Netzpolitik
10.03.2018

Wirbel um möglichen Hack des deutschen Fluggastedatensystems

Das deutsche Innenministerium hat dementiert, dass es zu einem Hackerangriff auf das Fluggastdatensystem gekommen sein soll.

Wegen eines weiteren Hacker-Angriffs soll laut „Spiegel“ das Bundesverwaltungsamt ein System zur Übermittlung von Fluggastdaten abgeschaltet haben. Das Innenministerium dementiert nun. „Ein Hack, wie berichtet, hat nicht stattgefunden“, teilte ein Ministeriumssprecher am Samstag mit. Das derzeit im Rahmen einer EU-Richtlinie aufgebaute „Passenger Name Record System“ (PNR) befinde sich noch in der Erprobung. Im Zuge dessen seien Belastungstests durchgeführt worden.

Nach einer EU-Richtlinie zur Terrorismusbekämpfung müssen Fluggesellschaften ab Mai für jeden Passagier 20 persönliche Informationen an die Behörden leiten. Die Informationen werden fünf Jahre lang gespeichert und bei Bedarf zwischen den EU-Staaten ausgetauscht. In Österreich wurde vor kurzem eine entsprechende Gesetzesanpassung heftig kritisiert. 

Angriff auf Bundesregierung

Bereits vor gut einer Woche war ein Hacker-Angriff auf die Bundesregierung bekanntgeworden, der Medienberichten zufolge auf das Referat für Russland und Osteuropa im Auswärtigen Amt gezielt hatte und bei dem nur wenige Dokumente erbeutet worden waren.

Unter den mindestens sechs entwendeten Dokumenten sei neben Aufzeichnungen über EU-Gespräche zur Ukraine und zu Weißrussland auch ein Protokoll über die Brexit-Verhandlungen der Europäischen Union mit Großbritannien, schrieb der „Spiegel“. 

​​​​Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur soll hinter der Attacke eine russische Hackergruppe stecken, die unter dem Namen „Snake“ (deutsch: Schlange) agiert. Computerexperten sagen ihr Verbindungen zu russischen Geheimdiensten nach. Die Bundesanwaltschaft leitete Vorermittlungen wegen geheimdienstlicher Agententätigkeit gegen unbekannt ein. Nach Medienrecherchen war der Angriff offenbar Teil einer weltweiten Hacker-Attacke, von der auch Länder in Skandinavien, Südamerika und ehemalige Sowjetstaaten betroffen sein sollen.