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Obama fordert Hintertür für verschlüsselte iPhones

Obama fordert Hintertür für verschlüsselte iPhones

In die Debatte rund um Privatsphäre und Sicherheit, die durch den verlangten Zugriff des FBI auf ein gesperrtes iPhone neu entfacht wurde, hat sich nun auch Präsident Obama eingeschaltet - und viele Sicherheitsexperten enttäuscht. Zwar war Obama um Ausgewogenheit bemüht und sprach sich für starke Verschlüsselungsmechanismen und strenge Gesetze aus, die es der Regierung unmöglich mache, einfach so in jedes Smartphone Einblick zu erhalten. Gleichzeitig bekräftigte er die Forderung einer Hintertür, womit der Inhalt verschlüsselter Geräte durch Behörden eingesehen werden könne.

Kinderpornografie und Terror

"Ungeachtet des FBI- und Apple-Falls, ungeachtet der kommerziellen Interessen oder was die chinesische Regierung damit anstellen könnte, selbst wenn wir der US-Regierung vertrauen, müssen wir Entscheidungen treffen, welche die Risiken abwägen. Was tun wir, wenn die Verschlüsselung so stark ist, dass es keinen Zugang auf Systeme gibt? Wie können wir gegen Kinderpornografie kämpfen, eine terroristische Verschwörung verhindern oder selbst so was simples wie Steuern eintreiben. Hier muss es ein Zugeständnis geben, wie man an diese Informationen herankommt", führte Obama aus.

Er sei kein Software-Entwickler und deshalb sei die Techbranche gefordert hier eine Lösung zu entwickeln, die bestmögliche Verschlüsselung ermögliche, mit einem Schlüssel, der für die denkbar geringste Anzahl an Leute verfügbar sei und in klar definierten wichtigen Situationen verwendet werden könne. Obama warnte die Industrie vor den politischen Konsequenzen, wenn keine Lösung gefunden werde. "Denn falls einmal etwas wirklich Schlimmes passiert, kann es leicht passieren, dass der US-Kongress ein Gesetz durchwinkt, das nicht durchdacht ist und unsere Bürgerrechte tatsächlich in Gefahr bringt", sagte der US-Präsident.

Obama vs. Sicherheitsindustrie

Mit seiner Aussage dürfte Obama in der Sicherheitsindustrie allerdings nur Kopfschütteln ernten. Auf der RSA-Sicherheitskonferenz vergangene Woche sprachen sich praktisch alle Branchenvertreter gegen eine derartige Hintertür aus. Selbst Microsoft hielt eine flammende Unterstützungsrede für Apple im Streit mit dem FBI, RSA-Chef Amit Yoran sprach gar von reinem "Irrsinn, eine derart katastrophale Schwächung der Infrastruktur" zu fordern. Der bekannte Kryptologe Ron Rivest erklärte: "Wer Zusatz-Schlüssel, Eingänge und spezielle Anleitungen fordert, mit denen Systeme auseinandergenommen werden können, fordert sämtliches Unglück heraus."

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Martin Stepanek

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