Netzpolitik
12.01.2014

Sascha Lobo: "Das Internet ist kaputt"

Das Internet untergrabe die Grundlagen der freiheitlichen Gesellschaft, meint der deutsche Autor Sascha Lobo, der seine Sicht des Netzes nach der NSA-Affäre geändert hat.

Der Buchautor und Journalist Sascha Lobo hat nach dem NSA Spähskandal seine Sicht auf das Internet grundsätzlich geändert. „Das Internet ist kaputt,“ schrieb Lobo in einem Gastbeitrag für die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“. Die Netzgemeinde müsse ihre eigenen Positionen überdenken. „Wir haben uns geirrt, unser Bild vom Internet entsprach nicht der Realität, denn die heißt Totalüberwachung.“

„Medium der totalen Kontrolle“

Lobo schrieb, auch die von ihm in den vergangenen Jahren betriebene Verteidigung sozialer Netzwerke wie Facebook müsse er korrigieren. Sie müsse ergänzt werden „um die Tatsache, dass soziale Netzwerke auch ein perfektes Instrument sind, um einen Sog privatester Informationen ins Internet zu erzeugen. Und damit zur Überwachung.“ Als Medium der totalen Kontrolle untergrabe das Internet die Grundlagen der freiheitlichen Gesellschaft, als Vehikel der Wirtschaftsspionage wirke es auch öknomomisch zerstörerisch.

„Neuer Internetoptimismus“

Lobo nannte sich in seiner Selbstkritik naiv. Er habe trotz Fachwissens nicht für möglich gehalten, was heute an Überwachung Realität sei. Geheimdienste wie die NSA hätten Milliarden in die Überwachung des Internet investiert und wesentlich größere Chancen zur Weltverbesserung im Netz gesehen als etwa die Netzgemeinde. „Nur dass sie eine ganz andere Auffassung von Weltverbesserung hat.“ Nun müsse ein neuer Internetoptimismus entwickelt werden „unter erschwerten Bedingungen in feindlicher Umgebung“.

Lobo ist als Internet-Experte in vielen Medien präsent, er gehörte zum Online-Beirat der SPD und engagierte sich in der Internetinitiative D21.