Netzpolitik
29.06.2011

Streit um Frequenzstörungen durch LTE

Während in Deutschland die Vergabe von frei gewordenen Rundfunkfrequenzen an die Mobilfunker bereits über die Bühne gegangen ist, steht Österreich dieser Prozess noch bevor. Vertreter der Rundfunkbranche, Kabelnetzbetreiber sowie Anbieter von Drahtlos-Technologie-Lösungen haben in einer gemeinsamen Erklärung die Politik vor der Interferenzproblematik gewarnt, die bei der geplanten Benutzung von LTE im Frequenzspektrum 790-863 Megahertz drohen.

Die neu gegründete „Allianz für Rundfunkqualität und Kulturvielfalt“, zu der sich neben der ORF-Tochter ORS auch ATV, der Verband der Österreichischen Privatsender sowie Kabelnetzbetreiber wie Salzburg AG und Kabelsignal zusammengeschlossen haben, forderte die Regierung auf, rechtzeitig vor der Versteigerung der frei werdenden Digitalen Dividende im Bereich 790-863 MHz die zu erwartende Störproblematik sowie die finanzielle Kompensation der betroffenen Branchen zu berücksichtigen.

Debatte über Störungen durch LTE
Funkexperten warnen seit längerem davor, dass der Einsatz von LTE in besagtem Frequenzbereich zu Störungen bei anderen Funksignalen, wie etwa Funkmikrofonen, -Kameras, aber auch im Kabelnetz und bei Geräten wie Fernsehern führen könnte, da diese den gleichen Frequenzbereich nutzen. Die Allianz für Rundfunkqualität und Kulturvielfalt fordert daher die Einrichtung einer Clearingstelle, bei der auftretende Störfälle gemeldet werden können. Auch die Bereinigung der Probleme solle von dieser zentralen Stelle veranlasst werden.

Während die Branchenvertreter einige in Deutschland bekannt gewordene Störfälle als Beweis für die Dringlichkeit ihres Ansuchens sahen, reagierte die Mobilfunkbranche ebenfalls umgehend. „Die Befürchtungen hinsichtlich eines erhöhten Störpotenzials anderer Funkdienste durch die von LTE neu genutzten Frequenzen sind unbegründet“, so Rüdiger Köster, Präsident des Forum Mobilkommunikation (FMK) und Technik-Vorstand bei T-Mobile, in Anspielung auf die sechs bekannt gewordenen Störungsmeldungen seit Nutzung der 800-MHz-Frequenz durch 1000 LTE-Sendestationen.

Verdrehung technischer Tatsachen
Mathias Fehr, Präsident des deutschen Berufsverbandes für Anwender drahtloser Produktionstechnologien (APWPT), widerspricht dieser Ansicht hingegen vehement. Da der bisherige Rollout in der Peripherie stattgefunden habe, sei davon auszugehen, dass die Interferenz-Problematik im dicht besiedelten urbanen Raum um ein Vielfaches darüber liege. „Es ist eine Verdrehung der technischen Tatsachen, wenn die Mobilfunkbetreiber behaupten, dass sich Mobilfunk und Drahtlostechnologien nicht stören, obwohl sie im selben Frequenzspektrum angesiedelt sind“, so Fehr.

Im Gespräch mit der futurezone geht Fehr noch einen Schritt weiter. „Ich gehe davon aus, dass die besagten Frequenzen für den störungsfreien Betrieb von Funkmikrofonen im Ballungsraum unbenutzbar werden“, meint Fehr. Die tatsächlichen Auswirkungen des LTE-Betriebs im 800-Megahertz-Spekrum werde man frühestens ab Ende 2011 zu spüren bekommen, wenn mehr Endgeräte in Betrieb genommen werden. Was man in Deutschland im Zuge der Frequenzvergabe versäumt habe – eben die Entschädigungsdiskussion für notwendige technische Umrüstungen sowie die Verantwortlichkeit bei auftretenden Störfällen, müsse in Österreich jedenfalls vor der Vergabe geklärt werden, unterstreicht Fehr.

Schweden und Großbritannien als Vorbilder
Als Vorbilder in diesen Fragen wurden auf der heutigen Tagung Schweden und Großbritannien genannt, die sowohl beim Thema Entschädigungszahlungen, aber auch der Klärung von Verantwortungsbereichen vorausschauend agiert hätten.