Netzpolitik
22.11.2018

So gehen die Mobilfunker mit unseren Daten um

Die von der EU geplante ePrivacy-Verordnung weicht den Datenschutz bei Mobilfunkdaten auf, warnt die Arbeiterkammer.

Mobilfunker verfügen über eine schier unerschöpfliche Anzahl an Verkehrs- und Standortdaten. Diese werden in vielen Fällen anonymisiert ausgewertet und in der einen oder anderen Form auch mit Dritten geteilt. Bei pseudonymisierten Daten, also Informationen, die mittels Kennzahl einer bestimmten Person zugeordnet werden können, sind die gesetzlichen Vorgaben streng. Das könnte sich durch die ePrivacy-Verordnung der EU aber ändern, warnt die Arbeiterkammer.

"Schlecht für Datenschutz"

"Nach aktuellem Stand der Verhandlungen bedeutet die ePrivacy-Verordnung eine massive Aufweichung des Datenschutzes", kritisiert AK-Konsumentenschützerin Daniela Zimmer. Sah der ursprüngliche Entwurf noch vor, dass Kunden bei der Weiterverarbeitung ihrer Daten für kommerzielle und wissenschaftliche Zwecke vorab zustimmen müssen, falle diese Vorgabe für statistische und wissenschaftliche Zwecke laut dem aktuellem Entwurf weg, sagt Zimmer.

Für die kommerzielle Weiterverwendung gebe es zumindest ein Widerspruchsrecht. Es sei aber klar ersichtlich, dass kommerzielle Begehrlichkeiten auch vom EU-Ratsvorsitzland Österreich über den Datenschutz und die Privatsphäre von Konsumenten gestellt werden. Der Einwand, dass Konzerne wie WhatsApp, Facebook und Co aktuell bei der Verwendung persönlicher Daten weitaus mehr Freiheiten als etwa die Mobilfunker genießen und dies auch zu ihrem kommerziellen Vorteil nutzen, lässt die AK nicht gelten. "Wir haben immer für eine Angleichung nach oben, also den stärkeren Schutz von Kunden bei all diesen Diensten plädiert", erklärt Zimmer auf Nachfrage der futurezone.

Wie die Mobilfunker schon jetzt bei der Verwendung ihrer Kundendaten umgehen, hat das Institut für Technikfolgen-Abschätzung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften untersucht (Download der Studie als PDF). Im Detail ergeben sich einige Unterschiede. Während A1, T-Mobile und Drei ihre Daten zur Planung des Netzausbaus, gegen die Betrugsbekämpfung, für Marketingmitteilungen an Kunden und für interne statistische Analysen verwenden, teilen A1 und T-Mobile diese Analysen auch mit Dritten. Drei verzichtet explizit darauf.

Strategie der Mobilfunker

Spannender ist allerdings die Handhabe, inwiefern Kunden die Verwendung von Daten untersagen oder widerrufen können. Vorbildlich zeigt sich diesbezüglich T-Mobile. So ist der Mobilfunker laut der Studie der einzige, bei dem Kunden aktiv widersprechen können, dass ihre Daten für die Netzplanung verwendet werden. Was die statistische Analyse für interne Zwecke bzw. für Dritte betrifft, setzt T-Mobile zudem auf das kundenfreundlichere Opt-in-Verfahren. Kunden müssen folglich aktiv zustimmen, dass ihre Daten ausgewertet werden dürfen.

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Auch A1 gibt Kunden die Möglichkeit, dass die statistische Verarbeitung ihrer Daten unterbunden wird. Dabei setzt der Mobilfunker allerdings auf Opt-in. Wer also nicht will, dass seine Daten ausgewertet werden, muss aktiv widersprechen. Wer nicht handelt, willigt mittels Vertragsabschluss zur Verarbeitung der Daten ein. Bei Drei werden die analysierten Daten zwar nicht mit Dritten geteilt, die interne Analyse kann aber überhaupt nicht unterbunden werden. Drei bietet diese Möglichkeit weder als Opt-out noch Opt-in an.

Die Kritik daran will der Mobilfunker so nicht gelten lassen: "Drei ist der einzige heimische Betreiber, der für seine Verkehrsdatenauswertung TÜV-zertifiziert ist. Damit ist sichergestellt, dass die Privatsphäre der Drei-Kunden geschützt ist", teilte der Mobilfunker der futurezone mit.

Auch Vorteile für Kunden

"Die Analyse und Weiterverwertung von Daten kann für den einzelnen auch Vorteile bieten - sei es, dass man vor einem Stau gewarnt wird oder auch das Sicherheitsrisiko bei Großveranstaltungen verringert werden kann. Wenn es allerdings darum geht, das Verhalten eines Kunden im Shopping-Center besser verstehen zu können, muss zumindest die Frage erlaubt sein, was ich als Konsument von so einer Auswertung habe, die auch ein gewisses Risiko hinsichtlich der Privatsphäre bedeutet", erkärt Studienautor Walter Peissl.

Peissl plädiert für ein stärkeres Bewusstsein in der Bevölkerung hinsichtlich des Themas und mehr Transparenz seitens der Mobilfunk- und Telekom-Betreiber. "Konsumenten sollten verstehen, was mit ihren Daten passiert und welche Vor- und Nachteile sie persönlich dadurch haben. Auch kommerzielle Interessen der Betreiber sollten viel klarer aufgezeigt werden. Mit der informierten Zustimmung der Kunden können die Betreiber dann ohnehin viel mit ihren Daten machen", sagt Peissl.