Netzpolitik
24.10.2018

Tim Cook: "Unsere Daten werden wie Waffen gegen uns verwendet"

Apple-Chef Tim Cook greift Rivalen wie Facebook und Google wegen der weitreichenden Verwendung von Nutzerdaten an und wünscht sich ein strengeres US-Datenschutzgesetz.

Dass Gewinne über die Privatsphäre gestellt werden, sei nichts Neues, sagt Cook am Mittwoch auf einer Datenschutzkonferenz (ICDPPC) in Brüssel. Doch habe sich daraus mittlerweile eine ganze Industrie entwickelt.

„Unsere eigenen Informationen, von den alltäglichen bis zu den sehr privaten, werden gegen uns gewendet mit militärischer Effizienz“, sagt Cook. "Wir sollten die Folgen nicht schönmalen", fügt er hinzu. "Das ist Überwachung. Dabei ist Privatsphäre ein Menschenrecht."

Der Chef des iPhone-Herstellers nimmt dabei das Geschäftsmodell von einigen Silicon-Valley-Riesen ins Visier. Die Firmen sammeln Daten über ihre Nutzer und verkaufen die Profile dann an die Werbebranche weiter. Deshalb sind Dienste wie Facebook, die Google-Suche oder das Handy-Betriebssystem Android für die Anwender kostenlos.

"Daten-Industrie-Komplex"

Der Apple-Chef nennt dies den "Daten-Industrie-Komplex" und stellte fest, dass Milliarden von Dollar auf der Basis von "Vorlieben und Abneigungen", "Wünschen und Ängsten" oder "Hoffnungen und Träumen" gehandelt wurden, basierend auf Daten, die von Tech-Firmen und Werbetreibenden erfasst werden. Er warnt, dass die Situation "uns sehr unbehaglich machen sollte, es sollte uns verunsichern".

Damit stellt er auch einen direkten Vergleich mit dem "militärisch-industriellen Komplex" aus Rüstungsindustrie und Regierungsbehörden her, der in den USA für Militarismus und Aufrüstung verantwortlich gemacht wird.

Facebook und Co betonen stets, dass die Sammlungen anonymisiert sind und die Datensätze keine Rückschlüsse auf einzelne Nutzer erlauben. Datenschützer bestreiten das.

Härteres US-Datenschutzgesetz

Der Handel mit personenbezogenen Daten diene lediglich dazu, die Unternehmen zu bereichern, die sie sammeln, fügt er hinzu. Cook lobt die EU-Datenschutz-Grundverordnung, die seit Mai in Kraft ist und strengere Regeln für den Umgang mit personenbezogenen Daten durch Unternehmen und Organisationen vorsieht.

"Dieses Jahr haben Sie der Welt gezeigt, dass eine gute Politik und ein politischer Wille zusammenkommen können, um die Rechte aller zu schützen", sagt er dazu. "Es ist Zeit, dass der Rest der Welt, einschließlich meines Heimatlandes, Ihrer Führung folgt. Wir bei Apple unterstützen ein umfassendes Datenschutzgesetz in den USA." Apple selbst ist nach eigenen Angaben wesentlich vorsichtiger bei der Sammlung von Nutzerdaten.

Datenschutz als Geschäftsmodell

"Ich finde es bemerkenswert, dass er das sagt", sagt Jim Killock, Direktor der Open Rights Group gegenüber BBC. "Das hört man normalerweise von zivilgesellschaftlichen Organisationen." Doch möglicherweise stecken dadurch auch kommerzielle Interessen dahinter. Datenschutz gilt bei Apple bereits längere Zeit als Geschäftsmodell. Statt Werbung verkauft Apple Geräte und Abo-Dienste.

"US-Unternehmen verlieren das Vertrauen und ohne dieses Vertrauen können sie die digitale Wirtschaft nicht so gut funktionieren lassen, wie sie sollte", sagt Killock und verwies auf die negative Reaktion der Öffentlichkeit auf Datenverstöße und Fälle von Datenmissbrauch. Cook könnte damit zudem von einer Problematik ablenken, die auch den US-Konzern betrifft: Steuervermeidung. Die Pläne der Digital-Steuer würde neben der Konkurrenz auch Apple hart treffen.

Mark Zuckerberg und Sundar Pichai, Geschäftsführer von Facebook und Google, werden im Laufe der Woche auf der EU-Konferenz sprechen – allerdings nur in Form einer aufgezeichneten Videobotschaft.