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Cory Doctorow

re:publica: Wenn Computer lügen

"Das Internet ist kein Fax-Gerät, das an ein Waffeleisen angeschlossen ist oder ein neuer Vertriebskanal für Videos und Pornografie", sagte Cory Doctorow. "Das Internet ist das Nervensystem des 21. Jahrhunderts". Die leidenschaftliche Rede des in London lebenden Science-Fiction Autors war einer der letzten Höhepunkte, der diesjährigen re:publica, die am Mittwoch in Berlin zu Ende ging.

"Wir leben in einer Welt die aus Computern besteht", sagte Doctorow. Von unseren computergesteuerten Häusern, bis zu Autos, Flugzeugen, Smartphones und Hörgeräten würden Computer zunehmend unser Leben bestimmen und auch zunehmend mit dem Körper zusammenwachsen. Das bedeute auch, dass viele Probleme vor denen wir stehen, Computer beinhalten. "Es ist also kein Wunder, dass die Politik versucht Computer zu regulieren."

Kopierschutz und die Folgen
Solche Bemühungen gäbe es seit geraumer Zeit. So habe etwa die Weltorganisation für geistiges Eigentum (WIPO), 1996 die Umgehung von Kopierschutztechnologien (Digital Rights Management, DRM) unter Strafe gestellt. Das Ziel, damit das Kopieren von Inhalten zu unterbinden, sei zwar klar verfehlt worden, weil sie die Technik leicht umgehen ließe. Der Einsatz von DRM habe aber dazu geführt, dass die Mediennutzung stark eingeschränkt, Nutzer kontrolliert und Innovationen verhindert würden. "DVDs können heute dasselbe wie 1996, als sie auf den Markt kamen", sagte Doctorow. "Es ist nicht ein Feature dazugekommen."

Der Grund dafür sei, dass Rechteinhaber die die Nutzung und Lizenzierung ihrer Inhalte für DVDs und Abspielgeräte an strenge Auflagen und Bedingungen geknüpft hätten, die von regionalen Codes bis hin zu Werbeeinschaltungen reichen, die nicht übersprungen werden können. Auch die Möglichkeit, Modifikationen an Inhalten oder Abspielgeräten vorzunehmen, sei damit unterbunden worden. DRM sei undurchsichtig und täusche die Nutzer, indem Funktionen der Software verschleiert würden. "DRM lügt die Nutzer an."

Doctorow erinnerte auch an den Einsatz von Digital Rights Management durch den Musikkonzern Sony Music, das beim Abspielen von Musik-CDs Spionagesoftware auf den Rechnern von Nutzern installierte.

Kampf um Rechte
Die kommenden Jahre würden zahlreiche Auseinandesetzungen über Kopierschutz und Computer bringen, die ihre Nutzer kontrollieren und ihre Möglichkeiten einschränken wollen, prognostizierte Doctorow.  "Als Künstler hänge ich zwar von den Einnahmen aus dem Verkauf meiner Produkte ab", sagte der Science-Fiction-Autor, der seine Bücher auch unter freien Lizenzen im Internet zum Download anbietet: "Ich würde mir aber eher einen `richtigen Job` suchen, als dem Einsatz von Kopierschutzsoftware zuzustimmen." Freie Geräte und freie Netzwerke seien eine Grundbedingung, um Unterdrückung zu bekämpfen.

Heute würden Geräte zunehmend abgeschottet, andererseits gäbe es genug Möglichkeiten sich Kenntnisse und Fertigkeiten anzueignen, um kreativ mit Computern umzugehen. "Es macht einen Unterschied ob Kinder den ganzen Nachmittag auf ihrem Tablet `My Little Pony` schauen, oder ob sie selbt Animationen machen können." Die Möglichkeit ihre Computer zu kontrollieren und an ihnen herumzubasteln müsse auch künftigen Generationen zur Verfügung stehen.

Netzneutralität: "Mit dem freien Markt hat das nichts zu tun"
Doctorow nahm in seiner Rede auch zur

Stellung. Ehemalige Staatsbetriebe wie die Deutsche Telekom würden den Aufbau ihrer Netze zu einem hohen Grad staatlicher Unterstützung verdanken. Mit dem freien Markt habe dies nichts zu tun. Wenn diese Unternehmen nun Gebühren für die bevorzugte Durchleitung von Diensteanbietern verlangen und ihre Kunden wie Produkte behandeln würden, sollten sie auf Subventionen verzichten.

"Fast alles was wir heute tun, beinhaltet das Netz, alles was wir morgen machen, wird ohne das Internet nicht möglich sein", sagte Doctorow: "Es liegt an uns, ob wir aus dem Netz ein Werkzeug machen, das Teil unser Freiheit oder Teil unserer Unterdrückung ist."

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