln. Letzteres tauchte bald nach den ersten Gerüchten auf und hat sich seitdem nicht verändert. Die Boxee Box ist ein Würfel, dem quasi ein Eck abgeschnitten wurde. Mittlerweile hat Boxee drei Büros, in New York, San Francisco und Tel Aviv.

Technisch ausgereift

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Im Inneren des Geräts arbeitet ein Intel Atom Chipset. Als Betriebssystem-Basis dient Linux. Die Boxee Box ist sowohl mit WLAN, als auch Ethernet-Anschluss ausgestattet. Weitere Anschlüsse: HDMI, optischer Audio-Ausgang (S/PDIF), analoger Stereo-Ausgang, SD-Kartenschacht und zwei USB-Ports. Mitgeliefert wird auch eine zweiseitige Fernbedienung. Vorne ist diese simpel, mit nur wenigen Knöpfen, ausgelegt, hinten befindet sich eine QWERTY-Tastatur. "On-Screen-Keyboards sind Müll", so das Boxee-Team.

Gegenüber der Konkurrenz glaubt Boxee schlagkräftige Argumente zu haben. "Es gibt mehr im Leben als iTunes", besagt die Boxee-Webseite in Anspielung auf Apple TV. Außerdem könne die Boxee Box im Gegensatz zu Apple TV HD 1080p Videos abspielen. Google TV biete dagegen Web-Content nicht in Fernseher-gerechter Form. Dass Google ebenfalls eine Web-TV-Lösung anbietet, kommt für Boxee andererseits nur recht. Mehrere Video-Anbieter entwickeln HTML5-Apps für Web-TV-Services. "Die Tatsache, dass Google TV darauf drängt, ist hilfreich."

Breite Formatunterstützung

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In puncto Formatunterstützung soll die Boxee Box weit vor der Konkurrenz liegen. Die Hersteller haben Apple TV und die Logitech Revue Set-Top-Box für Google TV getestet und kamen zu dem Schluss, dass diese weit weniger Video- und Audio-Forrmate abspielen konnten. Die Boxee Box dagegen: "Jedes Dateiformat mit drei Buchstaben wird unterstützt." Auch wenn man noch so obskure Dateiformate verwendet, wenn die Codecs dafür per USB oder Netzwerk eingespeist werden, sollte die Boxee Box damit umgehen können.

Ein weiterer Pluspunkt ist das Angebot an Computer-Bastler. Jene können etwa alte Hardware mit dem Boxee-Programm füttern, diese an einen Fernseher anschließen und per iPhone-App sogar eine Fernbedienung dafür erhalten - kostenlos.

Bezahl-Modell für TV-Inhalte

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Einer Schwierigkeit, die Web-TV-Anbietern generell blüht, will Boxee mit einem eigenen Bezahl-Service begegnen. Große TV-Anstalten wollen ihre Produktionen nicht kostenlos im Internet anbieten. Boxee will daher ein Bezahl-Service entwickeln, mit dem der Einzelverkauf von Dateien oder Abonnements abgewickelt werden können. Damit will man einer eventuellen Blockade entgegenwirken, wie sie auch Google TV bei seinem Start erleben musste. Die drei großen US-Sender ABC, CBS und NBC verweigerten dem Web-TV-Anbieter ihre Programme.

Die großen Video-Portale Netflix und Hulu (welches ebenfalls zu den Google-TV-Verweigerern zählt) sind zur Zeit noch nicht an Bord, sollen aber bald auch auf der Boxee Box genutzt werden können. 2012 sollte Boxee erstmals Gewinne abwerfen. Das habe man jedenfalls den Investoren erzählt, so Avner Ronen.

Mehr zum Thema:

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(David Kotrba)

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[[360:side/In der Apps-Ansicht von Boxee sieht man die persönlich favorisierten Web-Services.]]

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