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Netzpolitik
11/06/2019

Waffen aus dem 3D-Drucker: Das sagt ein Experte

Eigenbau-Waffen können eine Gefahr werden, wenn sie funktionieren. Der Halle-Attentäter verwendete ein fehlerhaftes Hybrid-Modell.

von Franziska Bechtold

3D-Drucker erfreuen sich seit einigen Jahren unter Bastlern großer Beliebtheit. Ihre Funktionsweise unterscheidet sich im Grunde nicht sonderlich von einem Papierdrucker: Es wird eine Datei vom Computer ausgedruckt. Der Unterschied besteht in Form und Material des dreidimensionalen Endprodukts: Meistens wird Kunststoff wie Plastik in dünnen Schichten möglichst präzise aufgetragen, bis das Objekt entsteht.  

Die günstigsten 3D-Drucker sind bereits um 200 Euro im Verkauf. Ausdrucken kann man damit, was man will, solange man eine entsprechende Datei besitzt. So können Objekte für den Modellbau gedruckt werden - und theoretisch auch Schusswaffen. Dafür sind auf einschlägigen Seiten Baupläne kostenlos verfügbar. Gedruckt werden zahlreiche Einzelteile, die anschließend zusammengeschraubt werden.

Besonders gefährlich ist, dass reine Plastikwaffen nicht von Metalldetektoren erkannt werden. Nur die Munition besteht weiterhin aus Metall. Nun warnt das europäische Polizeiamt Europol laut eines Spiegel-Berichts ausdrücklich vor der Gefahr durch solche Schusswaffen.

Metall-Druck

Ist es wirklich möglich, selbst eine Waffe zu bauen? „Theoretisch ist alles machbar. In der Realität ist die Herstellung mit dem 3D-Drucker kompliziert und solange Science Fiction, bis man Metallteile ausdrucken kann“, sagt der Rechtsanwalt und Waffenexperte Harald Hauer im futurezone-Gespräch. Derzeit ist noch kein Metall-Druck für Heimanwender möglich. Plastik-Waffen sind meist nicht funktionsfähig.

Auslöser der Europol-Warnung ist der Fall Stephan B., der vor wenigen Wochen in Halle einen Anschlag auf eine Synagoge verübte. Seine Waffen baute er selbst. Es wird vermutet, dass er auf die Baupläne des britischen Waffen-Aktivisten Philip Luty zurückgriff, die im Internet verfügbar sind. Eine Maschinenpistole war ein Hybridbau, sie bestand also aus Metallkomponenten und ausgedruckten Plastikteilen. 

Die von ihm hergestellten Waffen funktionierten nicht gut - aber gut genug. Ein erklärtes Ziel des Rechtsextremen war es laut Manifest, die Tauglichkeit der Eigenbau-Waffen zu demonstrieren. Das versuchte der Texaner Cody Wilson schon 2013. Er wollte die Baupläne für seine vollständig aus 3D-Drucken hergestellte Waffe „Liberator“ im Internet verkaufen. 2018 gaben US-Gerichte dafür kurzzeitig grünes Licht, doch ein Richter blockierte den Vorstoß. Allerdings waren die Pläne bereits in Umlauf und sind weiterhin im Darknet auffindbar.

Waffengesetz

Hierzulande gibt es für Eigenbau-Waffen keine explizite Regelung. Alles, mit dem ein Schuss in eine bestimmte Richtung abgegeben wird, falle unter das Waffengesetz, erklärt Hauer. Demnach müssen Erwerb und Besitz einer Waffe durch eine Waffenbesitzkarte genehmigt werden. Eine Waffe herstellen dürfen nur lizenzierte Büchsenmacher mit Gewerbeschein. Es ist aber zu bezweifeln, dass sich Menschen, die das Herstellen solcher Waffen in Kauf nehmen, an diese Gesetze halten.

Zudem können solche Waffen nicht nachverfolgt werden. Es gibt weder eine gesetzlich vorgegebene Seriennummer, noch Mittelsmänner. Ob in Österreich bereits Fälle bekannt sind, bei denen Waffen mit 3D-Druckern hergestellt wurden, konnte das Innenministerium trotz mehrfacher Anfrage der futurezone am Mittwoch nicht beantworten.